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🏛️ The Daily Meme #092 – Bastelarbeiten aus der Ork-Vorschule – Mein schönes Dorf am Lavabach


Boneys Logbuch-Eintrag
Position: Gruppenraum 3 der Ork-Vorschule Krachfelshain, Abteilung Schneiden, Kleben, frühe Belagerungskunde.
Wetter: Drinnen trocken, draußen egal, in der Luft feiner Bastelleim und jener stille Ernst, mit dem kleine Orks Häuser ausschneiden, die bereits beim Aufkleben nach Steuerflucht und Wehrturm aussehen.
Lagebericht:
Willkommen zur ersten Ausgabe von „Bastelarbeiten aus der Ork-Vorschule“, unserer neuen Bildungsreihe, für die wir in einem Moment besonderer Umnachtung eine Patenschaft übernommen haben und nun zusehen dürfen, was passiert, wenn frühkindliche Kreativität auf rostige Scheren, Tonpapier und eine kulturell tief verankerte Liebe zu Lava trifft.
Unser heutiges Werk trägt den inoffiziellen Titel:
„Mein schönes Dorf am Lavabach“
Und wir müssen sagen:
Es ist rührend.
Auf eine sehr alarmierende Weise.
Schon der erste Eindruck verrät die Hand junger Talente. Da sind die Berge, sauber geschichtet wie in jedem guten Landschaftsbild, allerdings mit Kanten, die eher an Hauzähne als an Alpenromantik erinnern. Da sind die Häuschen, klein, schief und von jener rustikalen Gemütlichkeit, bei der man sofort ahnt, dass hinter mindestens einer Tür ein Stammbeil lehnt.
Besonders schön ist der Fluss.
Andere Kinder basteln Wasser.
Diese hier basteln offenbar flüssige Endzeit.
Der schwarze Strom mit glutroten Rissen zieht sich mit großem Ernst durchs Bild, als sei es das Normalste der Welt, dass man sein Dorf zwischen Papierbergen, Festung und Schmelzrinne anlegt. Dazu kommt eine Brücke, die tapfer übers Nichts führt, ein paar Monster-Silhouetten am Himmel und eine Burg, deren Tor so klein geraten ist, dass vermutlich nicht einmal der Hausgoblin bequem hindurchkäme.
Heutige Bastelarbeit
Im Vordergrund sehen wir zwei kleine Figuren auf Wanderschaft.
Die eine trägt eine Axt.
Die andere eine Schädel-Laterne und einen Beutel mit Reisevorräten oder Beutegut, was in diesem Alter noch nicht sauber getrennt wird.
Gerade diese liebevollen Details machen das Werk so stark. Es zeigt, dass wir es nicht mit bloßer Dunkelmalerei zu tun haben, sondern mit echter kindlicher Welterfassung. Die jungen Künstler wollten ganz offenkundig eine friedliche Heimatlandschaft darstellen. Sie haben an Häuser gedacht, an Berge, an Bäume, an einen Weg und an den Mond.
Nur ist ihre Vorstellung von Geborgenheit leider jene Gegend, in der ein Dämon überm Tal schwebt und niemand das weiter kommentiert.
Auch handwerklich überzeugt das Stück. Die Risse im Papier, die schiefen Kanten, die leicht zusammengesackten Ebenen und die kleinen Ungenauigkeiten verleihen dem Ganzen eine wunderbare Echtheit. Nichts daran wirkt geschniegelt oder geschniegelt-ähnlich, sondern ehrlich, roh und mit der lauernden Unruhe eines Projektnachmittags vollendet, bei dem jeder am Basteltisch mindestens einmal niedergebrüllt wurde.
Boneys Urteil
Diese Arbeit ist kein simples Kinderbild.
Sie ist ein Fenster in eine Welt, in der man schon im Vorschulalter lernt, dass Landschaft stets auch Verteidigungslage ist.
Und genau deshalb hat sie Herz.
Wir sehen hier keine bloße Parodie auf Idylle, sondern eine völlig aufrichtige orkische Version davon: ein Zuhause mit Aussicht, Wehrhaftigkeit, überschaubarem Monsterbesatz und einem Lavastrom, der vermutlich im Winter ganz hervorragend wärmt.
Unsere Patenschaft war also richtig.
Diese Kinder brauchen Förderung.
Und wir nehmen beim nächsten Besuch sicherheitshalber eine Armbrust mit.
Abschließende Notiz an alle Förderfreunde der frühkindlichen Fantasy-Kultur:
Wer wissen will, wie Ork-Kinder die Welt sehen, sollte ihnen nicht zuhören.
Man sollte ihnen Schere, Papier und zwanzig Minuten Ruhe geben.
Dann bekommt man keine Blumenwiese.
Man bekommt dies.
Und das ist, wenn wir ehrlich sind, doch bedrohlich schöner.
Morgen wiederkommen.
Dann betrachten wir vielleicht „Mein erstes Haustier“, jene liebevolle Collage, bei der drei Wollfäden, zwei Knöpfe und ein Milchkarton zu einem niedlichen Höhlenhund zusammengefunden haben.



