Ben Bernschneider und die Anzug-Apokalypse: Wenn Stromberg zum Chef der Style-Polizei wird

🔍 Suche im Fantasykosmos

Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Banner für den Newsletter im Fantasykosmos mit Gandalf, der den Leser nicht vorbeilässt,

Ben Bernschneider und die Anzug-Apokalypse: Wenn Stromberg zum Chef der Style-Polizei wird

🌎 Ein Brief aus dem begehbaren Kleiderschrein der männlichen Selbstrettung, wo Goretex als Sündenfall gilt und ein Trenchcoat offenbar zur Erweckungserfahrung werden kann.

Gestern fanden wir auf dem Redaktionsflur einen seltasamen Kleiderbügel aus Messing.

Er hing frei in der Luft. Darunter lagen eine Sonnenbrille, ein sorgsam gefaltetes Halstuch und ein Zettel mit der Aufschrift: „Bitte nicht anfassen, das ist Haltung.“

Kurz darauf öffnete sich unser alter Aktenschrank von selbst und gab einen Brief frei, der nach Rasierwasser, Vintage-Leder und der stillen Verachtung für Funktionsjacken roch.

Absender: Ben Bernschneider. Mode-Influencer. Gentleman-Erklärer. Mann mit Trenchcoat-Mythos, Oberlippenbekenntnis des Burt-Reynolds-Fanclubs und jener Sonnenbrillen-Autorität, bei der man nie genau weiß, ob gleich ein Stilrat folgt oder ein schlecht gelaunter Nebencharakter aus einer Yachtwerbung der späten Siebziger den Raum betritt.


Ben Bernschneider als Mode-Influencer steht in einem düsteren Kleiderschrank-Tempel zwischen Anzügen, Sonnenbrillen und besiegten Funktionsjacken, während graue Bürogestalten im Hintergrund auf Stil-Erlösung warten

✉️ Der Brief

„Eine Funktionsjacke ohne Wetterlage ist kein Kleidungsstück. Sie ist ein Hilferuf mit Reißverschluss.“
– Aus der KiK Herbstbroschüre Mantel, Mann und metaphysischer Sitz

An die ungefütterten Gestalten des Zwischenreichs,

ich sage es euch ganz ruhig, weil Härte in falschem Stoff immer nach Hausverwaltung aussieht:

Der deutsche Mann ist nicht verloren. Er ist nur komplett falsch angezogen.

Er steht morgens vor seinem Schrank, greift zur Funktionsjacke und nennt das eine Entscheidung. Er zieht Goretex an, obwohl kein Gebirge in Sicht ist. Er trägt Schuhe, als müsse er bereit sein, jederzeit eine Tiefgarage zu evakuieren. Und dann wundert er sich, dass niemand Respekt vor seiner Silhouette hat.

Das ist kein Zufall, sondern ein Notstand mit Reißverschluss. Ich bin nicht hier, um euch Mode zu erklären. Mode ist zu flüchtig. Mode rennt jede Saison panisch an sich selbst vorbei. Ich spreche von Stil. Von Haltung. Und von der wesentlichen Frage, ob ein Mann den Raum betritt oder nur textile Geräusche macht.

Natürlich fragt ihr jetzt: Wer hat mich berufen?

Ich will da ehrlich zu meinen Jüngern sein: Niemand. Natürlich nicht.

Das ist ja das Schöne an Social Media. Früher brauchte man Akademien, Schneidermeister oder wenigstens einen Onkel mit Maßband. Heute reicht ein Mantel, eine Kamera und der Mut, deutschen Männern ins Gesicht zu sagen, dass ihre Outdoorjacke keine Persönlichkeit ist.

Ich war Werbetexter. Ich war Fotograf. Ich war fast pleite. Dann kaufte ich mir einen Mantel, den ein vernünftiger Mensch in dieser Lage nicht gekauft hätte.

Aber Vernunft kleidet selten gut.

Manchmal muss ein Mann erst einen viel zu teuren Trenchcoat kaufen, um zu begreifen, dass sein altes Leben nicht gespart, sondern nur schlecht kombiniert war.

Ihr lacht über Sonnenbrillen.

Gut.

Lacht doch.

Aber eine Sonnenbrille ist kein Accessoire. Sie ist ein kleines architektonisches Statement im Gesicht. Falsch getragen, sieht man aus wie ein Vorstadt-Cop auf Mallorca. Richtig getragen, wirkt man wenigstens so, als hätte man vor dem Spiegel eine Niederlage weniger akzeptiert.

Der Banner für das Fantasykosmos Feuilleton mit lesendem Drachen hinter Zeitung.

Und ja, ich weiß, was ihr über meinen Schnurrbart denkt.

Natürlich weiß ich das.

Ihr nennt ihn vielleicht ein Relikt. Einen Irrtum. Eine behaarte Zeitmaschine aus einer Bar, in der Robbie Williams irgendwann seine verlorenen Jahre suchen würde.

Ich nenne ihn jedoch Linie.

Nicht jede Linie muss euch gefallen. Manche Linien müssen einfach durchgezogen werden, damit der Rest des Gesichts weiß, wer hier zuständig ist.

Der moderne Mann hat zu lange geglaubt, Bequemlichkeit sei ein Argument. Nein. Bequemlichkeit ist der Beginn der Kapitulation. Erst kommt der Fleecepullover. Dann die Trekkingsandale. Dann sagt jemand im Büro: „Hauptsache praktisch.“ Und plötzlich sitzt Stromberg im Konferenzraum und alle tun so, als sei das ein Dresscode.

Ich sage euch: Praktisch ist kein Stil. Praktisch ist ein Verbandskasten.

Ein Anzug muss nicht steif sein. Er muss nicht laut sein. Er muss nicht aussehen, als habe ein Versicherungsvertreter darin seine dritte Ehe verloren. Der Mann im Anzug muss sich darin wohlfühlen. Sonst trägt nicht er den Anzug. Dann trägt der Anzug seine Angst.

Das ist der Unterschied. Denn: Kleidung soll nicht verkleiden. Sie soll verraten, dass jemand einmal nachgedacht hat, bevor er aus dem Haus ging.

Das ist meine kleine Mission.

Nicht Rettung der Welt.

Nur die Rettung des deutschen Mannes vor dem Satz: „Das geht doch noch.“

Nein. Es geht nicht noch.

Es ging vielleicht nie.

Mit gefüttertem Ernst
Ben Bernschneider
Hohepriester des tragbaren Selbstwerts
Mantelzeuge der späten Erweckung
und Schutzpatron gegen Goretex im Büro

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.
Schwarzweiße Luxus-Werbeparodie im Stil einer edlen Uhrenkampagne: Ein ernst blickender Ork mit markanten Stoßzähnen und elegantem schwarzen Sakko sitzt in halb seitlicher Pose vor dunklem Hintergrund. Auf seinem Handgelenk trägt er eine metallische Luxus-Uhr. Über dem Bild stehen groß der Markenname „VORGHAN VULTOR“ und darunter „MIMIKRON“. Rechts unten ist die Uhr noch einmal als Produktabbildung zu sehen: ein silbernes Modell mit dunklem Zifferblatt, zahnartigen Stundenmarkierungen und einem unheimlichen Auge im unteren Bereich. Die Szene wirkt auf den ersten Blick hochwertig und seriös, entfaltet aber auf den zweiten Blick ihren absurden Fantasy-Humor.

🪶 Kommentar der Redaktion:

Der Brief kam nicht aus einem Kleiderschrank. Er kam aus einer Garderobe, die sich selbst für eine geistige Bewegung hält.

Bernschneider schreibt darin nicht wie jemand, der Männern einfach bessere Kleidung empfehlen möchte. Er schreibt wie ein freundlicher Endzeitpriester des guten Schnitts, der in jeder Funktionsjacke bereits den Untergang der abendländischen Silhouette erkennt.

Das Absurde daran ist: Ganz falsch liegt er nicht. Der deutsche Bürolook hat in vielen Fällen tatsächlich die Ausstrahlung eines Fluchtplans mit Brusttasche. Nur wird aus dieser Beobachtung bei ihm eine kleine Ersatzreligion aus Mantel, Maßband, Sonnenbrille und spät erwachter Altherrenwürde.

Seit der Lektüre betrachten wir jede Goretex-Jacke im Büro mit neuer Vorsicht. Nicht, weil sie hässlich wäre, sondern weil sie womöglich gerade eine Persönlichkeit ersetzt.

Banner für das Daily Meme mit Boney Jones dem Geisterpiraten.

Außerdem ziemlich lesenswert: