The Daily Meme #086 – Flora und Fauna der Zwischenreiche: Der Mauerzipfer

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The Daily Meme. Boney Jones präsentiert die schrägsten Fantasy Memes. Untoter Pirat Cartoon steht für THE DAILY MEME Logo.

🏛️ The Daily Meme #086 – Flora und Fauna der Zwischenreiche: Der Mauerzipfer

Makroartiges Fantasy-Naturfoto im Hochformat: Ein blasser Mauerzipfer mit feuchter Kalkhaut, riesigen schwarzen Augen, langer Zunge und knochigen Krallen lugt aus einer rissigen Wandöffnung. Die nasse, bröckelige Mauer und die dunkle Kellerstimmung lassen die Szene wie einen unheimlichen Naturfund wirken. Unten rechts Signatur: fantasykosmos.de.
Boney Jones an seinem Schreibtisch. Hier schreibt er sein Meme Logbuch.

Boneys Logbuch-Eintrag

Position: Unteres Mauerwerk eines halb verfallenen Hauses zwischen Bröselmark, Schimmelstieg und jener Gasse, in der selbst der Putz aussieht, als verberge er schwerwiegende Geheimnisse.

Wetter: Kühl, klamm, tropfend. Also beste Bedingungen für durchfeuchtendes Mauerwerk.


Heutiges Exemplar:

Willkommen zurück zu „Flora und Fauna der Zwischenreiche“, jener Bildungsreihe, in der wir uns mit Kreaturen befassen, die beweisen, dass im Zwischenreich selbst Wände keine sichere Sache sind.

Unser heutiges Exemplar ist ein Mauerzipfer.
Die Gelehrten nennen ihn Parietolingua calcivora clandestina.

Das bedeutet frei übersetzt:
„Blassböser Kalklecker aus der Ruine.“

Schon auf den ersten Blick erkennt man, dass dieses Tier nicht aus der ehrbaren Familie der Waldbewohner stammt. Es gehört zur deutlich unbeliebteren Gruppe jener Wesen, die sich sich durch feuchte Lebensumstände, Liebe zur Dunkelheit und einem bedauerlichen Mangel an Charakter auszeichen.

Der Mauerzipfer ist bleich wie Kellerlicht, glatt wie alter Schneckenschleim und schaut mit zwei schwarzen Murmelaugen in die Welt, als prüfe er gerade, ob man sich jemand findet, der sich beißen oder zumindest verachten lässt.

Und damit sind wir bei seinem wichtigsten Werkzeug: der Zunge.

Die ist lang, rosig, triefend und ständig in Bewegung. Der Mauerzipfer schmeckt seine Umwelt. Kalk, Spinnen, Asseln, Schimmel, Insekten, Mörtelreste und alles, was in einem alten Gemäuer sonst anfällt und eine potentielle Mahlzeit abgeben könnte.

Sein Lebensprinzip ist einfach:

Alles, was kriecht, wird angeleckt.
Alles, was fault, wird sofort verschluckt.
Alles, was sich zu nah an die Wand lehnt, ist bereits verloren.

Das hier dokumentierte Tier wurde in einer Wandöffnung beobachtet, halb verborgen im Mauerwerk, halb genervt schleimzüngelnd, ganz von ungeheurem Appetit durchdrungen.

Auffällig sind auch seine Finger: lang, knochig, hakenartig. Genau die Sorte Greifwerkzeug, die man nicht an seiner eigenen Kellerwand sehen möchte, wenn man diese gerade nach potentiellen Schadstellen abtastet.

Die Zähne wiederum sind klein, spitz und zahlreich genug, um klarzustellen: Dieses Tier lebt nicht vom Wohlwollen anderer. Es lebt vom Beharren, vom Raspeln, vom Ausreißen und vom Sammeln unvorsichtiger Gliedmaßen. Und es nagt sich durch die Welt wie Nässe durch schlechten Putz.


Boneys Urteil

Der Mauerzipfer ist kein gutmütiger Wächter des Hauses.
Und gewiss kein poetischer Kellergeist.
Als potentiell harmloser Spaltenlurch ist er eine totale Fehlbesetzung.

Er ist vielmehr das, was entsteht, wenn Kalk, Feuchte und dumpfer Finstergroll lange genug unbeaufsichtigt in derselben Wand wohnen.

Mit anderen Worten:
ein Wandproblem mit Zunge und Zähnen.

Und natürlich gehört er damit in diese Reihe.

Denn die Zwischenreiche bestehen nicht nur aus Drachen und großen Katastrophen. Sie bestehen auch aus diesen kleineren, handlichen Bosheiten, die vielleicht nicht für den Fall von Königreichen sorgen, aber durchaus für dem Wegfall tragender Wände in Burgkellern.


Abschließende Notiz an euch Altbau-Anhimmler:

Wenn ihr demnächst aus einer bröckeligen Wand ein feuchtes Schmatzen hört, dann denkt bitte an unsere Worte:

Nicht jede Wand ist bloß Wand.
Manche sind einfach günstige Einliegerwohnungen für Getier aus dem Zwischenreich.

Und wenn sich aus dem Putz dann ein bleiches Gesicht mit Hakenfingern und einer Zunge schiebt, die aussieht wie ein beleidigter Kellerfrosch mit manischen Depressionen, dann verzichtet bitte auf Mut, Besenstiele und dieses dumme Vorbeugen, mit dem Menschen seit Jahrhunderten beweisen, dass Neugier in dieser Welt keine verlässliche Überlebensstrategie ist.

Der Mauerzipfer kennt keine Höflichkeit.
Nur Spalten, Schleimzunge und Besitzansprüche mit Reibeisenzähnen.

Morgen wiederkommen.
Dann widmen wir uns vielleicht dem Brunnenschieler, jenem glitschigen Hofwasserbewohner, der aussieht wie ein häufig ertränkter Gedanke mit Stielaugen und Vampirzähnen.

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