ABSOLUTE POWER – Needs Must When the Devil Drives (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

ABSOLUTE POWER – Needs Must When the Devil Drives

🧪 Kurzfazit: Alte Liebe rostet nicht. Die Stimmbänder gelegentlich schon.

ABSOLUTE POWER haben fünfzehn Jahre gebraucht, um ihre zweite Platte fertigzustellen. Dafür gibt es jetzt Gitarrenarbeit vom Feinsten, reichlich britische Metal-Tradition und ein paar Songs, die selbst Black Sabbath vermutlich wohlwollend abnicken würden. Simon Efemey singt mit mehr Herzblut als Stimmumfang, und nicht jede Komposition verdient einen Ehrenplatz in der Ahnengalerie. Aber wenn die Herren ihre Vorbilder kurz aus den Augen verlieren, wird aus der nostalgischen Vergnügungsfahrt richtig gute Musik.

🧭 Für wen & vergleichbar mit
Für Menschen, bei denen Judas Priest, Saxon und Dio noch immer regelmäßig auf dem Plattenteller landen. Wer außerdem Angel Witch, Diamond Head und die epischeren Seiten von Black Sabbath schätzt, dürfte hier schnell heimisch werden. Wer dagegen erwartet, dass Shane Embury bei jeder Gelegenheit den Napalm-Death-Turbo zündet, hat vermutlich die falsche Platte bestellt.

🏆 Grabholds persönliche Lieblingsstücke
🥇 Within – Sabbath-Melancholie ohne obligatorische Feuerzeugballade.
🥈 Mountain of Hope – Erst bergauf, dann wird ordentlich Gas gegeben.
🥉 Orphans of the Storm – Siebeneinhalb Minuten, die tatsächlich etwas zu erzählen haben.

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wer musikalische Überraschungen im Minutentakt verlangt, wird an der ausgeprägten Traditionspflege wenig Freude haben. Auch Freunde makelloser Gesangstechnik sollten ihre Erwartungen korrigieren: Efemey ist ein leidenschaftlicher Metal-Fan am Mikrofon, kein zweiter Rob Halford. Und wer bei jedem Gitarrensolo nervös auf die Uhr schaut, ist hier ohnehin falsch abgebogen.


Albumcover von ABSOLUTE POWER – Needs Must When the Devil Drives (2026): Ein dämonischer Reiter auf einem schwarzen Pferd vor einem blutroten, von Blitzen durchzogenen Himmel. Illustration von Benjo Camay.

⚡ ABSOLUTE POWER – Needs Must When the Devil Drives: Wenn die alten Helden zum Maßstab werden

Elf Songs, zwei Gitarren, reichlich Siebzigerjahre-DNA und ein Sänger, der seinen großen Vorbildern gelegentlich näher sein möchte, als seine Stimmbänder erlauben. Needs Must When the Devil Drives ist ein Album, das seine Liebe zum klassischen Heavy Metal nicht versteckt. Warum auch? Die Riffs tragen schließlich Lederjacke, die Soli dürfen länger bleiben, und wenn ein Refrain nach Judas Priest klingt, wird das vermutlich niemanden im Studio ernsthaft beunruhigt haben.

Interessanter wird die Angelegenheit dort, wo ABSOLUTE POWER ihre Heldenverehrung kurz vergessen. Wo aus dem vertrauten NWOBHM-Galopp ein schwerfälliger Rhythmus wird, eine Melodie unerwartet melancholisch abbiegt oder ein Song sich mehr Zeit nimmt, als die Genretradition eigentlich vorsieht. Genau in solchen Momenten gewinnt die Musik eine Eigenständigkeit, die zwischen all den vertrauten Zutaten nicht selbstverständlich ist.

Die Urheber machen diese Entdeckung umso interessanter. Shane Embury verdient seit Jahrzehnten bei Napalm Death sein Geld damit, die Belastungsgrenzen menschlicher Trommelfelle auszuloten. Simon Efemey hat als Produzent mit Bands wie Paradise Lost und Amorphis gearbeitet und weiß, wie sich Gitarren auch jenseits des klassischen Heavy Metals wirkungsvoll einsetzen lassen. Gemeinsam betreiben sie ABSOLUTE POWER als Herzensangelegenheit, die sich für die üblichen Genregrenzen wenig interessieren müsste. Ausgerechnet deshalb fällt auf, wie bereitwillig sie sich zunächst den Regeln ihrer musikalischen Jugend unterwerfen.

Fünfzehn Jahre nach dem Debüt erscheint nun das zweite Album. Die Gästeliste ist mit Tim „Ripper“ Owens, John Cooke, Carl Stokes und Mark Gemini Thwaite durchaus eindrucksvoll. Nur sagt eine solche Besetzung zunächst ungefähr so viel über die Qualität der Songs aus wie eine hervorragend ausgestattete Küche über das Abendessen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob diese Musiker klassischen Heavy Metal spielen können. Das steht ja mal so was von außer Zweifel. Sondern ob ihnen zwischen all den vertrauten Zutaten noch etwas einfällt, das über die Bewunderung ihrer Vorbilder hinausgeht.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Traditional Heavy Metal, NWOBHM, Epic Metal

🎼 Musikalische Einordnung: ABSOLUTE POWER spielen klassischen Heavy Metal mit deutlicher Schlagseite zur New Wave of British Heavy Metal. Judas Priest, Saxon und die frühe britische Metalschule liefern das Fundament: zweistimmige Gitarrenläufe, galoppierende Rhythmen, ausgedehnte Soli und Refrains, die lieber in der ersten Reihe stehen als sich hinter komplizierten Arrangements zu verstecken.

Doch die Platte bleibt nicht durchgehend beim vertrauten Galopp. Schwerere, vom Doom beeinflusste Passagen und gelegentliche Ausflüge in epischere Gefilde unterbrechen das traditionelle Programm. Simon Efemeys rauer Gesang bildet dabei einen Gegenpol zur instrumentalen Klasse. Seine Stimme hat Charakter, stößt bei manchen Melodien aber hörbar an Grenzen.

🔊 Klangbild: Die Produktion bevorzugt körperliche Gitarren, einen gut hörbaren Bass und ein Schlagzeug mit natürlichem Anschlag gegenüber hochglanzpolierter Perfektion. Besonders die Gitarren profitieren davon: Rhythmusarbeit und Soli bleiben unterscheidbar, ohne dass die Platte ihren rauen Charakter verliert.

Simon Efemey setzt als Produzent auf einen Sound, der seine Achtzigerjahre-Vorbilder ernst nimmt, ohne wie eine schlecht erhaltene Demokassette zu klingen. Der Bass bekommt genügend Platz, die Gitarren dürfen kratzen, und auch kleinere Unsauberkeiten werden nicht unter einer sterilen Produktion begraben. Das passt zur Musik, selbst wenn der Gesang gelegentlich weniger souverän wirkt als die Instrumente.

🎬 Offizielles Musikvideo: Needs Must When the Devil Drives

ABSOLUTE POWER holen den klassischen Heavy Metal aus der Garage. Beim Titelstück von Needs Must When the Devil Drives hilft sogar Tim „Ripper“ Owens mit seinen legendären Höhenflügen aus. Judas Priest lassen grüßen.

⚔️ Drei Highlights: Wenn die alten Regeln plötzlich nicht mehr reichen

🌒 Within: Black Sabbath bei gedimmtem Licht

Nach vier Stücken mit reichlich Gitarrenarbeit und traditioneller Metal-Schlagseite geschieht etwas, das man ABSOLUTE POWER zunächst kaum zugetraut hätte: Die Band nimmt den Fuß vom Gas. Nicht für eine jener obligatorischen Balladen, bei denen ein harter Kerl seine empfindsame Seite entdeckt und vorsichtshalber gleich ein Streichorchester bestellt. Within hat andere Vorfahren.

Die akustischen Passagen und der leicht psychedelische Charakter führen zurück zu Black Sabbath, genauer zu jener eigentümlich entrückten Seite der Band, die man von Planet Caravan kennt. Das Stück setzt auf Stimmung, sparsamere Instrumentierung und eine Melancholie, die ohne große Gesten auskommt. Dabei profitiert ausgerechnet Simon Efemey von der Zurückhaltung. Seine Stimme muss sich hier nicht mit den großen Metal-Sängern messen, denen er an anderer Stelle gelegentlich hinterherläuft. Sie darf erzählen, statt um jeden Preis zu triumphieren.

Der Reiz von Within liegt darin, dass die Band plötzlich nichts beweisen möchte. Keine Rekordgeschwindigkeit, kein Wettbewerb um den höchsten Ton, kein Gitarrensolo als sportliche Disziplin. Man hört Musikern zu, die sich an eine weniger offensichtliche Tradition ihrer Jugend erinnern. Und siehe da: Auch ohne die volle Rüstung funktioniert der Ausflug.

⛰️ Mountain of Hope: Der lange Weg zum Gipfel

Wer bei Mountain of Hope angesichts des Titels eine musikalische Bergbesteigung erwartet, liegt ausnahmsweise nicht völlig daneben. Allerdings beginnt der Aufstieg nicht mit Fanfaren und wehenden Bannern, sondern in deutlich dunklerem Gelände.

Das Stück greift die schwerere, epische Seite von Black Sabbath auf. Die Gitarren arbeiten zunächst mit mehr Gewicht als Geschwindigkeit, während die Melodieführung jene dramatische Würde anstrebt, für die besonders die Dio-Jahre der Birminghamer berühmt wurden. ABSOLUTE POWER interessieren sich hier weniger für den raschen Refrain als für die Entwicklung einer musikalischen Spannung.

Entscheidend ist das letzte Drittel. Dort verabschiedet sich die Band von ihrer gemächlicheren Gangart, zieht das Tempo an und lässt die Gitarren wesentlich energischer arbeiten. Dieser Umschwung verleiht der Komposition eine Dramaturgie, die manchen der geradlinigeren Songs fehlt.

Natürlich hört man die Vorbilder. Manchmal stehen sie sogar ziemlich ungeniert mitten im Raum. Aber Mountain of Hope besitzt einen wichtigen Vorzug: Die Musiker nutzen ihre Einflüsse, um einen Song zu entwickeln, statt lediglich bekannte Stilmittel aneinanderzureihen. Ganz frei vom historischen Vorbild wird daraus keine eigene Bergkette. Doch den Gipfel erreicht die Band auf durchaus unterhaltsame Weise.

🌪️ Orphans of the Storm: Siebeneinhalb Minuten gegen die eigene Bequemlichkeit

Mit Orphans of the Storm haben sich ABSOLUTE POWER für den Schluss eine Aufgabe gestellt, die im traditionellen Heavy Metal gern unterschätzt wird: einen langen Song schreiben, der seine Spielzeit auch verdient.

Knapp siebeneinhalb Minuten sind dafür vorgesehen. Das Stück beginnt vergleichsweise zurückhaltend, baut aus einer dunklen, beinahe melancholischen Stimmung seine Spannung auf und arbeitet sich allmählich zu einem deutlich bewegteren Finale vor. Die Gitarren übernehmen zunehmend das Kommando, bis der anfangs eher nachdenkliche Charakter einem ausgreifenden Schlussabschnitt weicht.

Ja, ja, schon klar, auch hier lassen Black Sabbath grüßen, insbesondere deren epische Phase mit Ronnie James Dio. Die Verwandtschaft zu Children of the Sea ist natürlich kaum zu überhören. Trotzdem besitzt die Komposition genügend eigene Akzente, um nicht bloß als verspätete Bewerbung für die Sabbath-Nachfolge durchzugehen. Besonders überzeugend ist die Entscheidung, dem Stück Zeit zu lassen. Wo andere Nummern des Albums ihre Botschaft recht früh verraten, darf Orphans of the Storm verschiedene Stimmungen durchlaufen. Die Gitarrenarbeit bekommt dadurch mehr Bedeutung als das nächste demonstrativ ausgestellte Solo.

Als Abschluss ist das klug gewählt. Nach aller Heldenverehrung, den Metal-Hymnen und den vertrauten Rhythmen bleiben ausgerechnet die Musiker in Erinnerung, die sich etwas länger mit einer Idee beschäftigen. Und damit schließt sich der Kreis zu unserer Ausgangsfrage: ABSOLUTE POWER sind am stärksten, wenn sie ihren Vorbildern nicht einfach folgen, sondern sich mit ihnen direkt unterhalten.

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🖼️ Artwork

Benjo Camay hat für Needs Must When the Devil Drives ein Motiv geschaffen, das jeden Zweifel an der musikalischen Ausrichtung beseitigt: Ein gehörntes, geflügeltes Wesen reitet auf einem schwarzen Pferd durch eine Landschaft, in der offenbar seit geraumer Zeit niemand mehr versucht, die Brände zu löschen. Darüber türmen sich blutrote Wolken, Blitze zerreißen den Himmel, und selbst die Typografie sieht aus, als hätte man sie frisch aus einer mittelalterlichen Waffenschmiede geholt. Das ist herrlich unzeitgemäß. Und wahrscheinlich genau deshalb so passend.

Die Illustration erinnert an die große Ära handgemalter Metal-Cover, als Derek Riggs, Ken Kelly und ihre Kollegen noch ganze Weltuntergänge auf quadratische Plattenhüllen bannten. Camay arbeitet mit denselben Zutaten: übersteigerte Anatomie, dramatische Bewegung, glühende Farben und eine Vorstellung von Macht, die keinerlei Interesse an Zurückhaltung zeigt.

Bemerkenswert ist dabei die fast schon klassische Bildkomposition. Der Reiter beherrscht das Zentrum, das aufsteigende Pferd erzeugt Bewegung, und das Rot des Hintergrunds lässt die dunkle Figur noch bedrohlicher erscheinen. Das Cover verspricht weder Innovation noch feinsinnige Ironie. Es verspricht Heavy Metal. Mit Feuer, Hufen und einem ziemlich schlechten Tag für die Menschheit. Ein ehrliches Versprechen.

Und wer sich demnächst mit 63 in den unverdienten Ruhestand verabschiedet, kann sich das Motiv natürlich auch auf den Tank seiner nagelneuen Harley oder gleich auf die Seiten seines Wohnmobils sprayen lassen. Das Böse kennt schließlich keine Altersgrenze. Und auf dem Campingplatz von Wacken wäre die Karre ohnehin der Hingucker. Die Gen Z freut sich über sowas bestimmt auch.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

✨ Besondere Momente: Eine Gästeliste, ein Queen-Song und wirklich sehr viel Birmingham

Bei ABSOLUTE POWER lohnt sich der Blick hinter die Kulissen. Da sitzen Musiker zusammen, deren Lebensläufe eigentlich nach Grindcore, Gothic Rock, Death Metal und düsterem Alternative Rock verlangen. Stattdessen widmen sie sich einer gemeinsamen Jugendliebe: klassischem Heavy Metal. Die interessantesten Geschichten entstehen dabei nicht immer zwischen den Noten.

👑 Queen mit Schlagzeugreparatur

Man muss schon eine gewisse Portion Selbstvertrauen besitzen, um ausgerechnet Queen verbessern zu wollen. Simon Efemey hatte allerdings einen ganz bestimmten Einwand gegen Sheer Heart Attack: Ihm gefiel der Schlagzeugsound des Originals nicht. Klar, wenn er das sagt.

Und irgendwie logisch: Dann machen ABSOLUTE POWER das natürlich gleich selbst. Wäre ja auch noch schöner. Die Wahl ist durchaus bemerkenswert. Statt sich an einem der großen Queen-Hits zu vergreifen, entschied man sich für Roger Taylors ruppigen Ausreißer vom 1977 veröffentlichten News of the World. Ein Stück, das schon damals eher nach Punkrock als nach jener kunstvollen Rockmusik klang, mit der Freddie Mercury und seine Kollegen berühmt wurden.

Die Neuinterpretation rückt diese ungestüme Seite noch stärker in den Vordergrund. Joe Taylor übernimmt hier das Schlagzeug, während Efemey den Song mit deutlich weniger stimmlicher Eleganz, dafür aber mit passender Rauheit angeht. Ob die Reparatur wirklich nötig war, darf jeder Queen-Anhänger selbst entscheiden. Dass jemand fast fünfzig Jahre nach dem Original noch immer mit dessen Schlagzeugklang hadert, spricht jedenfalls für eine beneidenswert langlebige Leidenschaft.

🎩 Der Gothic-Gitarrist auf der Priest-Klassenfahrt

Mark Gemini Thwaite ist ein ungewöhnlicher Name auf einer Platte, die ihre musikalische Heimat vor allem zwischen Judas Priest, Saxon und Black Sabbath sucht. Der Gitarrist arbeitete unter anderem mit The Mission, Gary Numan und Tricky. Nun steht er neben John Cooke von Napalm Death und spielt auf sämtlichen elf Songs von Needs Must When the Devil Drives.

Dass dieser Gegensatz durchaus beabsichtigt war, verrät Efemeys Beschreibung von Thwaites Beitrag: Der Gitarrist brachte einen Hauch Gothic in die Musik. Das macht seine Beteiligung interessanter als die bloße Erwähnung eines prominenten Gastes. Schließlich besitzen Gothic Rock und traditioneller Heavy Metal gemeinsame Wurzeln, unterscheiden sich aber erheblich darin, wie sie Spannung erzeugen. Hier treffen Gitarristen aufeinander, die musikalisch verschiedene Wege gegangen sind und nun denselben alten Helden ihre Aufwartung machen. Eine Besetzung, die auf dem Papier nach einem Missverständnis aussieht. In der Praxis gehört sie zum Reiz des Projekts.

🎤 Der Ripper darf die hohen Töne übernehmen

Es gibt Gäste, die auf einer Platte kaum auffallen. Tim „Ripper“ Owens gehört selten dazu. Der ehemalige Judas Priest-Sänger ist auf dem Titelstück zu hören und übernimmt dort zusätzliche, besonders hohe Gesangspassagen. Damit bekommt Needs Must When the Devil Drives einen direkten Draht zu einer Band, deren Einfluss ohnehin an zahlreichen Stellen hörbar wird.

Das ist allerdings auch ein kleines Wagnis. Wer einen Sänger dieses Kalibers einlädt, erinnert das Publikum zwangsläufig daran, wie groß der Abstand zwischen einem erfahrenen Produzenten am Mikrofon und einem ausgewiesenen Heavy-Metal-Frontmann ausfallen kann. Simon Efemey macht auf dem Album vieles richtig, aber Owens besitzt nun einmal jene stimmliche Durchschlagskraft, die sich weder durch Begeisterung noch durch Produktionsroutine ersetzen lässt.

Der Gastauftritt funktioniert deshalb als Verstärkung und zugleich als unfreiwilliger Maßstab. Eine etwas gemeine Konstellation. Aber niemand hat Efemey gezwungen, einen ehemaligen Judas-Priest-Sänger einzuladen.

🏭 Die West Midlands als musikalischer Fluchtweg

Hinter dem etwas sperrigen Albumtitel steckt eine Geschichte, die mehr erklärt als jede Genrebezeichnung. Shane Embury und Simon Efemey wuchsen in den industriell geprägten West Midlands auf. Beide stammen aus Arbeiterfamilien. Heavy Metal war für sie als Jugendliche ein Ausweg aus dem Alltag, aus einer Umgebung, in der man mit den vorhandenen Möglichkeiten zurechtkommen musste.

Daraus erklärt sich auch die Redewendung Needs Must When the Devil Drives: Wenn die Umstände einen treiben, tut man, was getan werden muss. Plötzlich erhält die musikalische Rückwärtsgewandtheit des Albums einen anderen Sinn. Hier spielen keine Veteranen bloß ihre Lieblingsplatten nach. Sie kehren zu einer Musik zurück, die ihnen einmal etwas sehr Konkretes gegeben hat: die Vorstellung, dass es außerhalb des eigenen Alltags noch eine andere Welt gibt.

Efemey formuliert seine heutige Absicht entsprechend schlicht. Er möchte, dass die Menschen bei dieser Musik eine gute Zeit haben und ihren Alltag für ein paar Stunden vergessen. Das mag weniger ehrgeizig klingen als die üblichen Ankündigungen künstlerischer Neuerfindung. Aber es besitzt einen Vorzug: Man weiß genau, wofür diese Platte gemacht wurde.

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🏍️ Hintergrund: Fünfzehn Jahre Verspätung und kein bisschen Eile

Manche Bands brauchen fünfzehn Jahre für ihr zweites Album, weil ihnen zwischenzeitlich die Ideen ausgegangen sind. Bei ABSOLUTE POWER dürfte eher die Terminplanung das Problem gewesen sein. Shane Embury ist seit Jahrzehnten bei Napalm Death beschäftigt, betreibt weitere Projekte und gehört zu jenen Musikern, bei denen man sich fragt, ob der Kalender tatsächlich nur zwölf Monate besitzt. Simon Efemey wiederum hat als Produzent für Paradise Lost, The Wildhearts und zahlreiche andere Bands gearbeitet. Auch dort wartet die Kundschaft selten geduldig vor dem Studio.

Dabei entstand ABSOLUTE POWER ursprünglich aus einer denkbar einfachen Überlegung: Warum eigentlich immer nur die alten Lieblingsplatten im Tourbus auflegen, wenn man solche Musik auch selbst schreiben könnte?

2006 gründeten Embury und Efemey das Projekt, 2011 erschien das selbstbetitelte Debüt. Danach herrschte lange Funkstille. Das bedeutete allerdings nicht, dass die beiden ihre Liebe zum traditionellen Heavy Metal irgendwo zwischen beruflichen Verpflichtungen und Familienalltag verloren hätten. Die Idee blieb liegen, bis sie wieder Zeit und Mitstreiter fanden.

Für Needs Must When the Devil Drives nahmen sie sich schließlich fünf Jahre. Ein bemerkenswerter Aufwand für eine Platte, deren musikalisches Rezept sich im Wesentlichen aus den Zutaten zusammensetzt, die Judas Priest, Saxon und Black Sabbath schon vor Jahrzehnten erfolgreich auf den Tisch gestellt haben. Allerdings beweist gerade diese Entstehungszeit, dass hier niemand bloß ein paar alte Riffs für ein nostalgisches Wochenende zusammengeschraubt hat.

Die beiden Hauptverantwortlichen verbindet außerdem ein ziemlich britischer Humor. Monty Python und The Young Ones zählen zu ihren gemeinsamen Vorlieben. Efemey betont, dass man sich selbst nicht besonders ernst nehme, bei der Musik aber durchaus wählerisch sei. Was keine brauchbare Melodie und kein gutes Riff besitzt, fliegt wieder raus.

Das erklärt einiges über den Charakter des Projekts. Hier haben erfahrene Musiker sichtlich Freude daran, noch einmal jene Spielregeln auszuprobieren, die sie als Jugendliche begeistert haben. Dass sie diese inzwischen besser beherrschen als mancher Nachwuchsmetaller, versteht sich fast von selbst. Die eigentliche Leistung besteht darin, aus der Erinnerung an eine große musikalische Epoche wieder lebendige Songs zu machen. Und genau daran muss man Needs Must When the Devil Drives messen.

Am 6. November 2026 erscheint das Ergebnis bei Time To Kill Records. Ob das dritte Album wieder fünfzehn Jahre braucht, bleibt offen. Dann wäre Embury allerdings stolze 73 Jahre alt.

Wobei man bei diesem Mann nicht ausschließen sollte, dass er bis dahin noch sechs weitere Bands gegründet, zwölf Platten eingespielt und nebenbei eine vollständige Diskografie des britischen Heavy Metals nachvertont hat.

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⚖️ Fazit: Die alten Helden bleiben unerreicht. Na und?

ABSOLUTE POWER haben mit Needs Must When the Devil Drives das Rad des Heavy Metals erwartungsgemäß nicht neu erfunden. Sie haben es jedoch gründlich geputzt, die Speichen nachgezogen und anschließend festgestellt, dass es immer noch verdammt gut rollt. Was hier aus den Boxen kommt, ist in seinen besten Momenten eine Liebeserklärung an jene Musik, die Judas Priest, Saxon und Black Sabbath groß gemacht haben. Eine, der man ihre Begeisterung tatsächlich abnimmt.

Allerdings besitzt das Album auch eine Achillesferse. Simon Efemeys Gesang kann mit der Klasse der Instrumentalisten nicht immer Schritt halten, und manche Komposition verlässt sich etwas zu bequem darauf, dass vertraute Metal-Tugenden schon für Begeisterung sorgen werden. Ausgerechnet die Stücke, die sich von diesem Rezept lösen, hinterlassen den stärksten Eindruck. Das macht die Platte sympathisch, aber auch ein wenig widersprüchlich: Ihre größte Stärke liegt dort, wo sie aufhört, ihren Vorbildern nachzueifern.

Möglicherweise ist das ohnehin die falsche Messlatte. Shane Embury und seine Mitstreiter wollten keine neue Epoche einläuten. Sie wollten jene Musik spielen, die sie einst für ein Leben mit Gitarren begeistert hat. Das gelingt ihnen mit Können, hörbarer Freude und einigen ausgezeichneten Songs. Für einen Platz neben den Klassikern reicht es nicht. Für ein Wiederhören dagegen allemal.

Die alten Helden müssen deshalb nicht um ihren Thron fürchten. Sie können ruhig sitzen bleiben und weise lächelnd zuhören.

Albumcover von ABSOLUTE POWER – Needs Must When the Devil Drives (2026): Ein dämonischer Reiter auf einem schwarzen Pferd vor einem blutroten, von Blitzen durchzogenen Himmel. Illustration von Benjo Camay.

Künstler:

ABSOLUTE POWER

Albumtitel:

Needs Must When the Devil Drives

Erscheinungsdatum:

6. November 2026

Genre:

Traditional Heavy Metal, NWOBHM, Epic Metal

Label:

Time To Kill Records

Spielzeit:

ca. 49 Minuten

👥 Besetzung & Gäste:

Simon Efemey: Gesang
Shane Embury: Bass
John Cooke: Gitarre, alle Songs
Mark Gemini Thwaite: Leadgitarre, alle Songs
Carl Stokes: Schlagzeug, außer Tracks 2 und 10
Joe Taylor: Schlagzeug auf Tracks 2 und 10
Tim „Ripper“ Owens: Zusätzlicher Gesang auf dem Titelstück
Dominik Gryzbon: Leadgitarre auf dem Titelstück
Ilsa Nielson: Leadgitarre auf Hammer of Justice

🎛️ Produktion und Gestaltung

Produktion, Aufnahmeleitung und Mix: ABSOLUTE POWER und Piers Mortimer
Aufnahmestudio: Headline Studios, Cambridgeshire, England
Mastering: JP Braddock, Formation Audio, April 2026
Coverillustration: Benjo Camay
Layout: Gary Ronaldson

🎼 Trackliste:

Needs Must When the Devil Drives 3:28
Saviour 3:49
Kernschmelze 3:39
Stand Up and Be Counted 4:00
Within 4:56
Mountain of Hope 5:27
Insanity 3:55
Hammer of Justice 4:35
Praise the Fire 4:14
Sheer Heart Attack (Queen-Cover) 3:30
Orphans of the Storm 7:25

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