Andrzej Sapkowski und The Witcher: Der Hexer reitet weiter, der Autor bleibt am Schreibtisch

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Geralt kommt zurück, Sapkowski mischt keine Karten

📰 Was ist los?
The Witcher 3 bekommt mit Songs of the Past eine neue Erweiterung. Geralt von Riva kehrt 2027 auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S zurück. Parallel sorgt Sapkowskis alte, aber immer wieder bemerkenswerte Distanz zu Videospielen erneut für Gesprächsstoff.

🐛 Was denken wir?
Der Kontrast ist einfach zu schön: Eine ganze Generation verbindet Geralt vor allem mit CD Projekts Rollenspiel-Epos, während der Mann, der ihn erfunden hat, Videospiele offenbar weiterhin behandelt wie eine leicht lärmende Marktattraktion. Das ist kein Skandal. Das ist viel besser: ein Kulturclash mit Silberschwert.

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🐺 Andrzej Sapkowski und The Witcher: Der Hexer reitet weiter, der Autor bleibt am Schreibtisch

CD Projekt bringt Geralt zurück, The Witcher 3 bekommt mit Songs of the Past eine neue Erweiterung — und Andrzej Sapkowski wirkt weiterhin wie ein Mann, der lieber einen Striga-Vertrag unterschreibt, als freiwillig eine Runde Gwent zu spielen.

Es gibt Beziehungen, die sind kompliziert. Geralt und Yennefer zum Beispiel. Geralt und Ciri. Geralt und jedes Dorf, das erst kein Geld hat, dann einen Nekker im Brunnen und am Ende doch sehr gern möchte, dass der weißhaarige Mann mit den zwei Schwertern bitte nicht so genau nachfragt. Und dann gibt es noch Andrzej Sapkowski und die Videospiele.

Ein älterer Fantasy-Autor sitzt an einem schweren Schreibtisch mit Manuskripten, während hinter ihm ein weißhaariger Hexer mit zwei Schwertern in eine neblige Monsterlandschaft hinausreitet.

Der Schöpfer des Hexers hat nie den Eindruck erweckt, als säße er heimlich nachts vor dem Rechner, um in The Witcher 3 Kräuter zu sammeln, Banditenlager auszuräuchern und beim dritten Versuch endlich den richtigen Dialog mit Triss zu treffen. Sapkowski blieb den Spielen gegenüber immer erstaunlich kühl. Er hat sie nicht gespielt, sieht sie nicht als seine Form von Unterhaltung und betrachtet die ganze Gaming-Welt eher aus jener Entfernung, aus der man auch einen verdächtigen Sumpfgeist begutachtet.

Nicht feindselig, aber definitiv mit klarer innerer Distanz. Das wirkt gerade jetzt wieder besonders hübsch, weil CD Projekt das Hexer-Universum erneut auflädt. The Witcher 3: Songs of the Past ist als dritte Erweiterung angekündigt und soll Geralt 2027 noch einmal auf den Pfad schicken. Während Fans also schon wieder Schwerter ölen, Mutagene sortieren und aus Prinzip jeden Kräuterbusch anklicken möchten, steht Sapkowski daneben wie ein literarischer Großvater, dem jemand erklärt hat, dass seine Enkel inzwischen eine sehr erfolgreiche Monsterjagd-Simulation betreiben.

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📚 Der Autor, der sein Monster nicht spielen will

Man kann Sapkowski dafür natürlich belächeln. Muss man aber nicht. Der Mann kommt aus der Literatur. Sein Geralt wurde nicht als Open-World-Ikone geboren, sondern als Figur aus Erzählungen, Romanen, Dialogen und moralisch schmutzigen Entscheidungen. Bevor Spieler Krähenfels Sümpfe durchstreiften, bevor Gwent Freundschaften zerstörte und bevor jeder zweite Fantasyfan plötzlich wusste, wie man „Kaer Morhen“ ausspricht, war The Witcher eine polnische Buchreihe mit scharfem Witz, Märchenverdrehung und einem Helden, der weniger strahlte als schlecht gelaunt professionell herumstand.

Dass Sapkowski dieses literarische Ursprungsrecht betont, ist nachvollziehbar. Aus seiner Sicht sind die Spiele nicht der Ursprung des Hexers, sondern eine spätere Verwertung. Eine sehr erfolgreiche, sehr beliebte, sehr prägende Verwertung — aber eben nicht seine Kunstform. Für viele Fans klingt das hart. Für Autoren klingt es vermutlich erstaunlich vertraut.

Man erschafft eine Figur, lässt sie durch Bücher wandern, gibt ihr Stimme, Haltung, Geschichte und Welt. Dann kommt ein anderes Medium, macht daraus ein globales Phänomen, verkauft Millionen Exemplare und plötzlich erklären Menschen dem ursprünglichen Autor, dass seine Bücher ja irgendwie auf diesem Spiel basieren müssten. Da darf man schon einmal so schauen, als hätte jemand einen Ertrunkenen ins Wohnzimmer getragen.

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⚔️ CD Projekt hat aus Geralt ein zweites Leben gebaut

Gleichzeitig wäre es albern, den Einfluss der Spiele kleinzureden. The Witcher 3: Wild Hunt hat Geralt für ein riesiges internationales Publikum endgültig zur Fantasy-Ikone gemacht. CD Projekt hat Sapkowskis Welt nicht nur adaptiert, sondern erweitert, verdichtet und für viele Spieler überhaupt erst zugänglich gemacht.

Die Spiele haben dem Hexer ein zweites Leben gegeben. Nicht als Ersatz für die Bücher, sondern als eigener Pfad durch dieselbe dunkle Welt. Mit Nebenquests, Monstern, moralischen Sackgassen, melancholischen Landschaften und jenem Gefühl, dass hinter jedem scheinbar kleinen Auftrag ein ganzer Abgrund liegen kann. Das war nie bloß Lizenzware mit Schwert und Pferd. Im besten Fall war es interaktive Fantasy mit echtem literarischem Nachhall.

Genau deshalb ist Songs of the Past mehr als ein nostalgischer Nachschlag. Eine neue Erweiterung zu The Witcher 3 im Jahr 2027 ist ein erstaunliches Signal: Dieses Spiel ist längst nicht einfach nur ein alter Klassiker. Es ist ein lebendiger Ort, zu dem Spieler noch immer zurückkehren wollen. Und irgendwo sitzt Sapkowski vermutlich da, hört davon, nickt höflich und greift definitiv nicht zum Controller.

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🐴 Plötze läuft, der Schöpfer bleibt stehen

Das Schöne an dieser ganzen Konstellation ist, dass niemand wirklich Unrecht haben muss. Sapkowski darf Videospiele uninteressant finden. CD Projekt darf Geralt weiterreiten lassen. Fans dürfen die Bücher lieben, die Spiele verehren oder beides tun. Und Geralt selbst würde das vermutlich mit einem trockenen Brummen quittieren, bevor er den nächsten Auftrag annimmt und später feststellt, dass wieder einmal niemand genug Münzen dabeihat.

Der Hexer ist längst größer als ein einzelnes Medium. Er gehört zur Literatur, zum Rollenspiel, zur Serie, zur Popkultur und zu jener seltsamen Ecke des Internets, in der Menschen sehr ernsthaft darüber streiten, welche Rüstung wirklich kanonisch wirkt. Sapkowski hat die Tür geöffnet. CD Projekt hat dahinter eine ganze Provinz gebaut.

Dass der Hausherr selbst dort nicht spazieren gehen möchte, ist sein gutes Recht.

Es bleibt trotzdem komisch. Und ein bisschen großartig.

Denn während Songs of the Past Geralt noch einmal auf den Pfad schickt, bleibt Andrzej Sapkowski der vielleicht konsequenteste Mann im ganzen Hexer-Universum: Er hat Monster erschaffen, die Millionen Menschen digital jagen. Und er selbst spielt nicht mit.

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