🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.
🧅 The Daily Meme #162 – Wappenkunde der Zwischenreiche: Erzherzogtum Mettenschlund


Boneys Logbuch-Eintrag
Position: Heraldisches Zentralarchiv Mettenschlund, Lesesaal II, zwischen der Abteilung „Dynastische Irrtümer“ und dem versiegelten Schrank für staatsrelevante Wurstfragen.
Wetter: Trocken, würzig, leicht zwiebelig. In der Luft liegt die ernste Schwere eines Reiches, das seit Jahrhunderten so tut, als sei völlige Verwirrung ein verlässliches Regierungsprinzip.
Lagebericht
Es gibt Wappen, die wollen Stärke zeigen.
Und es gibt Wappen, die wollen Abstammung beweisen.
Dann gibt es das Erzherzogtum Mettenschlund, das seinen gesamten Staatscharakter in ein einziges Bild presst und dabei wirkt, als habe ein Hofherold bei der Arbeit einen schweren Schlag auf den Helm bekommen und sich danach einfach auf sein nicht vorhandenes Talent verlassen.
Heutiges Wappen
Erzherzogtum Mettenschlund
Im Schild erhebt sich das große Wappentier des Hauses: ein dreiköpfiger Greif, wenn man den Begriff Greif sehr weit fasst und bereit ist, jede zoologische Verantwortung großzügig an die Geschichte zurückzugeben.
Links trägt das Tier den Adlerkopf. Das ist der Teil des Wappens, der noch so etwas wie staatliche Würde ausstrahlt. Der Blick hart, der Schnabel entschlossen, die Haltung jener alten Reichstradition verpflichtet, nach der man immer dann besonders herrisch aussieht, wenn man innerlich selbst keine Ahnung hat.
In der Mitte folgt der Schweinekopf. Er steht breit, grimmig und mit der gelassenen Autorität eines Wesens da, das vermutlich schon bei der Gründung des Erzherzogtums beschlossen hat, dass Pathos schön und gut sei, am Ende aber trotzdem gegessen wird.
Rechts schließlich der Karpfenkopf. Ratlos. Erstaunt. Geistig bereits drei Gespräche hinter dem Rest der Welt. Man spürt in diesem Blick den ganzen Zauber mettenschlundischer Politik: Da ist etwas anwesend, das formell dazugehört, aber selbst noch nicht restlos verstanden hat, weshalb.
Und genau dadurch wird das Wappentier groß.
Denn dieses Reich versteckt seinen inneren Zustand nicht. Es adelt ihn.
Die heilige Zwiebel
In den Klauen trägt das Tier eine rohe Zwiebel.
Damit ist die Symbolik des Erzherzogtums eigentlich vollständig erklärt. Die Zwiebel steht für Tränen, für Schichten, für Küchennähe, für eine Staatsphilosophie, bei der man nie weiß, was unter der nächsten Lage zum Vorschein kommt. Vielleicht Weisheit. Vielleicht Leberwurst. Vielleicht ein weiterer Verwaltungsakt.
In Mettenschlund gilt die Zwiebel als Zeichen höchster Wahrhaftigkeit. Wer sie schält, erkennt den Kern der Macht. Wer zu weit schält, heult.
Eine bessere politische Allegorie muss man erst einmal finden.
Und über allem steht der Wahlspruch:
Confusio est fortitudo
Verwirrung ist Stärke.
Man muss dem Erzherzogtum lassen, dass es keine Zeit mit falscher Bescheidenheit vergeudet. Andere Häuser verstecken ihre Schwächen hinter Worten wie Tapferkeit, Ehre oder Tradition. Mettenschlund erklärt die Lage offen und macht daraus eine Tugend.
Das hat fast Größe. Oder zumindest die feste Überzeugung, dass man entschlossener wirkt, wenn man seine eigenen Widersprüche mit einer Krone darüber verziert.
Boneys Urteil
Das Wappen des Erzherzogtums Mettenschlund ist ein heraldischer Volltreffer. Es ist vollkommen lächerlich, vollkommen ernst und damit von geradezu überwältigender zwischenreichischer Würde.
Hier wurde nichts abgeschwächt, nichts glattgezogen, nichts auf höfisch vernünftig zurechtgestutzt. Man nahm einen Adler, ein Schwein, einen Karpfen und eine Zwiebel, setzte alles unter ein Motto von herrschaftlicher Selbstsicherheit und erklärte das Ergebnis zum Gesicht einer Dynastie.
Exakt so entstehen große Wappen. Weder durch Schönheit noch durch Logik, sondern einzig und allein durch den unerschütterlichen Willen, selbst aus kompletter Blödheit noch ein offizielles Staatssymbol zu machen.
Abschließende Notiz an euch alberne Wappenanbeter
Solltet ihr unterwegs einem Banner begegnen, auf dem ein dreiköpfiges Vieh eine rohe Zwiebel emporhält, dann verhaltet euch höflich. Fragt nicht nach dem Karpfen. Fragt nie nach dem Karpfen. Das führt in Mettenschlund seit Generationen zu schmerzhaften Schwierigkeiten.
Beim nächsten Mal blättern wir womöglich weiter in der Wappenkunde der Zwischenreiche und prüfen, warum das Haus Plumpsquell einen rückwärts stürzenden Pelikan für eine vernünftige dynastische Selbstdarstellung hielt.




