Barbarian – Reek Of God (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Barbarian – Reek Of God

🧿 Kurzfazit
Zwischen den Welten ist der Moment, in dem Sagenbringer endgültig vom Szenetipp zur vollwertigen Folk-Metal-Marke aufrücken: zwölf Sagen in Albumform, meist hymnisch, oft tanzbar, manchmal erstaunlich ernst.

🎯 Für wen?
Für Leute, die bei Begriffen wie Folk-Metal, Pagan-Metal und Walpurgisnacht nicht die Augen verdrehen, sondern die Trinkhornbestellung prüfen. Und für alle, denen Feuerschwanz zu albern, Varg zu grimmig und Chart-Pop grundsätzlich zu arm an Runen ist.

🎧 Wie klingt das?
Moderne Metal-Gitarren mit klarem Punch, dazu Folk-Melodien, die sich ohne Umweg in den Gehörgang bohren. Schlagzeug und Bass liefern Festival-Groove, die Chöre sorgen für Lagerfeuer-Euphorie. Textlich pendelt das Ganze zwischen nordischer Mythologie, Freiheitsromantik und gepflegtem Kneipenpathos.

💿 Highlights
Valkyrensturm, Freie Vögel, Zwielichtkarneval, Der stete Tropfen

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei jedem „In Odins goldener Hall“ innerlich den Tolkien-Notausgang suchst oder Folk-Chöre generell als akuten Fluchtgrund betrachtest.


🎸 Barbarian – Reek Of God: 98 Riffs für notorisch headbangende Häretiker

Barbarian gehören zu dieser Sorte Band, die sich bei jedem Album ein neues Etikett ausdenkt, nur um dann doch wieder exakt das zu liefern, was der Name verspricht. Nach Stationen wie „Regressive Metal“ und „Absolute Metal“ heißt es 2026 nun „Retrogarde Metal“. Inhaltlich bedeutet das: sechstes Album, 98 Riffs in 35 Minuten, null Toleranz gegenüber Gott und seinen Vertreterklubs.

Reek Of God erscheint bei Dying Victims Productions und setzt die Linie der letzten Platten fort. Italienisches Trio, schwarzer Speed-Thrash der alten Schule, antireligiöse Tiraden, alles bewusst unzeitgemäß. Die Frage ist eher, ob dieses Mal mehr hängen bleibt als nur das Gefühl, mit einem sehr dicken Geschichtsbuch vermöbelt worden zu sein.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black-Speed-Metal, Thrash-Metal, extrem alter Schule
Vergleichbar mit: Celtic Frost im Trainingslager, Venom mit etwas mehr Präzision, frühe Sodom ohne den Panzerkettenhumor
Klangfarbe: Trockener, druckvoller Studio-Sound, der die Instrumente klar trennt, aber genug Schmutz übrig lässt, damit alles nach Keller riecht und nicht nach DAW-Preset.

Highlights

Maxima Culpa
Der erste richtige Song nach dem Warning-Intro und gleich so etwas wie das Manifest der Platte. Harter Uptempo-Ritt, bei dem die Rhythmusgruppe wie ein defektes Presslufthammer-Duo arbeitet, während der Gesang eine komplette Beichtkabine abfackelt. Textlich eine Aufzählung aller möglichen Sünden, allerdings mit der freundlichen Pointe, dass der Allmächtige sich bitte daran verschlucken möge.

Sledgehammer
Der programmatische Vorschlaghammer. Die Riffs klingen, als würde jemand mit rostigem Werkzeug Kirchenmauern entkernen, das Schlagzeug groovt erstaunlich zielstrebig und der Chorus hämmert den Titel immer wieder ins Hirn. Hier zeigt sich Barbarian von der eingängigeren Seite, ohne die rohe Kante zu verlieren.

Retrogarde Metal
Das Selbstporträt am Ende. Textlich eine Liebeserklärung an die eigene Sturheit, musikalisch eine kompakte Lektion in „alles wie früher, nur noch hässlicher“. Der Song bündelt Speed-Attacken, ein paar fast heroische Leads und genug Selbstironie, um klarzumachen, dass Barbarian sehr genau wissen, wie rückwärtsgewandt das alles ist.

🎨 Artwork

Zeitmaschine mit Malkasten: Reek Of God sieht genau so aus, wie ein Album mit diesem Titel im Jahr 1985 ausgesehen hätte – nur, dass es 2026 erschienen ist. Im Zentrum steht ein überzeichneter Muskelbarbar mit grünlich schimmernder Haut, Hörnerhelm und schwarzem Umhang, der mit erhobener Axt zum finalen Schlag ausholt. Unter ihm kniet ein Kreuzritter im weißen Waffenrock mit rotem Kreuz, Schild und Schwert verzweifelt nach oben gerissen, eingefroren im Moment kurz vor der sehr unfreundlichen Begegnung von Schädel und Stahl.

Der Hintergrund ist ein einziger Feuersturm: flammende Gelb-, Orange- und Rottöne, Rauchschwaden, angedeutete Dämonenfratzen im Nebel. Oben prangt der „Barbarian“-Schriftzug in bröckelndem Gold, als wäre er aus verbrannter Kirchendeko gegossen; unten links steht in derselben Farbe der Albumtitel „Reek of god“. Das Ganze wirkt wie eine Mischung aus Frazetta-Cover, Heavy-Metal-Poster und anti-kirchlicher Karikatur, maximal pulpig, maximal unsubtil und damit perfekt auf den Sound abgestimmt.


🪦 Besondere Momente

Intro mit Seitenhieb: Warning ist eine explizite Verbeugung vor Ice-T. Barbarian adaptieren dessen 1993er Intro und verwandeln es in eine kurze, verdrehte Gebrauchsanweisung. Wer religiöse Empfindlichkeiten hat, soll bitte gleich wieder rausgehen.

Crass im Beichtstuhl: Shit He Forgives basiert laut Labeltext auf den Lyrics von Reality Asylum der Anarcho-Punks Crass. Das Ergebnis wirkt wie ein Gottesdienst, den jemand mit einem Nagelbrett und sehr viel Galle sabotiert.

98 Riffs, keine Classic-Rock-Formel: Die Pressenotiz betont stolz, dass die Platte exakt 98 Riffs in 35 Minuten enthält und klassische Strophe-Refrain-Strukturen weitgehend ignoriert. Man hört das: Die Songs funktionieren wie kurze, aggressive Episoden, die eher durch ihren Fluss als durch Haken zusammengehalten werden.

🪓 Fazit

Barbarian wurden Ende der 2000er in Florenz gegründet und fahren seitdem die Linie „oldschool oder gar nicht“. Das Trio besteht aktuell aus Borys Crossburn an Gitarre und Gesang, Cardinal Sinner am Bass und Sledgehammer am Schlagzeug.

Stilistisch hat sich das Kernrezept kaum verändert. Barbarian mischen rohen Speed- und Thrash-Metal mit proto-extremen Kanten, streuen ein wenig Achtziger-Death-Metal und Punk in den Teig und würzen das Ganze mit antichristlichen Texten, die sich eher wie Schlagworte denn wie feine Ketzer-Lyrik lesen.

Reek Of God ist kein Album, das man für seine Feinheiten liebt. Es ist eine 35-minütige Sturmböe aus Riffs, antireligiöser Polemik und bewusst altbackenem Extrem-Metal. Wenn Barbarian von „Retrogarde Metal“ sprechen, ist das keine Ironie: Hier wird alles Moderne abgewehrt, alles Glatte misstrauisch beäugt.

Ob das reicht, hängt von deiner Schmerzgrenze ab. Wer Hooks, große Spannungsbögen und textliche Ambivalenzen braucht, wird schnell feststellen, dass sich viele Songs eher wie Variationen desselben Wutmonologs anfühlen. Wer dagegen einfach eine ehrliche, rumpelige Rumpf-in-die-Fresse-Platte will, auf der ein Trio seine Obsession mit antireligiösem Speed-Thrash auslebt, bekommt hier eine ziemlich konsequente Dosis.

Albumcover Barbarian – Reek of god: muskulöser Barbar mit Hörnerhelm holt mit einer Axt zum Schlag auf einen knienden Kreuzritter im weißen Waffenrock mit rotem Kreuz aus, dahinter flammender Feuer- und Rauchhintergrund, oben goldenes Barbarian-Logo, unten Albumtitel.
Künstler:Barbarian
Albumtitel:Reek Of God
Erscheinungsdatum:23. Januar 2026
Genre:Black Metal, Speed Metal, Thrash Metal
Label:Dying Victims Productions
Spielzeit:ca. 35 Minuten

Warning
Maxima Culpa
Sledgehammer
Eighth Sacrament
Shit He Forgives
Cardinal Sinner
Cancer Cross
Crossburn
Mercy Swallower
Freak Magnet
Retrogarde Metal
Crurifragium

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „Maxima Culpa“ – der erste Vorbote von Reek Of God, veröffentlicht auf dem offiziellen Dying Victims Productions Kanal bei YouTube.

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