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C. G. Drews: Hazelthorn
📚 Kurzfazit
Hazelthorn ist düstere Young-Adult-Fantasy mit Gothic-Haus, Mordrätsel, queerem Slow Burn und einem Garten, der offenbar nie gelernt hat, sich zivilisiert zu benehmen. Kein großer Epos-Brocken, aber ein atmosphärisch starkes Buch mit eigener Giftmischung.
😒 Was nervt?
Der Roman arbeitet mit bekannten Gothic-Bausteinen: altes Anwesen, verschwiegene Familiengeschichte, verbotene Nähe, unheimliche Natur. Wer absolut neue Genre-Architektur erwartet, wird hier eher eine sehr hübsch überwucherte Wiederbelebung bekannter Motive finden.
✨ Was funktioniert?
Die Stimmung sitzt. Hazelthorn Manor wirkt wie ein Ort, an dem selbst die Tapeten etwas wissen, und der Garten ist nicht bloß Kulisse, sondern Bedrohung mit Blättern. Dazu kommt eine emotionale Spannung zwischen Evander und Laurie, die mehr trägt als der übliche Romantasy-Funkenflug.
🧠 Figuren und Welt
Evander ist eine starke Hauptfigur, weil er nicht als strahlender Erbe durch sein neues Vermögen stolziert, sondern als verunsicherter, beschädigter Junge durch ein Haus voller Regeln, Lügen und hungriger Botanik. Die Welt bleibt enger als bei epischer Fantasy, aber genau diese Enge macht den Druck aus.
🐦 Crowbah meint
Wer einen Garten erbt, sollte zuerst prüfen, ob er gegossen werden will oder einen Namen ins Familiengrab ritzt. Pflanzen sind selten vertrauenswürdig. Besonders nicht, wenn sie seltsam im Keller rascheln.
🌿 C. G. Drews: Hazelthorn – Ein Garten, der ordentlich Hunger hat und ein Erbe, das zurückbeißt
Manche Häuser sind einfach nur alte Kästen. Andere haben Gedächtnis, Schuld und Wurzeln, die zu tief reichen. Hazelthorn von C. G. Drews gehört eindeutig zur zweiten Sorte: ein gotisches Anwesen, ein verwilderter Garten, ein toter Vormund, zwei Jungen mit zu vielen Geheimnissen und eine Vergangenheit, die nicht begraben liegt, sondern weiterwächst. Das ist keine gemütliche Pflanzenfantasy mit ein bisschen Tau auf den Blättern. Das ist botanischer Horror mit Herzklopfen, Modergeruch und einer Romanze, die unter besseren Umständen vielleicht zart gewesen wäre, hier aber ständig von Dornen umlauert wird.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Evander lebt seit Jahren wie ein Schatten im riesigen Hazelthorn Manor. Sein Vormund Byron hat ihm strenge Regeln hinterlassen: bestimmte Türen bleiben geschlossen, bestimmte Orte werden gemieden, und dem Garten kommt man besser nicht zu nahe. Dann stirbt Byron plötzlich, und Evander erbt nicht nur ein Vermögen, sondern auch das ganze verfluchte Anwesen samt all seiner Geheimnisse. Der Tod wirkt verdächtig, und Evander ist überzeugt, dass mehr dahintersteckt als ein tragischer Zufall. Hilfe bekommt er ausgerechnet von Laurie, Byrons Enkel, der eigentlich zu den Menschen gehört, vor denen Evander sich fernhalten sollte. Während die beiden versuchen herauszufinden, was wirklich geschehen ist, wird Hazelthorn selbst immer unheimlicher. Moos, Pilze, Ranken und dunkle Räume scheinen nicht nur Spuren zu verbergen, sondern aktiv nach ihnen zu greifen. Aus einem Mordrätsel wird so eine Geschichte über Erbe, Missbrauch, Anderssein, verbotene Liebe und die Frage, was ein Mensch wird, wenn ihm jahrelang eingeredet wurde, er sei das eigentliche Monster. Der Garten wartet dabei nicht geduldig im Hintergrund. Er wächst. Und er hat Hunger.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
C. G. Drews schreibt mit einem starken Sinn für Bilder, Verfall und körperliches Unbehagen. Der Stil ist üppig, aber nicht nur hübsch. Blumen, Pilze, Moder, Wurzeln und morsches Gemäuer bekommen eine fast fleischliche Qualität. Genau das braucht botanischer Horror: Natur darf hier nicht niedlich rauschen, sie muss beunruhigen, wuchern und in den falschen Momenten zu nahe kommen. Besonders schön ist, dass der Roman nicht versucht, seine Gothic-Elemente ironisch zu entschärfen. Er nimmt das alte Haus, den geheimen Garten und die vernarbte Familiengeschichte ernst. Dadurch entsteht ein Ton, der zwischen Märchen, Spukroman und Body Horror pendelt, ohne völlig auseinanderzufallen.
🧍♂️ Figuren
Evander ist der emotionale Mittelpunkt des Romans, und das funktioniert. Er ist verletzlich, misstrauisch, sehnsüchtig und innerlich so sehr an Hazelthorn gebunden, dass jede neue Entdeckung zugleich Befreiung und Bedrohung ist. Laurie bringt eine andere Energie hinein: mehr Außenwelt, mehr Widerstand, mehr Reibung. Die Beziehung der beiden lebt nicht davon, dass sie möglichst schnell hübsch brennt, sondern davon, dass sie unter Druck entsteht. Das ist deutlich interessanter als viele glatte Romantasy-Duette, bei denen zwei Figuren nach drei Blicken schon klingen, als hätten sie ihre gemeinsame Fanfiction gelesen. Kleinere Schwäche: Manche Nebenfiguren bleiben stärker Funktion als Fleisch. Aber Evander, Laurie und das Anwesen selbst tragen genug, um diesen Mangel weitgehend aufzufangen.
🕒 Tempo und Aufbau
Hazelthorn setzt eher auf langsames Kriechen als auf Sprint. Das passt grundsätzlich hervorragend zum Stoff. Ein Garten überwältigt einen schließlich nicht wie ein Drache im Sturzflug, sondern indem er langsam Wände verschluckt, Wege verändert und irgendwann so tut, als sei er schon immer da gewesen. Trotzdem gibt es Stellen, an denen die Geschichte ein wenig stärker hätte zupacken dürfen. Das Mordrätsel hält den Roman zusammen, aber die eigentliche Kraft liegt klar in Atmosphäre und Figurenwunde. Wer einen scharf getakteten Thriller erwartet, könnte zwischendurch ungeduldig werden. Wer dagegen Lust auf Gothic-Sog hat, bekommt genau die Sorte Buch, bei der man nicht durch die Handlung rennt, sondern durch feuchte Flure tastet.
✨ Atmosphäre und Welt
Das ist die große Stärke des Romans. Hazelthorn Manor ist kein austauschbarer Schauplatz, sondern ein lebender Albtraum aus Holz, Stein, Erde und Schweigen. Der Garten wirkt wie eine Mischung aus Sehnsuchtsort und Verdauungsorgan. Gerade dieser Widerspruch macht das Buch stark: Schönheit und Gefahr liegen hier nicht nebeneinander, sondern wachsen aus derselben Wurzel. Die Nähe zu klassischen Gothic-Motiven ist offensichtlich, aber Drews gibt dem Ganzen einen moderneren, schmerzhafteren Kern. Es geht nicht nur um ein Spukhaus. Es geht um Menschen, denen ein Zuhause versprochen wurde und die stattdessen in einem System aus Regeln, Angst und Verschweigen aufwachen. Diese Atmosphäre bleibt hängen. Sie ist dunkel, romantisch, giftig und an den besten Stellen wirklich unangenehm.
📜 Fazit:
Hazelthorn ist kein Roman, der das Gothic-Rad neu aus Holz schnitzt und mit Blut düngt. Aber er weiß sehr genau, warum dieses Rad noch immer rollt. C. G. Drews verbindet altes Anwesen, Familiengeheimnis, queere Liebesgeschichte und botanischen Horror zu einem Buch, das mehr kann als hübsch finster aussehen. Die stärksten Momente entstehen dort, wo der Garten nicht nur Monsterkulisse ist, sondern Spiegel für alles, was Evander über sich selbst fürchten gelernt hat. Ein paar Nebenfiguren hätten mehr Tiefe verdient, und das Tempo bleibt bewusst moorig. Doch die Stimmung, die zentrale Beziehung und die Bildkraft tragen den Roman sicher durch seine überwucherten Flure. Für uns ist das kein absoluter Pflichtmonolith, aber ein bemerkenswerter Release: düster, eigenwillig genug und deutlich besser als der nächste Farbschnitt-Aufstand mit Kronenstaub. Kann man definitiv nehmen, aber bitte Abstand zu den Beeten halten.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★★☆
„Ein giftig schöner Gothic-Garten, der nicht blüht, um zu gefallen, sondern um dich näher an die Erde zu ziehen.“

Autor: C. G. Drews
Titel: Hazelthorn
Verlag: Fischer Sauerländer
Übersetzung: Britta Keil
Seitenanzahl: 400 Seiten, gebundene Ausgabe
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-7373-7572-6
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