Ein Brief von Armin Papperger aus einem Zwischenreich, in dem kleine Drohnen nur große Kränkungen auslösen

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Briefe aus den Zwischenreichen

🌎 Ein Brief von Armin Papperger aus einem Zwischenreich, in dem kleine Drohnen nur große Kränkungen auslösen

Dieses Schreiben erreichte uns in einer gepanzerten Präsentationsmappe aus anthrazitfarbenem Kunstleder, die ein keuchender Kurier nur mit Mühe durch den Portalgraben wuchtete, nachdem sie sich dort zwischen zwei zerbeulten Feldkesseln und einem liegengebliebenen Rüstungskatalog verkeilt hatte. Beigefügt waren eine Spule mit grauem Filament, ein hochglanzlackierter Messeausweis aus der Stahlhalle Magnovias und ein höflich formulierter Hinweis, wonach wahre Innovation nicht in Küchen, Kellern oder anderen niederen Räumen beginne, sondern unter Hallenlicht, mit Besucherausweis und in ausreichender Stückzahl.

Absender ist aller Wahrscheinlichkeit nach Armin Papperger, Großzeugmeister der Stahlmark Düsselwacht, wo man eine Idee erst dann für zukunftsfähig hält, wenn sie auf mehreren Achsen rollt, ein Beschaffungsgremium beeindruckt und in der Kalkulation ehrfürchtig rauscht.


Armin Papperger in überladener stählerner Fantasyrüstung mit Drohnenzepter in einem düsteren Bunkergang mit Fackellicht

✉️ Der Brief

„Was unter Hallenlicht nicht ehrfürchtig dröhnt, ist aus Sicht vieler Großmetallisten bloß ein Missverständnis mit Rotor.“
Aus dem Traktat Vom Adel des schweren Blechs (erschienen bei Werkstor & Würde)

An die rüstungstechnisch rückwärtsgewandten Drückeberger beim selbsternannten Fantasykosmos,

mit jener ernsten Verwunderung, die einen Mann des schweren Geräts befällt, wenn plötzlich jeder zusammengeklebte Flugkäfer mit Sprengsatz schon als Offenbarung des Fortschritts gefeiert wird, nehme ich zur Kenntnis, dass man neuerdings das hektische Improvisieren in Küchen, Werkstätten und halb verdunkelten Hinterhöfen für eine höhere Form militärischer Schöpfungskraft hält.

Verzeiht, doch nicht alles, was fliegt und dabei zufällig etwas Teures in Brand setzt, ist deshalb schon eine Zivilisationszerstörungsleistung.

Wir leben offenbar in einer Zeit, in der das notdürftig Zusammengesetzte einen geradezu religiösen Nimbus erhalten hat. Da druckt irgendwo unter sirrendem Neonlicht ein kleiner Apparat ein paar Plastikteile aus, jemand schraubt einen Motor daran, klemmt eine Kamera fest, murmelt etwas von Wendigkeit und Asymmetrie, und schon sollen wir niederknien vor dem neuen Altar der Kriegsinnovation. Man erwartet offenbar, dass wir staunen, nur weil aus Mangel an Mitteln Geschwindigkeit geworden ist.

Ich will nicht bestreiten, dass Not erfinderisch macht. Das tut sie. Hunger macht ebenfalls erfinderisch. Kälte auch. Beides gilt dennoch nicht als Gütesiegel für eine militärische Hochkultur.

Was mich befremdet, ist diese vulgäre Verwechslung von Wirksamkeit und Würde. Ein billiges Gerät, das mit erstaunlicher Frechheit ein sehr teures Gerät beschädigt, mag militärisch bedeutsam sein. Aber Bedeutung allein adelt noch nichts. Sonst müsste man dem Rost ebenfalls Denkmäler setzen, nur weil er zuverlässig ganze Arsenale auffrisst.

Nein, wahre Größe erkennt man anders. Sie zeigt sich in Masse, Durchhaltevermögen, Fertigungstiefe, Verlässlichkeit und jenem majestätischen Ernst, den nur ein ordentliches Werkstor ausstrahlt. Fortschritt entsteht nicht dort, wo jemand zwischen Wasserkocher und Werkzeugkasten den Einfallsreichtum zur Überlebensform zwingt. Fortschritt entsteht dort, wo Stahl in nennenswerter Menge gehorcht, wo Lieferketten marschieren, wo Verträge Gewicht haben und wo ein Produkt nicht nach Bastelkleber riecht, sondern nach industrieller Autorität und sündhaft teuren Schmierfetten.

Man wirft mir nun vor, ich würde jene Form der Erfindungsgabe verkennen, die aus Bedrängnis geboren wird. Das ist natürlich unsinnig, denn dieser Vorwurf verwechselt Respekt mit Romantisierung.

Natürlich kann ein Reich in Bedrängnis lernen, aus wenig viel zu machen. Natürlich kann aus Mangel Schläue werden. Aber seit wann ist Schläue schon dasselbe wie Größe? Seit wann ersetzt der geschickte Zugriff aus dem Küchenschrank die lange Schule des schweren Geräts? Soll nun jede notdürftige Luftmaschine mit Kamera als Triumph über die Weltordnung gelten, nur weil sie einem gepanzerten Koloss seine Gravität verdirbt?

Dann wären ja bald auch Nähstuben Forschungslabore, Vorratskammern Entwicklungszentren und jede Person mit Lötkolben ein Titan der Verteidigungsgeschichte.

Mir scheint, hier spricht weniger die Vernunft als die sentimentale Liebe des Publikums zum Underdog. Man bewundert den kleinen Störer, weil er den großen Apparat demütigt. Das ist menschlich. Es ist jedoch auch billig.

Denn das Volk liebt bekanntlich alles, was nach listiger Umgehung der Ordnung aussieht. Es jubelt sofort, wenn Goliath eine Schramme bekommt, selbst wenn David dafür bloß einen nervös zuckenden Rotor brauchte. Doch Reiche werden nicht durch Jubel verteidigt, sondern durch Substanz. Nicht durch den Charme des Improvisierten, sondern durch die Beharrlichkeit des Gebauten. Wer das verwechselt, wird am Ende noch den eigenen Einkaufszettel für eine militärische Doktrin halten.

Ich rate daher zu etwas mehr Ernst gegenüber den Hierarchien des Metalls. Nicht jede einfallsreiche Zumutung ist bereits ein Paradigmenwechsel. Nicht jedes billige Fluggerät ist ein Manifest. Und nicht jede Küche, in der aus Notwendigkeit Brauchbarkeit entsteht, ist deshalb schon der Geburtsort einer neuen industriellen Epoche.

Mit schwerwiegenden Grüßen aus der Halle der Verlässlichkeit
Armin Papperger
Großzeugmeister der Stahlmark Düsselwacht
Erster Hüter des ehrwürdigen Werkstores
und Verteidiger der gepanzerten Größenordnung

🪶 Kommentar der Redaktion:

Der Brief roch nach Maschinenöl, kaltem Messekaffee und jener frostigen Selbstgewissheit, die selbst einem improvisierten Wunder erst dann Respekt zollt, wenn es vorher durch fünf Ausschüsse gerollt wurde. Beigelegt waren zwei Sicherheitswesten in Vorstandsschnitt, ein Miniaturpanzer aus poliertem Aluminium und ein Vermerk, wonach Einfallsreichtum künftig nur noch in Hallenhöhe anerkannt werde. Wir haben das Schreiben stirnrunzelnd gelesen und anschließend unter unseren leicht wackligen Küchendrucker gelegt. Seitdem verlangt er für jeden Drohnen-Ausdruck eine Machbarkeitsstudie, drei technische Gutachten und den Nachweis ausreichender Stahlwürdigung.

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