
Mirror of My Soul – October is Rising
🧿 Kurzfazit
October is Rising ist dunkler Singer-Songwriter-Rock mit einem langen Gothic-Schatten, Doom-Vergangenheit im Rücken und einer Menge Gaststimmen im Flur. Kein Metal-Album, aber eines, das genug schwere Luft trägt, um zwischen Grabkerze, Whiskeyglas und spätem Gewitter zu funktionieren.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die Nick Cave, Johnny Cash, Fields of the Nephilim, melancholischen Hard Rock und den ruhigeren Rand des Doom-Kosmos mögen, solange niemand so tut, als müsse Schmerz automatisch in Zeitlupe heulen.
🎧 Wie klingt das?
Akustisch grundiert, dunkel gefärbt, erzählerisch gebaut. Mal trocken und nah, mal größer und fast filmisch, mit Stimmen, Keyboards, Gitarren und kleinen Schatteneffekten, die mehr Atmosphäre schaffen als jede überladene Nebelmaschine.
🎼 Highlights
October Is Rising, The One Who Sings the Songs, Lost In the Red Wine
⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei einem Album aus dem Doom-Umfeld zwingend schwere Riffs erwartest und mit dunklem Storytelling ohne Metal-Kettenhemd nichts anfangen kannst.
🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.
🌒 Mirror of My Soul – October is Rising: Der Mann am Fenster zählt die Schatten
Ein Album wie October is Rising tritt nicht die Tür ein. Es steht schon im Zimmer, wenn man das Licht anmacht. Also, bitte nicht erschrecken.
Mirror of My Soul ist das Solo-Projekt von Patrik Andersson Winberg, den man aus dem Doom- und Heavy-Rock-Umfeld kennt. Hier aber stapft niemand mit Riffpanzer durch den Nebel. Stattdessen wird der Verstärker zurückgedreht, der Raum größer gemacht und die Stimme näher ans Ohr geholt. Was bleibt, ist keine kleine Nebenbaustelle eines gestandenen Musikers, sondern ein sehr bewusst angelegter Gang durch Erinnerung, Verlust, Rotwein, Veranda, alte Familiengeister und diesen seltsamen Oktoberzustand, in dem alles gleichzeitig reif, müde und gefährlich klar wirkt.
Das Album lebt von einer riskanten Idee: Viele Stimmen, viele Gäste, viele Perspektiven, aber ein innerer Kern. Solche Platten kippen leicht in wohlgemeinte Freundeskreis-Galas, bei denen am Ende jeder einmal ans Mikro darf und niemand mehr weiß, wer eigentlich die Kerze angezündet hat. October is Rising hält hier besser zusammen, weil Winberg nicht auf große Pose setzt. Die Songs wirken eher wie Zimmer in einem alten Haus. In jedem steht jemand anderes. Aber der Regen vor dem Fenster ist überall derselbe.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Dark Singer-Songwriter, Gothic Rock, Hard Rock, Dark Folk
Vergleichbar mit: Nicht als direkte Kopie, eher als nächtliche Nachbarschaft: Nick Cave wegen der erzählerischen Dunkelheit, Johnny Cash wegen der reduzierten Schwere, Fields of the Nephilim wegen der staubigen Gothic-Weite, dazu ein Rest nordischer Doom-Herkunft, der nicht spielt, aber mit einiger Präsenz im Türrahmen steht.
Klangfarbe: October is Rising ist keine Platte, die mit Härte beeindrucken will. Sie arbeitet mit Nähe. Eine Stimme setzt sich an den Tisch, ein Bass hält den Boden, eine Gitarre kratzt an der Wand, ein Keyboard zieht langsam den Vorhang zu. Die Produktion lässt genug Luft, damit die Songs nicht nach übermöblierter Studiowohnung klingen. Vieles wirkt bewusst offen, manchmal fast skizzenhaft, aber nie schlampig.
Die Stärke liegt in der Atmosphäre. Diese Musik muss nicht dauernd eskalieren, weil sie ihren Druck aus der Zurückhaltung holt. Wenn größere Rock-Momente auftauchen, wirken sie deshalb nicht wie Pflichtausbrüche, sondern wie Wetterwechsel. Und genau das passt zu einem Album, das weniger in Refrains als in Zuständen denkt.
🔥 Highlights
October Is Rising ist der natürliche Mittelpunkt der Platte. Der Song trägt diesen Titel nicht wie ein dekoratives Herbstschild, sondern als Temperaturangabe. Hier zieht die Dunkelheit nicht dramatisch ein, sie steigt langsam. Die Stimme wirkt getragen, die Instrumentierung bleibt kontrolliert, und unter der Oberfläche liegt dieses angenehme Gothic-Flackern, das nicht in Kitsch kippt. Der Song hat genug Gravitas, um die Albumidee zu bündeln: persönliches Erzählen, große Schatten, kein falsches Pathos.
The One Who Sings the Songs funktioniert als Auftakt besonders gut, weil er sofort klarstellt, dass dieses Projekt nicht über Riffgewalt kommt. Der Song lebt von Geste, Stimme und Haltung. Er wirkt wie eine Ansprache an die Unsichtbaren, ohne gleich mit beiden Händen am Trost-Altar zu rütteln. Gerade die Gefahr solcher Themen ist ja, dass alles schnell nach seelischer Großraumbeleuchtung klingt. Hier bleibt es dunkler, knapper, glaubwürdiger.
Lost In the Red Wine ist allein vom Titel her schon fast zu dankbar. Man sieht sofort ein Glas, einen Tisch, einen Raum, in dem jemand zu lange wach geblieben ist. Der Song gehört zu den Momenten, in denen das Album seine dunkle Americana- und Gothic-Seite am reizvollsten ausspielt. Nicht der große Zusammenbruch, eher dieses gefährliche Nachsitzen der Seele, wenn die Nacht längst gewonnen hat und der Morgen keine Eile zeigt.
🎨 Artwork
Das Cover von October is Rising arbeitet nicht mit großer Symbolik, sondern mit einem einzelnen verlorenen Moment. Eine einsame Gestalt steht in einer braun-goldenen Weite, halb Straße, halb Nebelraum, während rechts eine dunkle Baum- oder Felsformation wie eine Wand aus Erinnerung ins Bild ragt. Unten rechts lauert ein kleines Wesen mit leuchtend grünen Augen im Schatten. Kein Dämonenaufmarsch, kein Gothic-Kerzenständer, kein Totenkopf mit Dienstplan. Nur Herbstlicht, Alleinsein und dieses eine unheimliche Detail, das den ganzen Raum kippen lässt.
Gerade das macht das Bild so passend. October is Rising ist kein Album, das seine Dunkelheit herumträgt wie einen schwarzen Ledermantel im Regen. Es lässt sie aus der Ecke schauen. Die warmen Sepia- und Brauntöne wirken zunächst fast tröstlich, aber darunter liegt eine Unruhe: Der Weg führt nicht wirklich irgendwohin, die Figur wirkt klein, und der Schatten rechts scheint mehr zu wissen als der Mensch in der Mitte.
Typografisch bleibt das Cover schlicht, fast altmodisch: großer heller Schriftzug, darunter der Albumtitel, keine metallische Überinszenierung. Das ist klug. Diese Musik braucht kein schweres Wappen. Sie braucht eine offene Fläche, eine Gestalt im Übergang und ein Tierauge im Dunkel. Mehr muss der Oktober gar nicht tun, um uns unangenehm nahe zu kommen.
🪦 Besondere Momente
Die Gästeliste ist lang, aber nicht der Hauptdarsteller:
Viele Gaststimmen können ein Album zerfasern. Hier wirkt die Vielzahl eher wie ein erzählerisches Mittel. Verschiedene Stimmen betreten denselben inneren Raum, aber der Grundton bleibt bei Winberg. Das ist wichtig, sonst wäre October is Rising schnell ein Sampler mit trauriger Tapete.
Doom ohne Doom-Riff:
Die Herkunft aus härteren, schwereren Zusammenhängen ist spürbar, aber nicht als Soundformel. Die Schwere steckt im Gewicht der Songs, nicht in der Verzerrung. Das ist die bessere Entscheidung. Ein Album wie dieses würde mit künstlich aufgesetzter Härte nur stolpern.
Rotwein, Veranda, Eule, Großvater:
Die Songtitel erzählen schon vor dem ersten Hören eine kleine Geistergeschichte des Alltags. Grandpa, Tree On That Hill, Dancing Slowly On the Porch, The Owl, The Letter: Das ist keine Fantasy im Drachenmantel, sondern eine private Mythologie aus Dingen, Orten und Erinnerungen. Genau deshalb passt es trotzdem zu uns.
📜 Hintergrund
Mirror of My Soul ist in Göteborg beheimatet und es handelt sich um das Solo-Projekt von Patrik Andersson Winberg, bekannt aus dem Umfeld von Dun Ringill, The Order of Israfel und Doomdogs. Statt die vertraute Bandlogik weiterzuschreiben, nutzt Winberg dieses Projekt für ein persönlicheres Format: dunkles Songwriting, Gothic-Stimmung, Hard-Rock-Schwere und erzählerische Intimität.
October is Rising erscheint über Majestic Mountain Records und umfasst dreizehn Songs, wobei mehrere Stücke digital-only verfügbar sind. Die Vinyl-Fassung kommt als limitierte 12″-Ausgabe auf transparent orange-braun-weiß marmoriertem Vinyl im Gatefold-Sleeve. Der musikalische Rahmen wird durch eine auffällig große Runde an Gästen erweitert, darunter Drummer Pete Campbell, Gitarrist Patric Grammann und mehrere Sänger, die den Songs jeweils eigene Farben geben.
Das Zentrum bleibt trotzdem Winberg selbst, der Bass, Keyboards und weitere Instrumente übernimmt. Gerade diese zentrale Steuerung verhindert, dass das Album auseinanderfällt. October is Rising wirkt nicht wie ein Kontrollverlust, sondern wie ein bewusst offenes Haus: Viele betreten es, aber einer kennt die knarrenden Dielen besonders gut.
🪓 Fazit: Der Oktober ist gekommen, um zu bleiben
October is Rising ist kein Album für den schnellen Effekt. Es muss nicht knallen, weil es nicht explodieren will. Es sickert. Es setzt sich an den Rand des Raumes, wartet, bis man die lauten Erwartungen ablegt, und beginnt dann mit dieser dunklen, halb erzählten, halb gesungenen Arbeit an den Rissen.
Das macht die Platte für uns beim Fantasykosmos interessant. Nicht wegen Drachen, Schwertern oder kosmischer Mythologie, sondern wegen ihrer kleinen privaten Geister. Dieses Album erzählt von Dingen, die im Haus bleiben, nachdem Menschen gegangen sind: Briefe, Bäume, Wein, Veranden, Stimmen, Herbstlicht. Genau daraus entsteht seine Dunkelheit.
Ganz ohne Risiko ist das nicht. Wer Pathos hasst, wird hier an einigen Stellen die Augenbraue heben. Wer bei Gastvokal-Alben grundsätzlich Fluchtgedanken bekommt, wird die offene Struktur nicht immer lieben. Aber wenn October is Rising trifft, dann nicht mit der Faust. Es trifft wie ein Satz, den jemand viel zu spät ausspricht.
Das ist keine Metal-Platte im engeren Sinn. Es ist ein Schattenalbum aus dem Metal-Umfeld. Und manchmal sind genau diese Randgänge spannender als der nächste Verstärkerstapel mit Totenkopfgarantie.

| Künstler: | Mirror of My Soul |
| Albumtitel: | October is Rising |
| Erscheinungsdatum: | 12. Juni 2026 |
| Genre: | Dark Singer-Songwriter, Gothic Rock, Hard Rock, Dark Folk |
| Label: | Majestic Mountain Records |
| Spielzeit: | ca. 55 Minuten |
🎬 Offizielles Video
Offizielles Video zu „October Is Rising“ – ein dunkler Songwriter-Gang durch Herbstlicht, Erinnerung und jene Sorte Schatten, die sich nicht vertreiben lässt. Bereitgestellt vom offiziellen Majestic Mountain Records-Channel auf YouTube:
👥 Besetzung
Patrik Andersson Winberg – Bass / Keyboards / weitere Instrumente / Songwriting
👥 Gäste und Beiträge
Pete Campbell – Schlagzeug
Tobbe Strandvik – Schlagzeug
Patric Grammann – Gitarre
Per Wiberg – Keyboards
Terry Slesser – Gesang
Richard Reynolds – Gesang
Andy Campbell – Gesang
Damon Collum – Gesang
Philip Lindgren – Gesang
Niklas Sjöberg – Gesang
Lovisa – Gesang
Songdog – Gesang
Tobias Jansson – Gesang
Niklas Börjesson – Gesang
Tony Jelenchovich – Gesang
📀 Trackliste:
The One Who Sings the Songs – 2:35
October Is Rising – 4:34
Carry Your Soul – 4:29
A Good Day to Die – 5:24
Mina Fotavtryck – 4:02
Lost In the Red Wine – 3:21
Grandpa – 4:21
Coyote – 5:15
Tree On That Hill – 4:30
The Letter – 4:33
Dancing Slowly On the Porch – 4:09
The Owl – 4:34
The Painter – 3:53
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