🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Die Bestie stolpert aus dem Pokéball
📰 Was ist los?
Beast of Reincarnation ist für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S erschienen und direkt im Game Pass verfügbar. Das Action-Rollenspiel begleitet Emma und ihren Hund Koo durch ein überwuchertes Japan des Jahres 4026.
🐛 Was denken wir?
Das gemeinsame Kampfsystem besitzt genügend Eigenleben, um Game Freaks Ausflug aus dem Pokémon-Kosmos zu rechtfertigen. Bei Welt, Erkundung und Geschichte scheint die Bestie jedoch zu oft an bekannten Laternenpfählen Halt zu machen. Exakt 50 Prozent Zustimmung auf Steam sind dafür ein erstaunlich präzises Zwischenzeugnis.
🐺 Game Freak verlässt den Pokéball: Beast of Reincarnation spaltet Steam
Game Freak hat den Pokéball verlassen. Keine niedlichen Taschenmonster, keine bunten Arenen und kein zehnjähriger Held, dessen Eltern offenbar keinerlei Einwände gegen unbeaufsichtigte Weltreisen besitzen. Stattdessen gibt es ein überwuchertes Japan, mutierte Bestien und eine ausgestoßene Schwertkämpferin mit einem gewaltigen Hund.

© 2026 GAME FREAK inc. / Fictions
Beast of Reincarnation ist für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S erschienen. Das Action-Rollenspiel von Game Freak und Fictions ist außerdem direkt über Game Pass Ultimate und PC Game Pass verfügbar. Deutsche Bildschirmtexte und Untertitel sind enthalten.
Der erste Empfang fällt allerdings beinahe mathematisch gespalten aus. Gegen 18:30 Uhr stehen auf Steam 1.141 Bewertungen verifizierter Käufer bei exakt 50 Prozent Zustimmung. Werden auch Rezensionen aus anderen Bezugsquellen eingerechnet, treffen 831 positive auf 726 negative Stimmen.
Die Bestie ist damit kaum einige Stunden alt und hängt bereits mitten in einer öffentlichen Grundsatzdebatte. Immerhin kann diesmal niemand behaupten, Steam habe lange um den heißen Pokéball-Brei herumgeredet.
🌿 Im Jahr 4026 wächst der Wald über die Menschheit
Die Geschichte führt in ein postapokalyptisches Japan, exakt 2.000 Jahre in der Zukunft. Eine Verderbnis hat Tiere, Pflanzen und ganze Landschaften verändert. Wälder brechen plötzlich aus dem Ödland hervor, mutierte Kreaturen beherrschen weite Gebiete und Teile der Menschheit haben ihr Bewusstsein in mechanische Körper übertragen.
Im Mittelpunkt steht Emma. Die von der Gesellschaft ausgestoßene Kämpferin trägt die Verderbnis selbst in sich und kann deren Kräfte aufnehmen. Gemeinsam mit dem ebenfalls gezeichneten Hund Koo soll sie jene mächtigen Wesen bezwingen, die das Land kontrollieren, und schließlich die namensgebende Bestie der Wiedergeburt erreichen.
🎬 Emma und Koo ziehen gemeinsam in die Postapokalypse
Der Launch-Trailer zu Beast of Reincarnation zeigt die überwucherte Welt des Jahres 4026, mutierte Kreaturen und das gemeinsame Kampfsystem von Emma und Koo. Der Mensch führt das Schwert – der Hund übernimmt offenbar den taktischen Teil.
Die Welt besteht nicht aus einer einzigen offenen Karte, sondern aus größeren, nacheinander bereisten Gebieten. Zwischen Ruinen, Maschinen und plötzlich wuchernden Wäldern sucht Emma nach neuen Kräften, während die Geschichte ihre Vergangenheit und die Geheimnisse ihrer Begleiter zunächst sorgfältig unter dichtem Bewuchs hält.
Optisch ist das weit von Game Freaks bekanntester Reihe entfernt. Beast of Reincarnation setzt auf realistischere Figuren, melancholische Landschaften und Kreaturen, die man nur schwer mit einem roten Ball und freundlicher Bestimmtheit zur Zusammenarbeit bewegen dürfte.
⚔️ Emma schlägt zu, Koo hält die Zeit an
Im Kampf steuern Spieler Emma direkt. Sie greift mit dem Schwert an, weicht aus, pariert und setzt ihre pflanzenartigen Kräfte ein. Aus ihrem Haar wachsen Ranken, die Angriffe ermöglichen, Abgründe überbrücken oder Emma zu höher gelegenen Stellen ziehen.
Koo bildet die taktische Hälfte des Systems. Seine Fähigkeiten werden über ein Kommando-Menü ausgewählt, während sich das Geschehen stark verlangsamt. Erfolgreiche Paraden versorgen den Hund mit den nötigen Punkten für seine Techniken. Beide Figuren verstärken sich dadurch gegenseitig, statt lediglich nebeneinander auf denselben Gegner einzuschlagen.
Mit fortschreitender Spielzeit wächst das Arsenal. Emma kann große Entfernungen überbrücken, Gegner aus der Höhe attackieren, Fernkampfwaffen einsetzen und sogar Pflanzen als spontane Tarnung aus dem Boden sprießen lassen. Koo liefert zusätzliche Angriffe und sogenannte Bloom Arts.
Gerade dieses Zusammenspiel gehört zu den am häufigsten gelobten Teilen des Spiels. Hinter der zunächst vertraut wirkenden Mischung aus Ausweichen, Parieren und gewaltigen Bossen steckt ein System, das Echtzeit-Action und Kommandokampf tatsächlich miteinander verzahnt. Oder einfacher gesagt: Der Mensch hält das Schwert, der Hund verwaltet die Spezialangriffe. In mancher Heldengruppe wäre das bereits eine deutliche Verbesserung der Befehlskette.
📉 Steam teilt die Bestie beinahe in zwei gleiche Hälften
Die frühen Steam-Rezensionen ergeben kein geschlossenes Bild. Die Zustimmung liegt bei den bestätigten Käufern exakt bei 50 Prozent. Damit bewegt sich Beast of Reincarnation nur wenige Stunden nach der Freischaltung im Bereich »Ausgeglichen«. Die Zahlen verändern sich noch schnell. Innerhalb einer halben Stunde kamen bereits Dutzende weitere Bewertungen hinzu. Für ein abschließendes Urteil ist es deshalb zu früh, für einen auffällig holprigen Start jedoch nicht.
Bemerkenswert ist vor allem der Kontrast zwischen Aufwand und Ertrag. Beast of Reincarnation ist kein kleines Nebenprojekt, das Game Freak während einer längeren Mittagspause zwischen zwei Pokémon-Spielen zusammengeschraubt hat. Das Action-Rollenspiel wurde über Jahre entwickelt, setzt auf eine neue Welt, ein eigenes Kampfsystem und eine für das Studio ungewöhnlich düstere Inszenierung.
Gerade deshalb wiegt die frühe Spaltung schwerer. Viele Spieler wollten sehen, was Game Freak außerhalb seines bekanntesten Franchise leisten kann. Die Antwort lautet bislang: beim Kampfsystem einiges, beim Rest offenbar nicht genug für eine kollektiv positive Meinung.
🧩 Eine eigene Welt mit auffällig vielen fremden Fußspuren
Auch die ersten professionellen Kritiken erkennen zwei sehr unterschiedliche Spiele. Gelobt werden die Kämpfe, die Beziehung zwischen Emma und Koo sowie die melancholische Stimmung der überwucherten Zukunft. Gleichzeitig wirken viele Bestandteile auffällig vertraut. Die postapokalyptische Melancholie erinnert an NieR: Automata, große Monster an Monster Hunter, die mobile Basis an Death Stranding und manche Kreatur an Vorbilder aus Film und Fernsehen.
Das wäre allein kein Todesurteil. Spiele bestehen selten aus Ideen, die zuvor noch kein Mensch gedacht hat. Problematischer wird es, wenn die übernommenen Versatzstücke interessanter wirken als die Antworten, mit denen die eigene Geschichte sie zusammenhalten möchte. Gerade bei den zahlreichen Geheimnissen scheint Beast of Reincarnation zu viel Nebel zu erzeugen und später zu wenig darin zu verstecken. Figuren, Religionen, Maschinenmenschen und die Geschichte der untergegangenen Welt werden lange als große Rätsel aufgebaut, ihre Auflösungen bleiben nach den ersten Kritiken jedoch häufig an der Oberfläche.
So entsteht ein merkwürdiger Widerspruch: Game Freak wagt mit seinem bislang ambitioniertesten Projekt außerhalb von Pokémon einen gewaltigen Schritt ins Unbekannte und landet ausgerechnet dort auf den Fußspuren zahlreicher anderer Spiele. Der Ausbruch aus dem Pokéball ist damit gelungen. Ob Beast of Reincarnation ohne Leine laufen darf, entscheidet sich bei Steam offenbar erst nach einer sehr strengen Gehorsamsprüfung. Wir werden sehen, wie die ausgeht.





