A Melody of Bones lässt eine Seelenweberin die Toten wieder zusammensetzen

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

🦴 Die Toten singen – Wren setzt sie wieder zusammen

📰 Was ist los?
Tor UK hat Sonja Howards Fantasydebüt A Melody of Bones und einen zweiten, noch unbetitelten Roman gekauft. Die Geschichte folgt der Soulgrafter Wren, die die Stimmen der Toten hört und Teile ihrer eigenen Seele nutzt, um beschädigte Körper und Geister wieder zusammenzufügen.

🐛 Was denken wir?
Die Welt besitzt bereits mit ihrer Grundidee erstaunlich viel Eigenständigkeit. Besonders die Verbindung aus Seelenmagie, verbotener Wiederbelebung, Kreaturenwelt und einem von der Autorin selbst gezeichneten Bestiarium macht den Roman deutlich interessanter als den nächsten austauschbaren Fantasydeal.

Die Toten singen, und Wren kann sie hören. In Sonja Howards düsterem Fantasydebüt A Melody of Bones gehört sie zu den Sylvan Soulgrafters, deren Aufgabe weit über gewöhnliche Totenrituale hinausgeht: Sie sammeln die Gefallenen ein und setzen mit Fragmenten ihrer eigenen Seele beschädigte Körper und Geister wieder zusammen.

Junge Seelenweberin setzt in einem düsteren Wald mit leuchtender Magie das Skelett einer gehörnten Kreatur wieder zusammen.
In A Melody of Bones verbindet Seelenmagie Tod, Erinnerung und Wiederherstellung – ein zentrales Motiv der düsteren Fantasywelt von Sonja Howard. © Fantasykosmos / KI-generiert / manuell nachbearbeitet

Tor UK hat sich jetzt A Melody of Bones und einen noch unbetitelten zweiten Roman von Howard gesichert. Der erste Band soll 2028 erscheinen und zusätzlich ein von der Autorin selbst illustriertes Bestiarium enthalten. Damit bekommt eine Fantasywelt ihren großen Verlagseinstand, die schon mit wenigen Sätzen erstaunlich viele eigene Bilder erzeugt. The Bookseller

🌲 Die Toten gehören zurück in den Ewigen Wald

Wrens Aufgabe folgt einer heiligen Ordnung. Als Soulgrafter reist sie durch die Welt, sammelt verstorbene Wesen ein und bringt sie zum Eternal Forest, wo Körper und Seele wieder miteinander verwoben werden können.

Der Preis dafür steckt bereits im Namen der Fähigkeit. Wren erschafft das Verlorene nicht einfach aus dem Nichts, sondern verwendet dafür Teile ihrer eigenen Seele. Jede Wiederherstellung trägt damit potenziell etwas von ihr selbst davon.

Das macht die Magie von A Melody of Bones sofort interessanter als eine gewöhnliche Wiederbelebungsfähigkeit. Heilung, Tod und Opfer sind miteinander verbunden, und eine eigentlich heilige Aufgabe bekommt etwas körperlich wie seelisch Gefährliches.

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🩸 Dann verschwindet Wrens Bruder

Diese fragile Ordnung bricht zusammen, als Wrens jüngerer Bruder von Wilderern entführt wird. Plötzlich reicht es nicht mehr aus, die Regeln ihres Volkes zu befolgen und das natürliche Gleichgewicht zu bewahren.

Ihre einzige brauchbare Spur führt ausgerechnet zu einem Menschen, den sie selbst durch einen verbotenen Akt wieder zum Leben gebracht hat. Diese Wiederbelebung hat beide auf eine Weise miteinander verbunden, deren Konsequenzen Wren offenbar noch nicht vollständig versteht.

Damit entsteht ein ziemlich reizvoller Konflikt. Diejenige Figur, deren gesamte Existenz auf dem richtigen Umgang mit Tod und Seele beruht, hat selbst genau jene Grenze überschritten, deren Einhaltung von ihr erwartet wird.

🧬 Menschen sind für die Sylvan alles andere als vertraut

Um ihren Bruder zu finden, muss Wren sich anschließend mit genau jener Spezies auseinandersetzen, vor der sich ihr Volk über Jahrhunderte verborgen hat. Die Suche führt sie damit aus einer vertrauten spirituellen Ordnung hinein in eine Welt, deren Regeln sie kaum kennt.

Dabei scheint A Melody of Bones nicht einfach zwischen „magisches Waldvolk“ und „böse Menschen“ aufzuteilen. Wren muss ebenso die Geschichten und Legenden ihres eigenen Volkes hinterfragen und herausfinden, wie viel Wahrheit in dem steckt, was ihr über Monster, Menschen und die Vergangenheit erzählt wurde.

Gerade das macht die Prämisse deutlich spannender. Die Gefahr kommt offenbar nicht nur von den Wilderern. Sie steckt möglicherweise auch in dem Weltbild, mit dem Wren aufgewachsen ist.

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👹 Das Bestiarium kommt direkt von der Kreaturengestalterin

Besonders schön passt dazu das geplante illustrierte Bestiarium. Sonja Howard ist nicht ausschließlich Autorin, sondern arbeitet als Creature Artist und in der neuseeländischen Filmindustrie bei Wētā Workshop. Zu ihren eigenen Arbeiten gehören fantastische Kreaturen, Skulpturen und anatomisch gedachte Wesen. sonsationalcreations

Für A Melody of Bones bedeutet das, dass die Kreaturenwelt aus derselben Hand stammt wie die Geschichte selbst. Howard kann Wesen also nicht nur beschreiben, sondern ihnen direkt eine eigene visuelle Anatomie geben.

Das klingt gerade bei einer Fantasywelt, in der Körper, Knochen, Seele und ungewöhnliche Spezies eine derart zentrale Rolle spielen, nach einer ziemlich perfekten Kombination.

🌿 Dunkle Welt, aber offenbar kein hoffnungsloser Roman

Interessant ist auch der Ton. Tor-UK-Lektor Michael Beale beschreibt das Buch trotz seiner düsteren Welt und der morbiden Grundidee als Geschichte mit einem hoffnungsvollen Kern und verweist auf eine Atmosphäre, die ihn an The Dark Crystal erinnert. Howard selbst bezeichnet ihr Projekt als „queer dark cosy fantasy“. The Bookseller

Das verhindert hoffentlich genau jene Falle, in die Dark Fantasy gelegentlich läuft: alles muss grau, grausam und emotional möglichst verbrannt sein, nur damit niemand aus Versehen Freude an der Welt entwickelt.

Bei A Melody of Bones könnte der Kontrast erheblich interessanter werden. Tod, Wilderer, verbotene Wiederbelebung und monströse Legenden stehen einer Figur gegenüber, deren wichtigste Fähigkeit ausgerechnet darin besteht, Zerbrochenes wieder zusammenzufügen.

🦴 Eine Fantasywelt, die schon vor dem ersten Cover eigenständig klingt

Bis 2028 ist noch reichlich Zeit, und über den zweiten Roman wissen wir bislang praktisch nichts. Der Zwei-Buch-Deal zeigt aber bereits, dass Tor UK mit Howard über das Debüt hinaus plant.

Vor allem die Grundidee von A Melody of Bones bleibt hängen. Eine Seelenweberin, die die Stimmen der Toten hört, Fragmente ihrer eigenen Seele opfert und schließlich mit einem Menschen zusammenarbeiten muss, den sie niemals hätte zurückbringen dürfen, braucht keine zwanzig Absätze Welterklärung, um Neugier auszulösen.

Und wenn das Bestiarium am Ende halb so seltsam wird wie Howards bisherige Kreaturenarbeiten, dürfte man 2028 vermutlich schon vor dem eigentlichen Roman ziemlich lange darin hängen bleiben.

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