Der seltsame Bundeswehr-Fragebogen: Erst ankreuzen, dann antreten. Was wirklich gefragt wird

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🪖 Der seltsame Bundeswehr-Fragebogen: Erst ankreuzen, dann antreten. Was wirklich gefragt wird

Deutschland hat einen neuen Weg gefunden, militärische Bereitschaft zu erfassen: Es verschickt Fragebögen.

Nein! Weder Trommeln noch dramatische Fanfaren. Kein ernster Blick eines Feldwebels im Morgennebel, sondern ein Formular mit Skala von 0 bis 10. Dort kann man eintragen, wie sehr man sich grundsätzlich für den Wehrdienst interessiert. Also für eine Tätigkeit, bei der frühes Aufstehen, körperliche Belastung und Befehle vorkommen, die nicht mit „könntest du vielleicht“ beginnen.

Fast 300.000 Fragebögen wurden laut aktueller Auswertung verschickt. Ein großer Teil wurde beantwortet, mehr als jeder fünfte Mann zeigte wenigstens ein Mindestinteresse. Tatsächlich verpflichtet haben sich bislang aber nur einige Hundert.

Das klingt nach Widerspruch. Ist es aber nicht. Zwischen „Ich kreuze mal eine 2 an“ und „Ich unterschreibe für den Dienst“ liegt ungefähr derselbe Abstand wie zwischen Wanderschuhen im Prospekt und 20 Kilometern Marsch durch Regen.

In den Zwischenreichen kennt man diese Lücke.

Dort heißt sie: der Graben zwischen Kästchen und Kettenhemd.

📋 Der Bogen wurde zuerst in Knattermoor getestet

Was bisher kaum bekannt war: Der Fragebogen wurde bereits vorab in den Zwischenreichen erprobt. Das Kriegsministerium des Koboldkönigreichs Knattermoor verschickte 500 Testbögen an Orks, Zwerge, Elben, Kobolde und einige Personen, die nur deshalb teilnahmen, weil sie dachten, es gebe danach kostenlosen Eintopf.

Das Ergebnis war beeindruckend.

500 gaben an, den Bogen erhalten zu haben.
493 gaben später zu, ihn nicht gelesen zu haben.
487 hatten trotzdem irgendwo ein Interesse zwischen 1 und 10 eingetragen.
Ein Troll setzte überall Kreuze, weil er das Muster schön fand.

Das Ministerium wertete den Test als Erfolg. In der Kobold-Hauptverwaltung gilt es schließlich schon als Zustimmung, wenn niemand versucht, das Gebäude anzuzünden.

Satirische Fantasy-Szene in einem deutschen Rekrutierungsbüro, in dem junge Menschen, Orks, Elben, Zwerge, ein Troll und ein Skelett Wehrdienst-Fragebögen ausfüllen.
Bevor jemand zur Waffe greift, muss erst geklärt werden, ob das Interesse eher bei 3 oder bei „Axt bereits vorhanden“ liegt.

🧾 Fünf Fragen, bei denen Bogenausfüller stutzig werden sollten

Der Verdacht, dass der Wehrdienst-Fragebogen in den Zwischenreichen vorgeprägt wurde, erhärtet sich spätestens auf Seite drei. Dort tauchen Fragen auf, die mit moderner Personalgewinnung nur noch lose verwandt sind.

1. Besitzen Sie eine Axt, ein Schwert oder ein Familienerbstück, das bei Gefahr blau leuchtet?
Hier sollte man misstrauisch werden. Die Bundeswehr fragt normalerweise nach irgendwelchen Qualifikationen und nicht nach magisch auffälligem Hausrat.

2. Wie hoch ist Ihre Bereitschaft, einem Befehl zu folgen, der von einem sprechenden Raben überbracht wurde?
Skala 0 bis 10. Wer hier mehr als 6 ankreuzt, landet nicht beim Heimatschutz, sondern im schlimmsten Fall in der Nebelpost-Kompanie von Mumpflingen.

3. Können Sie längere Zeit in einem Graben liegen, ohne eine Diskussion über Homeoffice zu beginnen?
Eine harte, aber faire Frage. In den Zwischenreichen gilt bereits als einsatzfähig, wer nach drei Stunden Schlamm nur noch innerlich kündigt.

4. Sind Sie bereit, bei Bedarf gegen kleine, schlecht gelaunte Waldwesen vorzugehen, die steuerlich nicht erfasst sind?
Das klingt nicht nach Bundeswehr. Das klingt nach einem Einsatz gegen Kobolde-Halblinge, die seit 400 Jahren keine Gewerbesteuer zahlen.

5. Haben Sie Erfahrung im Umgang mit Formularen, die zurückfragen?
Spätestens hier ist klar: Dieser Bogen wurde nicht in einem Ministerium geschrieben. Er wurde in einem Amt entworfen, in dem Papier lebt, Stempel beißen und Kugelschreiber Zeugen im Ernstfall auf eigene Faust vernehmen.

⚔️ Mindestinteresse ist keine Mobilmachung

Das schönste Wort an der ganzen Geschichte ist Mindestinteresse.

Nicht Begeisterung, auch keine Entschlossenheit. Auch nicht „ich stehe Montag in Stiefeln vor der Kaserne“. Mindestinteresse klingt eher wie: Man würde sich eine Broschüre anschauen, solange sie nicht zu dick ist und niemand direkt anruft.

Das ist auch völlig normal. Ein Kreuzchen ist schnell gesetzt. Ein Dienstvertrag ist etwas anderes. Man kann grundsätzlich neugierig sein und trotzdem feststellen, dass Ausbildung, Studium, Job, Familie, Körpergefühl und Lebensplanung gerade nicht nach Kasernenhof verlangen.

Die Zwischenreiche haben dafür ein altes Sprichwort:

Viele greifen zum Stift. Wenige greifen zum Helm.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🏰 Die Erste Formularbrigade wartet schon

Der deutsche Wehrdienst-Fragebogen ist kein Kriegsruf. Er ist deutscher: ein Verwaltungsversuch, eine unsichere Welt in auswertbare Kästchen zu zwingen.

Bist du bereit?
Vielleicht.
Wie bereit?
Bitte Zahl eintragen.
Ab wann?
Später.
Wie viel später?
Siehe Anlage.

In Knattermoor wäre daraus längst eine eigene Truppe entstanden: die Erste Formularbrigade. Bewaffnet mit Kugelschreibern, Stempelkissen und der Fähigkeit, jeden Gegner so lange nach seiner Motivation zu fragen, bis er sich freiwillig zurückzieht.

🪙 Am Ende bleibt ein Kreuzchen

Natürlich braucht die Bundeswehr Personal. und es ist gewiss auch sinnvoll, junge Menschen überhaupt zu erreichen. Aber die Komik dieses Vorgangs ist gewaltig: Ein Staat will Verteidigungsfähigkeit aufbauen und beginnt mit einer Selbstauskunft.

Vielleicht ist das vernünftig. Vielleicht ist es sogar ehrlich.

Aber es sieht eben aus, als würde Deutschland vor dem Ernstfall noch schnell fragen:

„Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie bereit wären Sie, falls es kompliziert wird?“

Und irgendwo in den Zwischenreichen sitzt ein Troll vor demselben Bogen, hebt die Hand und fragt:
„Kann ich auch 11 ankreuzen, wenn es dafür kostenloses Mittagessen gibt?“

Boney Jones präsentiert die besten Memes der Fantasygeschichte. Boney der Skelett-Pirat.