🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Alkhemia – Häxen
🧿 Kurzfazit
Häxen ist ein starkes zweites Album: kalt, ritualistisch, geschärft und deutlich konzentrierter als vieles, was im modernen Black-Metal-Unterholz sonst so mit Räucherwerk wedelt. Kein revolutionärer Paukenschlag, aber ein sehr überzeugender Ausbau der eigenen Schattenarchitektur.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die französischen Black Metal mit Atmosphäre, Kälte und klarer Form mögen – also eher Messer im Mondlicht als Kellernebel mit Demo-Rumpeln. Wer an Bands interessiert ist, die zwischen roher Schärfe und ritueller Verdichtung balancieren, wird hier schnell warm.
🎧 Wie klingt das?
Frostige Gitarren, dichte, aber nicht überladene Songarchitektur, ein harscher Gesang mit ernstem Ritualton und genug Dynamik, damit das Ganze nicht bloß als schwarze Tapete vorbeizieht. Die Platte klingt kalt, scharf und gezielt – nicht chaotisch, sondern wie ein sauber gezogener Schnitt.
💿 Highlights
Zeitgeist, Prekonition, Remnants
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur dann spannend findest, wenn er entweder komplett roh in der Grabkammer scheppert oder sich als Avantgarde-Vorlesung tarnt.
🕯 Alkhemia – Häxen: Wenn französischer Black Metal den Hexenzirkel ansetzt
Was ein Glück in der Finsternis. Alkhemia haben nämlich nicht den Fehler gemacht, ihr zweites Album als das große Weltuntergangs-Manifest zu verkaufen. Häxen wirkt nämlich wie etwas sehr viel Gefährlicheres: wie eine Platte, die sehr genau weiß, was sie sein will – oder sein muss. Das Debüt Abraxas erschien 2024, jetzt folgt mit Häxen der zweite Schlag über Non Serviam Records – sieben Tracks, französischer Black Metal mit ritualistischer Schlagseite und genug Selbstdisziplin, um nicht im eigenen Weihrauch zu ersticken.
Die gute Nachricht für alle, die bei „zweites Album“ sofort an verfrühte Selbstüberschätzung denken: Das hier klingt nicht wie ein Debüt-Nachfolger mit Größenwahn, sondern wie eine Band, die den ersten Schritt bereits hinter sich hat und nun den Kreis enger zieht. Weniger Suchbewegung, mehr Zielgenauigkeit. Weniger „Schaut mal, was wir alles können“, mehr „Hier ist die Schneide. Passt besser auf!“
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Black Metal, ritualistischer Black Metal, atmosphärisch geschichteter französischer Black Metal
Vergleichbar mit: gängige französische Schwarzkunst mit Sinn für Form und Gravitas, nur ohne den Drang, jede gute Idee noch mit zehn Schichten Konzeptblei zuzukleistern
Klangfarbe: Die Trackliste von Häxen liest sich bereits wie ein Versprechen auf geschlossene Dramaturgie: Zeitgeist, Excressence, Hissing Ratz, Prekonition, Stars and Frozen Faces, Nonsense, Remnants. Das Album läuft knapp 43 Minuten und setzt hörbar auf Verdichtung statt Ausschweifung. Non Serviam beschreibt die Vorab-Singles als „cold, razor-edged and ritualistic“ beziehungsweise „sharp as ice and drenched in ritualistic darkness“. Das trifft es ausnahmsweise tatsächlich ganz präzise: Diese Platte will keine nostalgische Schwarzmetall-Gruft sein, sondern ein präziser, moderner Ritus mit Frost auf der Klinge.
✨ Highlights
Zeitgeist
Der spätere Single-Vorstoß ist programmatisch gut gewählt: Zeitgeist klingt, als wollte die Band beweisen, dass ein Albumtitel wie Häxen nicht zwangsläufig in folkloristische Besenromantik kippen muss. Der Song hat Biss, Struktur und diese gezielte Schärfe, die modernen Black Metal oft spannender macht als reines Rückwärtsgerumpel. Hier sitzt die Kombination aus Ritual, Attacke und atmosphärischer Kontrolle besonders gut.
Prekonition
Wenn das Album eine Visitenkarte braucht, dann ist der Song alles, was man braucht.. Prekonition war die erste Vorab-Single und funktioniert genau deshalb so gut, weil der Song nicht bloß „repräsentativ“ wirkt, sondern schon vieles bündelt, was Häxen stark macht: Kälte, Formbewusstsein, Ritualton und genug melodischen Unterstrom, damit der Track nicht als bloßer Scherbenschauer vorbeizieht. Hier klingt die Band konzentriert, entschlossen und erfreulich frei von unnötigem Geprotze.
Remnants
Ein Album mit sieben Songs braucht einen Schluss, der nachwirkt und nicht bloß sauber die Tür schließt. Remnants hat genau diese Aufgabe – und erfüllt sie gut. Der Titel allein trägt schon das nötige Endzeitgewicht, musikalisch wirkt der Song wie das passende Nachglimmen eines Albums, das nicht auf Explosion, sondern auf Verdichtung setzt. Wenn der Rest der Platte den Kreis zieht, dann ist dies der Moment, in dem das Ritual die Asche betrachtet. Dass der Track auch als offizieller Audio-Upload im Albumzyklus auftaucht, unterstreicht seine Rolle als markanter Schlusspunkt.
🎨 Artwork
Das Cover von Häxen ist erfreulich frei von modernem AI-Grafik-Gehampel. Schwarzer Grund, bleich-beige Linien, okkulte Geometrie, eine kniende, beinahe hockende Gestalt mit vogelhaftem Kopf und darüber eine kleine Flamme – als hätte jemand einen alten Hexenholzschnitt, ein Ritualdiagramm und ein dämonologisches Lehrblatt übereinandergelegt und dann alles Überflüssige weggeätzt.
Besonders stark ist die Komposition in der Mitte: Kreise, Sternform, Linien, Körper. Nichts hier schreit, alles beschwört. Der Bandname sitzt unten wie ein Siegel, der Titel klein und sachlich daneben, als müsste er gar nicht groß auftreten, weil das Bild seine Arbeit längst erledigt. Das ist kein Cover, das „böse“ spielen will. Es wirkt eher wie eine verbotene Seite aus einem Buch, das man besser nicht aufgeschlagen hätte. Genau deshalb funktioniert es so wohl auch so gut.
🪦 Besondere Momente
Das Album als bewusste Verknappung
Das Debüt Abraxas hatte fünf Tracks, darunter längere Stücke bis über elf Minuten. Häxen geht einen anderen Weg: sieben Songs, knapper, fokussierter, klarer gesetzt. Das ist keine Verarmung, sondern eher ein Hinweis darauf, dass Alkhemia ihre Mittel inzwischen besser sortieren. Statt „größer“ wirkt das zweite Album vor allem „gezielter“.
Produziert im eigenen Maschinenraum
Ein relevanter Punkt für die Platte ist die Produktionsseite: Laut verfügbarer Albuminfo wurde Häxen von A.S.A. produziert. Das passt ziemlich gut zu dem Eindruck, den das Album hinterlässt: kein glattgebügelter Labelstandard, sondern ein Werk, das aus dem eigenen Kosmos heraus gebaut wurde. Gerade bei Black Metal ist das oft die Grenze zwischen Atmosphäre und bloßem Effektnebel.
Formatbewusstsein statt Massenware
Die Vinyl-Ausgabe wird als Gatefold-Version mit 100 Exemplaren geführt. Solche Details sind nicht bloß Sammlerfutter, sondern sagen etwas darüber, wie dieses Album verstanden werden will: als fokussiertes Objekt, nicht als Wegwerfdatei im Freitagsstrom. Dazu passt auch, dass Non Serviam die beiden Vorab-Tracks nicht als beliebige Promo-Happen, sondern als klar gerahmte Schritte in den Albumkreis präsentiert hat.
📜 Hintergrund
Alkhemia kommen aus Frankreich und haben sich mit Abraxas im Jahr 2024 erstmals deutlicher auf die Landkarte gesetzt. Das aktuelle Line-up besteht aus James Spar am Gesang, Maxime „LePrince“ Beiler und Thomas Fontaine an den Gitarren, A.S.A. am Bass und Alex Josien am Schlagzeug. Das ist insofern interessant, weil die Band personell sichtbar aus einem aktiven Underground-Umfeld gespeist wird und eben nicht wie ein Zufallsprojekt klingt, das zwei gute Songs unter die Leute bringt und dann schon die Luft verliert.
Mit Häxen folgt jetzt das zweite Album über Non Serviam Records, und genau hier wird es spannend: Viele Bands klingen auf dem Zweitwerk entweder wie hektisch vergrößerte Debütkopien oder wie verunsicherte Experimente am eigenen Schatten. Alkhemia umgehen beides. Die Texte betonen Kälte, Schärfe und Ritualistik – und diesmal ist das nicht lauwarmes Versprechen, sondern eine ziemlich treffende Vorwarnung. Häxen wirkt wie das Werk einer Band, die verstanden hat, dass Black Metal nicht automatisch stärker wird, nur weil man ihn lauter, länger oder „irgendwie avantgardistischer“ macht. Manchmal reicht es einfach, den Kreis enger zu ziehen.
🪓 Fazit
Häxen ist kein Album, das mit Spektakel gewinnt. Es gewinnt über Kontur. Über Kälte. Über das Gefühl, dass hier niemand wahllos schwarze Farbe an die Wand wirft, sondern sehr genau an Form, Spannung und Dichte arbeitet. Alkhemia liefern kein zweites Abraxas und auch keinen halsstarrigen Stilbruch, sondern etwas viel Klügeres: ein zweites Album, das nach Fortschritt klingt, ohne diesen Fortschritt mit Leuchtreklame zu markieren.
Wir finden das ziemlich gut. Nicht als lauwarmen Kompromiss, sondern weil diese Platte genau dort stark wird, wo viele aktuelle Black-Metal-Veröffentlichungen schwächeln: beim Maß. Häxen will weder alles sein noch alles erklären. Es will seine Schneise schlagen. Und genau das gelingt dem Album tatsächlich exzellent.

| Künstler: | Alkhemia |
| Albumtitel: | Häxen |
| Erscheinungsdatum: | 13. März 2026 |
| Genre: | Black Metal |
| Label: | Non Serviam Records |
| Spielzeit: | ca. 43 Minuten |
Trackliste:
Zeitgeist
Excressence
Hissing Ratz
Prekonition
Stars and Frozen Faces
Nonsense
Remnants
Mehr Album-Reviews für dich?
Dieses Review war für dich cool und du würdest gerne mehr lesen? Reviews aus sämtlichen Spielarten der Fantasy Musik findest du auf unserer Fantasy Alben Seite.



