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Dunk & Egg vs. Heisenberg
📰 Was ist los?
Das Finale von A Knight of the Seven Kingdoms beschließt eine emotional starke erste Staffel, die Kritiker wie Publikum überzeugt und HBO Quoten um die 13 Millionen pro Folge beschert. Parallel liefern sich Teile des Game-of-Thrones– und Breaking-Bad-Fandoms auf IMDb einen Review-Krieg: Folge 5 des Spin-offs rutscht von 9,9 nach unten, „Ozymandias“ verliert nach 13 Jahren seine perfekte 10,0, weitere Episoden beider Serien werden mit 1-Stern-Bewertungen überzogen.
🐛 Was denken wir?
Das ist die vielleicht langweiligste Form von Fandom-Eskalation: Zwei Serien, die eigentlich problemlos nebeneinander als TV-Gipfel stehen könnten, werden auf eine künstliche Rangliste reduziert, die sowieso nichts über das Erzählen sagt. Wer wissen will, ob „The Morrow“ gut ist, sieht das nicht an der dritten Nachkommastelle, sondern daran, dass Dunk und Egg am Ende der Folge wortlos losreiten und man sich ertappt, wie man großen Fantasy-Kitsch ganz leise vermisst.
🐉 Trotz Top-Finale: A Knight of the Seven Kingdoms in IMDb-Schlammschlacht um den Serienthron
Das erste Abenteuer von Ser Duncan „Dunk“ der Große und Egg ist erzählt: Mit Folge 6 „The Morrow“ / „Der Morgen“ beendet HBO die erste Staffel von A Knight of the Seven Kingdoms, ruhig, melancholisch und erstaunlich nah an der Vorlage The Hedge Knight. Der Abschluss konzentriert sich weniger auf Spektakel als auf Schuld, Trauer und den Moment, in dem aus einem herumirrenden Heckenritter und einem verkleideten Prinzen tatsächlich ein Duo mit Zukunft wird.
Kritik und Publikum nehmen das Spin-off ausgesprochen freundlich auf: Auf Rotten Tomatoes liegt die Staffel bei rund 93 % Zustimmung, im Schnitt schalten in den USA knapp 13 Millionen Zuschauer pro Episode ein. Damit gehören Dunk & Egg zu den stärksten Neustarts im aktuellen HBO-Portfolio. Ausgerechnet das Finale und die davor liegende Spitzenfolge bekommen auf IMDb aber gerade nicht die Kurve, die sie verdient hätten, weil sich zwei Fandoms in einen Zahlenkrieg verrannt haben.
⚔️ Ein Finale zwischen Schuld, Abschied und Aufbruch
Inhaltlich macht die letzte Folge fast alles richtig, was man sich nach dem etwas zu glatten Game-of-Thrones-Ende gewünscht hatte:
- Dunk ringt mit der Frage, warum ausgerechnet er überlebt, während Baelor Targaryen für ihn stirbt.
- Maekar taumelt zwischen Schuld und Pflichtbewusstsein, weil seine Entscheidungen die Katastrophe erst ausgelöst haben.
- Egg wird nicht als zukünftiger König verklärt, sondern als Kind gezeigt, das begreift, was es heißt, freiwillig aus der Komfortzone der Dynastie in die Hecken zu ziehen.
Die Inszenierung bleibt bewusst klein: Statt noch ein Turnier oder eine Hinrichtungsarena aus dem Boden zu stampfen, folgt die Kamera langen Gesprächen, Blicken und Entscheidungen. Dunk schlägt Angebote aus, nimmt Egg aus eigenen Gründen an sich und verabschiedet sich am Ende von seinem toten Mentor Ser Arlan, bevor beide aufbrechen, als Heckenritter und Knappe, irgendwo zwischen Mythos und Landstraße.
Kurz gesagt: Es ist genau die Sorte „leises“ Fantasyfinale, die im Gedächtnis bleibt, weil Figuren wachsen, statt dass nur noch einmal das Budget explodiert. Würde man nur die inhaltliche Qualität betrachten, könnte man sich entspannt auf Staffel 2 (geplant für 2027) freuen und die Sache abhaken.
💣 Ozymandias vs. „Im Namen der Mutter“: Wie aus Ratings eine Blutfehde wurde
Stattdessen tobt seit einigen Tagen ein absurder Bewertungs-Krieg auf IMDb:
- Auslöser war Episode 5 von A Knight of the Seven Kingdoms, „In the Name of the Mother“, die sich mit einem Score von 9,9/10 plötzlich in die Nähe von „Ozymandias“, der legendären Breaking Bad-Folge, schob.
- „Ozymandias“ hielt über 13 Jahre als einzige TV-Episode einen perfekten 10,0-Wert – Mythos inklusive.
- Einige besonders ehrgeizige Breaking Bad-Fans wollten den Thron verteidigen und begannen, Dunk-&-Egg-Folgen – vor allem eben „In the Name of the Mother“ – massenhaft mit 1-Stern-Bewertungen zu fluten.
- Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Teile des Thrones-Fandoms zogen auf die andere Seite und bombardierten „Ozymandias“ mit Gegenwertungen, sodass die Folge erstmals seit ihrem Erscheinen auf 9,9 rutschte und in der IMDb-Bestenliste nach hinten durchgereicht wurde.
Mittlerweile sind mehrere Episoden beider Serien betroffen, und die aktuelle Bewertung von Finale „The Morrow“ (Stand: hohe Acht, Tendenz flackernd) sagt mehr über gekränkte Egos aus als über die Qualität der Folge selbst. Wer versucht, spontan ein Stimmungsbild zu bekommen, schaut auf eine Schlachtfeld-Grafik: Sterne, die springen, Kommentarspalten, die eher wie Kriegsberichte lesen, und eine Topliste, die sich plötzlich wie eine Laune des Tages anfühlt.
📊 Wenn Bewertungen zum Rollenspiel werden
Der ganze Konflikt illustriert ziemlich schön, wie brüchig das Versprechen von „objektiven Community-Ratings“ ist, sobald Serien nicht mehr nur geschaut, sondern veridmet werden:
- Zahlen werden zu Fahnen, die man verteidigt.
- Sterne wandern nicht nach oben oder unten, weil Staffeln schwanken, sondern weil sich Communities gegenseitig „eine Lektion erteilen“ wollen.
- Gleichzeitig sind ausgerechnet die Episoden im Fadenkreuz, die inhaltlich eigentlich das Gegenteil transportieren: Schuld, Verantwortung, Trauerarbeit und die Frage, wie man mit Macht umgeht, ohne alles niederzubrennen.
Für A Knight of the Seven Kingdoms ist das doppelt schade: Einerseits, weil das Finale tatsächlich ein selten rundes Stück Fantasy-Erzählkunst liefert. Andererseits, weil das Spin-off für viele Zuschauer:innen Wiedergutmachung nach dem zerstückelten Thrones-Ende ist und sich jetzt trotzdem in den gleichen Meme-Schlachten wiederfindet wie der Rest der Popkultur.



