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Anthony Ryan – Flut aus schwarzem Stahl
📚 Kurzfazit
Flut aus schwarzem Stahl ist ein wuchtiger Auftakt voller Schlachten, Verbrennungen und politischem Gezänk, der langsam anrollt und am Ende wie eine Axt ins Regal kracht.
😒 Was nervt?
Der Einstieg gönnt sich viel Setup und Figurenwechsel, bevor der fantastische Anteil richtig anzieht. Ruhlins Leidensweg wiederholt manche Motive so ausdauernd, dass selbst hartgesottene Leser kurz nach Luft schnappen.
✨ Was funktioniert?
Die Mischung aus nordischer Küstenwelt, Schwesternköniginnen-Hof und Kult-Invasion wirkt stimmig und eigen. Thera als gnadenlose Speerkämpferin, Felnir als opportunistischer Bruder und die stumme Lynnea mit Tierverstand tragen einen Plot, der spürbar größer ist als ein einzelner Kriegsschauplatz.
🧠 Figuren und Welt
Die POVs sind konsequent kantig: Thera, Felnir, Ruhlin und Elvine haben eigene Ziele, Fehler und blinde Flecken, die oft schmutziger wirken als der Schlamm auf dem Schlachtfeld. Ascarlia fühlt sich wie ein echter Kulturraum an, mit Religion, Geschichte und Mythen, die nicht nur im Klappentext existieren.
🐦 Crowbah meint
Wer TikTok-Romantasy erwartet, landet hier in einem nordischen Kriegsbericht mit Götterflüstern und Kettengerassel. Grimdark-light, aber mit genug Stahl, um weichgespülte Trendreihen daneben wie das Kinderprogramm aussehen zu lassen.
🐅 Anthony Ryan – Flut aus schwarzem Stahl. Wenn die Langschiffe wie ein Trauma heranrauschen
Manche Fantasyromane kommen nicht als zögerliche Debüts daher, sondern von Anfang an als Kriegserklärung. Flut aus schwarzem Stahl ist genau so ein Buch: nordisch angehauchte Dark Fantasy, die nach Schlachtfeld, kaltem Eisen und schlechtem Gewissen riecht. Anthony Ryan kehrt nach seinen Covenant-of-Steel-Erfolgen zurück und spannt den Bogen noch breiter: Ein ganzer Küstenstaat, regiert von Schwesternköniginnen, gerät ins Wanken, während am Horizont eine religiös aufgeladene Invasionsflotte auftaucht. Wer hier auf seichte Wohlfühl-Fantasy hofft, steht ziemlich schnell knietief im Blut.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Das Küstenreich Ascarlia wurde seit Jahrhunderten von den Schwesternköniginnen regiert, gestützt auf strenge Kasten, alte Oath-Laws und eine Religion, die lieber vergisst als vergibt. Als erste Meldungen von Langschiffen mit tätowierten Kriegern eintreffen, die unter den Bannern eines längst totgeglaubten Kults von Eidbrechern segeln, wirkt das zunächst wie Seemannsgarn. Doch die verbrannten Dörfer, die zurückbleiben, sind äußerst real.
Thera Schwarzspeer, bevorzugte Dienerin und Vollstreckerin der Schwesternköniginnen, wird nach Norden geschickt, um herauszufinden, ob hinter den Gerüchten mehr steckt als Angstpropaganda. Sie ist Soldatin, Spionin und Leibwache in einer Person und weiß genau, wie dünn die Schicht aus Zivilisation über dem Blut liegt. Parallel dazu macht sich ihr verhasster Bruder Felnir auf seine eigene Reise: Er will im Auftrag der Krone den legendären Schatz der Altvar-Götter finden, um seine Stellung am Hof aufzuwerten – am liebsten auf Kosten seiner Schwester.
Während Thera in ein Netz aus Überfällen, Kultsymbolen und Verrat gerät, landet der Gefangene Ruhlin in Ketten und wird als lebende Waffe missbraucht. In ihm steckt eine urtümliche, kaum kontrollierbare Kraft, die Schlachtfelder in Massengräber verwandeln kann und jeden, der sie einsetzen will, moralisch verbrennt. Der Schreiber Elvine wiederum wird aus seinem vergleichsweise ruhigen Leben in den Archiven gerissen und direkt in die religiösen und politischen Machtkämpfe hineinkatapultiert, die entscheiden, ob Ascarlia überhaupt eine Zukunft hat.
Je weiter die Langschiffe vordringen, desto deutlicher wird, dass hier nicht nur ein paar Plünderer anlanden. Der Kult folgt einer brutalen, klaren Theologie, die die Schwesternköniginnen als Lüge brandmarkt und den Kontinent in eine „Zeit des Zorns“ stürzen will. Thera, Felnir, Ruhlin und Elvine treiben alle auf denselben Sturm zu; einige aus Pflicht, andere aus Gier, wieder andere, weil es keinen anderen Weg mehr gibt. Am Ende dieses ersten Bandes ist die Frontlinie weniger eine geografische als eine moralische: Wer trägt welche Schuld, was ist ein Eid wert, und wie viel Mensch bleibt in jemandem, der zur Waffe erklärt wurde.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Ryan schreibt, wie ein Kriegschronist erzählen würde, der zu lange an vorderster Front stand. Die Sprache ist klar, hart, oft knapp, mit gelegentlichen, sehr treffenden Bildern, die eher schneiden als schmücken. Schlachtszenen sind detailliert, aber nicht voyeuristisch; man spürt Gewicht, Schmerz und Ermüdung, ohne dass die Prosa in pure Gewaltlust kippt. Gerade in den ruhigeren Momenten zwischen den Kämpfen zeigt sich, wie sauber die Dramaturgie gesetzt ist: Gespräche über Schuld, Glauben und Loyalität wirken nie wie Pflichtprogramm, sondern wie Konsequenz gelebter Geschichte.
🧍♂️ Figuren
Das eigentliche Pfund sind die POV-Figuren. Thera ist keine strahlende Heldin, sondern eine professionelle Vollstreckerin, die gelernt hat, Befehle zu geben und zu befolgen. Felnir ist ein selten gelungenes Beispiel für einen unsympathischen, aber faszinierenden Opportunisten, der sich in seinen eigenen Intrigen verheddert. Ruhlin verkörpert das Thema „Waffe oder Mensch“ so konsequent, dass seine Kapitel stellenweise schwer zu ertragen sind, gerade weil Ryan hier psychische und körperliche Gewalt nicht weich spült. Elvine schließlich bietet den Blick eines Gelehrten, der erkennen muss, dass die Geschichten, die er archiviert, plötzlich blutig in Echtzeit geschrieben werden. Lynnea, die stumme Tierflüsterin, bekommt übrigens keinen eigenen POV, füllt aber jede Szene mit stiller Präsenz und gibt Theras Strang eine unerwartet zarte Note. Kompliment, Mr. Ryan, das ist richtig gut gestrickt!
🕒 Tempo und Aufbau
Trotz Drachenturnier-Premisse ist Haus der Drachen weniger Drachenturnier-Roman als Akademie- und Intrigenauftakt. Der Roman startet mit Rückblende und Status quo, baut dann langsam Kinkadia, Society-Struktur und die Regeln des Systems auf. In der Mitte häufen sich Trainingssequenzen, Unterricht, Bälle und verbale Schlagabtausche, während die eigentlichen Turnierszenen eher knapp ausfallen. Das Tempo bleibt insgesamt hoch genug, um nicht abzubrechen, wirkt aber algorithmisch: Gespräch, kleiner Twist, Trainingsmoment, Gefühlsausbruch, Cliffhanger. Überraschende Rhythmuswechsel oder erzählerische Risiken sucht man vergeblich.
✨ Atmosphäre und Welt
Ascarlia ist eine der großen Stärken des Buches. Die Mischung aus Küstenklippen, Saga-Tradition, Schwesternköniginnen-Hof und religiösen Kulten fühlt sich tatsächlich wie eine gewachsene Kultur an, nicht wie eine Kulisse. Man bekommt das Gefühl, dass hinter jeder Erwähnung einer Gottheit, eines alten Verses oder eines Gesetzes ganze Geschichtsbände stehen könnten. Die Invasorenflotte mit ihren tätowierten Kriegern ist mehr als Bedrohung von außen, sie ist ein Spiegel: ein Kult, der all das, worauf Ascarlia stolz ist, als Verrat an den alten Wahrheiten entlarven will. Die Magie ist anfangs nur ein Flüstern – Ruhlins Verwandlung, Lynneas Begabung, Visionen –, wird aber zum Ende hin deutlich lauter und verspricht für die Folgebände eine eskalierende Verbindung von Schlachtenepik und Götterfrage.
📜 Fazit:
Flut aus schwarzem Stahl ist kein gefälliger Serienpilot, der nur darauf wartet, verfilmt zu werden, sondern eine ausgewachsene Kriegsfantasy, die ihre Leser ernst nimmt. Wer bereit ist, den langsamen Aufbau und die teilweise harte Kost in Ruhlins Strang auszuhalten, bekommt dafür eine epische Bühne mit glaubwürdigen Konflikten, vielschichtigen Figuren und einem Finale, das eher nach „Beginn eines Zeitalters“ als nach abgeschlossenem Abenteuer schmeckt.
Ryan bleibt seinem Ruf treu: Er schreibt keine Heiligen, sondern Menschen, die Fehler machen, schmutzige Entscheidungen treffen und am Ende trotzdem versuchen, etwas zu retten, das größer ist als sie selbst. Der norse-lastige Ton, die Schwesternköniginnen und der Kult der Eidbrecher geben dem Ganzen genug Eigenprofil, um nicht als beliebige „Wikinger-Fantasy“ durchzugehen. Wer Covenant-of-Steel mochte, wird hier die Weiterentwicklung eines Autors sehen, der sein eigenes „Ryan-verse“ souverän ausbaut.
Aus Fantasykosmos-Sicht ist Flut aus schwarzem Stahl gewiss kein Pflichtstoff für alle, aber ein sehr starker Tipp für Leser, die Grimdark ohne reinen Zynismus suchen. Es ist der Auftakt zu einer Reihe, in der Eide, Götter und Geschichte nicht nur dekorative Begriffe sind, sondern Preise verlangen. Und die Rechnung fällt selten freundlich aus. Wir freuen uns auf die Fortsetzung.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★★☆
„Nordische Kriegsfantasy mit langsamem Anlauf und hartem Einschlag, die eher Narben hinterlässt als hübsche Heldenposen zu zelebrieren.“

Autorin: Anthony Ryan
Titel: Flut aus schwarzem Stahl
Serie: Zeit des Zorns, Band 1 (englisch: Age of Wrath)
Verlag: Klett-Cotta
Übersetzung: Sara Riffel
Seitenanzahl: 640 Seiten, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-608-96641-1
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