Folk Horror, Doppelgänger und verfluchte Clowns: Das Beyond Fest schickt 46 Kurzfilme ins Genre-Labor
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46 kurze Wege ins Verderben
📰 Was ist los?
Das Beyond Fest hat sein Kurzfilmprogramm veröffentlicht. 46 Filme laufen in fünf kuratierten Blöcken, darunter elf Weltpremieren sowie Horror, Science-Fiction und experimentellere Genrestoffe.
🐛 Was denken wir?
Kurzfilme sind das perfekte Versuchslabor für Ideen, die in zwei Stunden vermutlich auseinanderfallen würden. Beim Beyond Fest reichen manchmal eben zehn Minuten, um einem Wald, einem Doppelgänger oder einem Clown nachhaltig zu misstrauen.
Wer beim Beyond Fest nur auf die großen Namen und langen Filme schaut, verpasst traditionell den Teil des Programms, in dem die seltsamsten Ideen auf engstem Raum passieren.

© Beyond Fest / American Cinematheque / MUBI
Das Festival hat jetzt sein vollständiges Kurzfilmprogramm veröffentlicht. Insgesamt umfasst es 46 Filme in fünf kuratierten Blöcken, darunter elf Weltpremieren. Zwischen Horror, Science-Fiction, Surrealismus und schwarzer Komödie entsteht damit erneut genau jener Bereich, in dem ein Festival wie Beyond Fest besonders frei drehen kann.
Die Spannbreite reicht von karmischem Folk Horror über Doppelgänger-Stoffe bis zu Science-Fiction und grotesken Albtraumideen. Wer bei 46 Titeln etwas findet, das sich vernünftig zusammenfassen lässt, hat vermutlich das falsche Festival erwischt.
🌲 Folk Horror trifft Identitätsverlust
Zu den auffälligeren Titeln gehört Kāalgaon von Amit Gupta, ein Folk-Horror-Kurzfilm, der mit karmischen Motiven arbeitet und damit genau in jene Ecke fällt, in der Landschaft, Schuld und Überlieferung irgendwann anfangen, miteinander schlechte Dinge zu tun.
Idols von Matt Halsall setzt dagegen stärker auf Identitäts- und Doppelgängermotive. Solche Stoffe funktionieren im Kurzfilm oft besonders gut, weil sie keine Zeit verlieren müssen, ihre Unruhe lang anzukündigen. Ein Gesicht reicht manchmal völlig, solange es das falsche ist.
Pick Up Game von Ocean Vashti Jude bringt Science-Fiction in den Block und erweitert das Programm um eine stärker spekulative Richtung. Das Beyond Fest bleibt damit seiner Linie treu, Horror nicht ausschließlich über Monster und Blut zu definieren.
🧠 Fünf Blöcke, fünf verschiedene Arten von Kontrollverlust
Das Programm ist in fünf kuratierte Blöcke aufgeteilt: Mind Games, Peak Chaos, Heartburn, Family Business und Prey Tell. Schon die Titel machen ziemlich deutlich, dass hier niemand versucht hat, die Filme nach beruhigenden Kategorien zu sortieren.
In Mind Games landen psychologische und identitätsbezogene Stoffe, darunter Pick Up Game und Idols. Peak Chaos klingt genau so, wie es gemeint ist, während Heartburn stärker auf emotionale und zwischenmenschliche Katastrophen zielt.
Family Business nimmt Beziehungen und familiäre Dynamiken auseinander, und Prey Tell bewegt sich stärker in Richtung Jagd, Bedrohung und Überleben. Zusammen ergibt das weniger eine klassische Festivalrubrik als fünf verschiedene Arten, einen Abend aus dem Gleichgewicht zu bringen.
👁️ Kurzfilm bleibt das ideale Versuchslabor
Gerade Genrefestivals profitieren vom Kurzfilm, weil dort Dinge ausprobiert werden können, die in 100 Minuten vielleicht zu dünn, in 15 Minuten aber genau richtig sind.
Das Beyond Fest betont ohnehin seit Jahren seine Offenheit für Horror, Dark Comedy und Filme, die formal schwer einzuordnen sind. Genau deshalb passt das Kurzfilmprogramm so gut zum Gesamtprofil.
46 Titel bedeuten dabei natürlich nicht 46 zukünftige Klassiker. Aber sie bedeuten 46 Gelegenheiten, eine Idee ohne Rücksicht auf Franchiseplanung, Sequels oder Marktsegmente durchzuziehen.
🎟️ Los Angeles bekommt die volle Ladung
Das Festival läuft Ende September bis Anfang Oktober in Los Angeles und verteilt seine Veranstaltungen auf mehrere bekannte Kinos der Stadt. Neben großen Premieren und Retrospektiven bleibt der Kurzfilm damit der kompaktere, oft experimentellere Gegenpol im Programm.
Für uns ist vor allem interessant, wie breit das Genreverständnis hier bleibt. Folk Horror, Science-Fiction, Doppelgänger, Familienhorror und surrealer Irrsinn landen alle unter demselben Dach.
Das Beyond Fest zeigt damit wieder einmal: Für einen wirklich schlechten Abend braucht man manchmal keinen Spielfilm. Zwölf Minuten reichen völlig.





