Ethereal Darkness – Echoes (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Ethereal Darkness – Echoes

🧿 Kurzfazit
Echoes ist ein starkes, trauriges und erstaunlich reifes Melodic-Death-Doom-Album, das aus seiner Länge kein Prestigeproblem macht, sondern meist echte Größe gewinnt. Zwei Songs hätten etwas straffer sein dürfen, aber das ändert nichts daran, dass hier ein sehr beeindruckendes Werk steht.

🎯 Für wen?
Für Fans, die Insomnium, Be’lakor, Before the Dawn, Black Sun Aeon oder die melancholischere Seite von Amorphis lieben, aber mehr Weite, mehr Winterluft und mehr existenzielles Gewicht wollen.

🎧 Wie klingt das?
Gewaltige Melodic-Death-Doom-Wellen mit viel Atmosphäre, punktgenau gesetzten Black-Metal-Schüben, tiefen Growls, starken Klargesängen und einer Produktion, die groß und schwer klingt, ohne alles in Watte zu packen.

💿 Highlights
Gone With The Tide, The Cycle, On The Edge Of The Cliff

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei Songs jenseits der Acht-Minuten-Marke schon nervös auf die Uhr schielst oder Melancholie im Metal nur in homöopathischen Dosen erträgst.


Sechs Jahre lang war es still um Ethereal Darkness. Das Debüt Smoke and Shadows erschien 2019 noch als Werk eines belgischen Ein-Mann-Projekts. Mit Echoes kehrt Lars nun nicht bloß zurück, sondern macht aus dem alten Schattenwesen eine vollwertige Band. Das zweite Album erschien am 20. März 2026 in Eigenregie, läuft knapp 60 Minuten, umfasst sechs lange Stücke, wurde von Dan Swanö gemischt und gemastert und trägt ein Cover des mittlerweile schon fast legendären Adam Burke. Schon auf dem Papier ist das kein kleiner Nachschlag, sondern ein bewusst groß gedachtes Statement.

Noch besser ist die eigentliche Nachricht: Echoes klingt auch genau so. Das Album nimmt die melancholische, atmosphärische Melodic-Death-Doom-Basis des Debüts und zieht daraus etwas deutlich Größeres, Breiteres und Selbstbewussteres. Hier will niemand mit drei netten Riffs und etwas Herbstnebel durchkommen. Ethereal Darkness bauen Kathedralen aus Trauer, Fernweh und eisiger Melodie. Und meistens stehen diese Kathedralen sehr stabil.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Melodic Death-Doom Metal mit deutlichen Black-Metal– und Doom-Metal-Einflüssen.
Vergleichbar mit: einer Kreuzung aus Insomnium, Be’lakor und Black Sun Aeon, nur mit etwas mehr Frost in den Knochen und etwas weniger Drang zum sofortigen Refrainfeuerwerk.
Klangfarbe: Das ist Musik für schneeverwehte Bergrücken, dunkle Tannenlinien und jene innere Müdigkeit, die nicht mehr nach Drama klingt, sondern nach Wahrheit. Die Gitarren tragen viel melodische Last, die Keyboards bleiben wohltuend im Hintergrund, die Growls drücken mit Gewicht, und wenn die cleanen Gesänge auftauchen, wirken sie nicht wie Dekoration, sondern wie der menschliche Rest in einer sonst ziemlich monumentalen Klanglandschaft. Die Platte ist groß, aber nicht pompös. Schwer, aber nicht stumpf. Traurig, aber nicht kraftlos.

Highlights

Gone With The Tide
Einen Zehn-Minuten-Opener muss man sich erstmal trauen. Ethereal Darkness tun genau das und wirken dabei nicht übermütig, sondern vollkommen im Recht. Gone With The Tide ist sofort ein Statement: weit ausgreifende Melodien, ordentlich Gewicht auf den Gitarren, harte Growls, starke Spannungsbögen und dazwischen diese herrliche Bewegung aus Melodic Death, Doom und kurzen Black-Metal-Eruptionen. Der Song wirkt wie eine vereiste Gebirgskette, in der hinter jeder Flanke noch eine weitere auftaucht. Genau so eröffnet man ein Album, das ernst genommen werden will.

The Cycle
Hier sitzt die Balance zwischen Eingängigkeit und Tiefe besonders gut. Das Stück hat genug Zug, um sofort hängen zu bleiben, verweigert sich aber jeder billigen Abkürzung. Stattdessen baut es Schicht um Schicht auf: Melodie, Druck, Weite, Rückzug, erneuter Anlauf. Genau dieses Kreisen, dieses Vorwärtskommen im traurigen Kreis, macht den Song so stark. Das offizielle Video dazu war als Vorbote bestens gewählt, weil es ziemlich genau die Essenz des Albums trifft.

On The Edge Of The Cliff
Der Titel verrät schon, worum es geht: Hier wird nicht mehr bloß melancholisch auf die Landschaft geschaut, hier kippt das Ding in echten Abgrundsdruck. Der Song schiebt aggressiver nach vorn, verbindet Black-Metal-Schärfe mit melodischem Death-Doom und entwickelt dabei fast schon eine heroische Wucht, ohne jemals ins Kitschige zu rutschen. Gerade weil die Band auf dem Album oft den langen Atem sucht, wirkt diese Nummer wie ein gezielter Tritt gegen die Rippen. Genau richtig.


🎨 Artwork

Das Cover ist ein Volltreffer. Adam Burke malt hier keinen beliebigen Metal-Hintergrund, sondern eine Landschaft, die schon vor dem ersten Ton nach kalter Einsamkeit und erhabener Gefahr aussieht. Im Zentrum ragt ein dunkler, schroffer Berg wie ein gewaltiger Pfeiler in einen rotvioletten Kosmos. Darunter stürzen Nebel und Wasser über kahle Felsen, als würde die ganze Welt an dieser Stelle langsam ausfransen. Das Bandlogo sitzt tief im Bild, fast demütig, als wolle es sagen: Schau erst auf diese gottverlassene Szenerie, dann reden wir über Namen.

Das Entscheidende ist aber die Stimmung. Dieses Cover macht nicht auf martialisch. Es wirkt eher wie das Bild einer Erkenntnis, die zu groß ist, um angenehm zu sein. Genau deshalb passt es so gut zu Echoes. Die Musik arbeitet ebenfalls mit Größe, Einsamkeit und dem Gefühl, dass irgendwo hinter all dem Nebel etwas auf dich wartet, das weder freundlich noch völlig hoffnungslos ist. Dass Adam Burke die Grafik beigesteuert hat, steht dem Album sehr gut.


🪦 Besondere Momente

Die größte Stärke von Echoes ist nicht bloß die Atmosphäre, sondern die Disziplin, mit der es aufgebaut wird. Viele Bands dieser Art kleistern ihre Musik mit Keyboards, Hall und dekorativer Schwermut zu, bis alles nach nasser Tempelwand klingt. Etheral Darkness machen das klüger. Die Tasten bleiben meist im Hintergrund und vergrößern den Raum, statt ihn zuzuschmieren. Gerade deshalb wirken die Gitarrenlinien so stark. Lars versteht, dass Melancholie in diesem Genre nicht aus flächigem Nebel entsteht, sondern aus Spannung zwischen Schwere und Melodie.

Ebenso wichtig ist der Schritt vom Projekt zur Band. Auf dem Debüt gab es noch programmierte Drums, jetzt sitzt mit Peter ein echter Schlagzeuger hinter dem Kit, dazu kommen Brecht an Gitarre und Clean Vocals, Zjesse Van Hool an der zweiten Gitarre und Michal Hrabovsky am Bass. Das hört man. Die Musik atmet tiefer, hat mehr Körper, mehr Zug nach vorn und vor allem mehr Gewicht in den Übergängen. Aus einer sehr guten Idee ist hörbar ein echtes Bandgefüge geworden.

Der einzige echte Haken ist die Länge einzelner Stücke. IV und vor allem Realization haben viele starke Momente, aber das Album verlangt dem Hörer gegen Ende einiges an Konzentration ab. Das ist kein Totalschaden, eher ein Luxusproblem. Doch ein paar Minuten weniger hätten dem letzten Drittel spürbar geholfen. Größe ist schön. Straffung manchmal auch.

📜 Hintergrund

Etheral Darkness stammen aus Brüssel und existieren seit 2018. Anfangs war das Ganze im Kern das Werk von Lars, der Gitarren, Bass, Keyboards und Vocals selbst trug. Inzwischen ist daraus eine vollwertige Band geworden, die neben Lars aus Peter, Brecht, Zjesse Van Hool und Michal Hrabovsky besteht. Offiziell bleibt die Truppe weiterhin unabhängig, was dieses Album fast noch eindrucksvoller macht. Denn Echoes klingt nicht wie eine tapfere Underground-Produktion, sondern wie ein Album, das sich vor deutlich größeren Namen des Genres nicht verstecken muss. Ganz im Gegenteil.

Spannend ist auch die Entwicklung seit dem Debüt. Die offizielle Bandcamp-Diskografie zeigt zwischen Smoke and Shadows von 2019 und dem neuen Album bereits die Vorboten The Cycle und On The Edge Of The Cliff. Man hört also keinen plötzlichen Stilbruch, sondern einen langsam vorbereiteten Ausbau. Echoes ist nicht deshalb so überzeugend, weil hier alles neu wäre. Es ist überzeugend, weil die Band genau verstanden hat, was an ihrem Sound tragfähig ist, und dieses Fundament nun deutlich größer ausbaut.

🪓 Fazit: Ein Gebirge aus Melancholie, das fast zu groß ist und gerade deshalb hängenbleibt

Echoes ist ein verdammt gutes Album. Vielleicht sogar mehr als das. Es ist eines jener Werke, bei denen man nach wenigen Songs merkt, dass hier nicht einfach ein paar Genre-Zutaten sauber zusammengekocht wurden, sondern dass jemand wirklich etwas ausdrücken will. Diese Platte hat Weite, Gewicht, Ernst und melodische Klasse. Sie kann trösten, ohne weich zu werden, und sie kann drücken, ohne stumpf zu sein.

Nicht alles sitzt perfekt. Das Album ist lang, dicht und gegen Ende fast ein wenig zu selbstvergessen. Aber selbst diese kleine Überdehnung wirkt eher wie der Fehler einer ambitionierten Band und nicht wie die Schwäche einer mittelmäßigen. Und das ist ein himmelweiter Unterschied.

Wer ein Herz für melancholischen, atmosphärischen Melodic-Death-Doom besitzt ist, sollte Echoes hören. Das hier ist kein hübscher Geheimtipp mit Bonus-Nebel. Das ist ein ernstzunehmendes, großes Album. Und darum bekommt es von uns auch einen großen Applaus.

Albumcover von Hellripper – Coronach: geisterhafte, gehörnte Gestalt über einer kalten Hochlandlandschaft mit Trauerzug im Vordergrund.
Künstler:Ethereal Darkness
Albumtitel:Echoes
Erscheinungsdatum:20. März 2026
Genre:Melodic Death-Doom Metal, Black Metal, Doom Metal
Label:Independent / Eigenveröffentlichung
Spielzeit:ca. 60 Minuten

Trackliste:

Gone With The Tide
The Cycle
Winter
IV
On The Edge Of The Cliff
Realization

Offizielles Video

Offizielles Video zu „The Cycle“ – ein melancholischer, weit ausgreifender Brocken zwischen Frostluft, innerem Kreislauf und gewaltiger Melodic-Death-Doom-Dramatik. Bereitgestellt vom offiziellen Ethereal Darkness-Kanal auf YouTube:

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