Ava Reid – Innamorata (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Ava Reid – Innamorata

📚 Kurzfazit
Innamorata ist ein prachtvoll verwestes Gothic-Monster mit starker Bildsprache, morbidem Sog und einem Herzen, das lieber zerfällt als zu heilen. Kein gefälliger Roman, aber einer mit reichlich Nachdruck.

😒 Was nervt?
Das Buch ist nicht immer so scharf, wie man meinen könnte. Gerade in der zweiten Hälfte verliert es an Richtung, und die Nekromantie, mit der es uns anlockt, steht nicht durchgehend so zentral im Rampenlicht, wie man es sich wünschen würde. Dazu kommt ein Hang zum Übermaß, der stellenweise eher verstört als vertieft.

✨ Was funktioniert?
Atmosphäre kann Ava Reid. Und zwar mit der Ruhe einer Autorin, die genau weiß, dass feuchte Mauern, vererbte Schuld und eine verbotene Leidenschaft oft wirkungsvoller sind als jede hektische Actionszene. Agnes, Marozia und Liuprand bilden zudem ein giftiges Dreieck, das den Roman zuverlässig am Leben hält.

🧠 Figuren und Welt
Die Welt mit ihren gefallenen Häusern, verbotenen Bibliotheken und den Resten alter Totenmagie ist stark genug, um den Roman über längere Strecken allein zu tragen. Wirklich hängen bleibt aber vor allem Agnes: nicht als klassische Sympathieträgerin, sondern als verletzte, kontrollierte, faszinierende Figur, die zwischen Pflicht, Begehren und Selbstverlust regelrecht eingespannt wird.

🐦 Crowbah meint
Wenn ein Roman schon „Haus der Zähne“ im Seriennamen heißt und dann trotzdem noch schlimmer wird, als der Name vermuten lässt, ist das zumindest ein ehrlicher Service am Leser.

🩸 Ava Reid – Innamorata: Liebe, Leichen und ein Schloss voller schlechter Entscheidungen

Es gibt Fantasyromane, die einen höflich an der Hand nehmen, ein paar Schattenkerzen anzünden und dann so tun, als sei morbide Stimmung schon Tiefe. Innamorata macht so etwas nicht. Dieser Roman will nicht gefallen. Er will schwelen, faulen, locken und dann mit erstaunlicher Bosheit nachfassen. Ava Reid baut hier keine dekorative Gothic-Kulisse, sondern einen fiebrigen Raum aus Begehren, Gewalt, Familienverfall und jener Sorte Liebe, bei der man schon nach fünf Seiten ahnt, dass am Ende niemand gesund aus dieser Nummer rauskommen wird. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Es ist nicht liebenswert. Es ist ausgesprochen unerquicklich. Und genau dabei ist es verdammt gut.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Auf einer Insel, auf der einst die Toten unter den Lebenden wandelten, herrschten sieben große Häuser über die Geheimnisse der Nekromantie. Diese Ordnung ist gefallen, die Magie zerbrochen, die Bibliotheken verbrannt. Übrig geblieben sind nur Reste, Wunden und Familien, die sich an ihren Untergang klammern, als sei er ein Erbstück. Im Zentrum steht Agnes vom House of Teeth, stumm, beherrscht, innerlich verwundet und doch die eigentliche Trägerin des Familienauftrags. Über die Verlobung ihrer Cousine Marozia mit dem Prinzen Liuprand soll sie Zugang zu verlorenem Wissen gewinnen und die Macht des Hauses zurückholen. Blöd nur, dass Gefühle in solchen Konstruktionen selten brav im Keller bleiben. Und noch blöder, wenn ein Roman wie dieser Liebe nicht als Trost, sondern als hochästhetische Form des Verderbens begreift.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Reid schreibt mit sichtbarer Lust an Überreife, Verfall und glitzernder Hässlichkeit. Die Sprache ist üppig, dunkel und oft genau dann am besten, wenn sie sich nicht um erzählerische Höflichkeit schert. Das ist keine nüchterne Fantasyprosa, sondern ein Text, der seine Leser bewusst in Samt, Schlamm und schlechte Entscheidungen einwickelt. Natürlich ist das nicht für jeden etwas. Wer klare Linien und disziplinierte Zurückhaltung sucht, wird hier gelegentlich gegen eine sehr dekorative Wand laufen. Aber gerade diese Maßlosigkeit verleiht dem Roman sein Gesicht.

🧍‍♂️ Figuren

Agnes trägt das Buch. Nicht, weil sie sympathisch wäre, sondern weil sie seltsam, kontrolliert, hart und innerlich voller Risse ist. Sie bleibt gerade deshalb spannend, weil sie nicht geschniegelt zur moralisch sauberen Identifikationsfigur poliert wird. Auch die Dynamik mit Marozia und Liuprand funktioniert: keine sanfte Romantik, sondern ein schiefer, gefährlicher Dreiklang aus Abhängigkeit, Begehren und Macht. Schwächer wird das Ganze dort, wo Figuren eher symbolisch aufgeladen als vollständig ausgearbeitet wirken. Man spürt bei einigen Beziehungen mehr Konzept als Fleisch. Aber selbst dann bleibt genug toxischer Reiz übrig, um die Sache interessant zu halten.

🕒 Tempo und Aufbau

Hier sitzt die deutlichste Sollbruchstelle. Innamorata beginnt stark, baut früh Druck und Sog auf und hat ein Gespür für morbide Zuspitzung. Später verliert der Roman aber stellenweise an Präzision. Er bleibt wirkungsvoll, aber nicht immer zielstrebig. Manche Passagen wirken, als sei Reid stärker an Eskalation und Stimmung interessiert als an einer ganz sauber geführten Dramaturgie. Das kann berauschen, es kann aber auch dazu führen, dass der Plot zwischendurch eher treibt als schneidet. Genau deshalb wird das Buch manche komplett verschlingen und andere zunehmend ermüden.

✨ Atmosphäre und Welt

Hier schlägt der Roman alles kurz und klein. Das House of Teeth, der faulige Adel, die Nachwirkungen der Nekromantie, die höfische Grausamkeit, die ruinöse Leidenschaft — das alles ergibt eine Stimmung, die nicht bloß dunkel ist, sondern regelrecht verdorben. Und das meinen wir ausdrücklich als Kompliment. Das Buch hat keine Angst vor Hässlichkeit, und genau dadurch wird es schön. Nicht geschniegelt schön. Sondern schön wie ein vererbtes Messer mit Rostansatz. Wer Gothic Fantasy nur als ästhetisches Tapetenmuster mag, wird hier vermutlich schnell nervös. Wer akzeptiert, dass ein Roman auch mal unangenehm riecht, ist goldrichtig und bekommt eine verdammt gut konstruierte Welt geboten.


📜 Fazit:

Innamorata ist ein Roman, der lieber zu viel wagt als zu wenig. Das respektieren wir. Er ist nicht perfekt gebaut, nicht immer straff geführt und gelegentlich so verliebt in seinen eigenen morbiden Rausch, dass die Geschichte einen Moment lang hinterherlaufen muss. Aber dafür hat dieses Buch sehr viel Wucht. Es hat Farbe. Es hat Verfall. Es hat jene herrlich unappetitliche und trottdem romantische Energie, bei der man nicht weiß, ob man weiterlesen oder lieber das Licht im eigenen Schlafzimmer anlassen sollte. Vor allem aber hat es mehr Persönlichkeit als ein ganzer Stapel jener Fantasy-Neuerscheinungen, die sich geschniegelt auf TikTok präsentieren und dabei klingen wie der Restmüll aus dem Tropen-Generator. Innamorata ist nicht für alle gedacht, so viel ist gewiss. Aber für die Richtigen ist es ein ziemlich prächtiger Abstieg in die Finsternis.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★
„Prächtig verfault, sündhaft dunkel und nur manchmal etwas zu verliebt in den eigenen Moder.“

Buchcover von »Innamorata« von Ava Reid: Vor dunklem blau-schwarzem Hintergrund erscheint das blasse Gesicht einer jungen Frau mit geschlossenen Augen, umgeben von hellen Motten; der violette Titel verläuft groß senkrecht über das Cover.

Autorin: Ava Reid
Titel: Innamorata
Serie: The House of Teeth, Band 1
Verlag: Del Rey
Übersetzung: Englische Originalausgabe
Seitenanzahl: 560 Seiten, Paperback
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN:  978-1529910667

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