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Nytt Land – Aba Khan
🧿 Kurzfazit
Mit ihrem zehnten Album Aba Khan kehren Nytt Land zur rituellen Dark-Folk-Form von Ritual zurück. Diesmal stärker in Sibirien verwurzelt, weniger Wikinger-Deko, mehr Taiga-Nebel. Das Ergebnis ist ein hypnotisches, stellenweise etwas monotones, aber insgesamt stimmiges Trance-Album für Leute, die ihre Spiritualität lieber trommeln als twittern.
🎯 Für wen?
Für Fans von Wardruna, Heilung, SKÁLD & Co., die sich eine Version wünschen, bei der nicht alles nach einem Prospekt des norwegischen Tourismusministeriums klingt, sondern deutlich nach sibirischer Steppe, alten Clans und Zugfenster bei Nacht.
🎧 Wie klingt das?
Ritual Dark Folk mit viel Rahmentrommel, Maultrommel, Talharpa, Flöten und Kehlkopfgesang; dazu tiefe, mantraartige Vocals, Chants in Sprachen indigener sibirischer Völker und Altnordisch, wobei das Gewicht klar Richtung Heimat kippt. Elektronische Elemente bleiben dezent – wichtiger sind Puls, Atem und Hall.
💿 Highlights
Aba Khan, Taiga, Totem, Mansi, Tygir Tayii (Heavenly Sacrifice)
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du nach der dritten Rahmentrommel-Schicht unruhig wirst, von Musik „Song-Strukturen“ erwartest oder auf schamanistische Konzepttexte allergisch reagierst.
🕯️ Nytt Land – Aba Khan: Schamanische Nachtfahrt zwischen Taiga und Trance
Das sibirische Ehepaar Natalya und Anatoly Pakhalenko veröffentlicht seit 2013 unter dem Namen Nytt Land rituellen Dark Folk, anfangs stark von nordischer Mythologie inspiriert, später zunehmend von der eigenen Heimat.
Mit Aba Khan (Prophecy Productions) legen sie Album Nummer zehn vor und knüpfen explizit an Ritual (2021) an: ritueller Folk als Ausgangspunkt, angereichert mit Einflüssen indigener Traditionen aus Westsibirien. Zwischenzeitlich war man mit Songs of the Shaman deutlich strikter in Richtung „Fachseminar für Ethnologie“ abgebogen, Aba Khan wählt wieder die zugänglichere Variante: weniger Lehrstunde, mehr Trance-Drama.
Der Clou: Die Platte basiert auf einem Jahr Reise quer durch Sibirien, Begegnungen mit indigenen Gruppen, deren spirituellen Praktiken und Liedern, alles übersetzt in Nytt Lands eigene Klangsprache.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Ritual Dark Folk, Nordic/Siberian Folk, Schamanic Ambient
Vergleichbar mit: Lagerfeuer im Permafrost, Sternenhimmel, irgendwo schlägt jemand eine Trommel, die seit Jahrhunderten denselben Rhythmus kennt
Klangfarbe: Indigene sibirische Idiome & Altnordisch, mit deutlichem Schwerpunkt auf ersteren, eine bewusste Verschiebung weg vom „Standard-Nordic-Folk“ hin zur eigenen Herkunft.
Die Songs sind weniger „Lieder“ im klassischen Sinn als verschachtelte Rituale: lange Wiederholungen, Call-&-Response-Chants, simple, aber eindringliche Melodien, viel Hall, wenig Harmonie-Wechsel. Wer im Kopf noch im Metal-Schema „Strophe – Refrain – Solo“ unterwegs ist, braucht ein bisschen Eingewöhnungszeit.
✨ Highlights
Aba Khan
Der Titeltrack ist eher Beschwörung als Song: reduzierte Percussion, tiefe Rezitation, leise Klangfarben im Hintergrund. Ein Einstieg wie eine Türschwelle. Hier geht es nicht um Hooks, sondern darum, den Raum zu definieren, in dem der Rest des Albums stattfindet.
Taiga
Mit Taiga schlagen Nytt Land den Bogen zu ihrem „Nordic Folk“-Ruf – melodische Gesangslinien, trommelgetriebener Puls, Chöre, die man problemlos auf einem Wardruna-Billing unterbringen könnte. Genau hier wird aber auch klar, dass die Band inzwischen genug eigenes Profil hat, um nicht als bloße Heilung-Kopie durchzugehen: Die Rhythmik wirkt trockener, der Gesang weniger theatralisch, eher erdverbunden als „Festival-Ritual“.
Totem
Totem ist der Hypnose-Song des Albums: ein langsamer, kreisender Groove, darüber Call-&-Response-Vocals und Kehlgesang, der sich immer weiter verdichtet. Die Struktur ist minimalistisch, aber die Schichtung von Trommeln, Chants und Hintergrundgeräuschen sorgt für echten Trance-Effekt. Der Track macht klar, warum Nytt Land mittlerweile eher als Ritualband wahrgenommen werden als „nur“ als Folk-Act.
Mansi
Hier rückt die Bezugnahme auf indigene Kulturen in den Vordergrund: der Song basiert auf traditionellen Motiven und Texten, die den gleichnamigen Volksgruppen gewidmet sind. Musikalisch mischen sich sanfter Gesang, Maultrommel-Pulse und eine strukturell fast poppige Steigerung. Ein guter Einstieg für Leute, die nur einen Song testen wollen, bevor sie sich auf die ganze Reise einlassen.
Tygir Tayii (Heavenly Sacrifice)
Der Rausschmeißer ist der große Moment des Albums: über sechs Minuten bauen sich Trommeln, Chants und Drone-Flächen auf, bis man tatsächlich das Gefühl hat, einem rituellen Opfer beizuwohnen, ohne Blut, aber mit viel innerem Kino. Die Melodie ist schlicht, dafür sitzt jede Wiederholung. Wenn Aba Khan irgendwo über sich hinauswächst, dann hier.
🎨 Artwork
Ein Ritualteppich als Plattencover: Aba Khan sieht aus, als hätte jemand ein altes, halb verbranntes Stoffbanner aus einer sibirischen Jurte geschnitten und direkt auf die Hülle geklebt. Der Hintergrund ist ein tiefes, verkratztes Dunkelrot, übersät mit Schlieren, Kratzern und winzigen Flecken, die eher nach jahrzehntelangem Gebrauch als nach Photoshop-Filter wirken. Darauf liegen in einem etwas helleren Rot die Linienzeichnungen, grob, kantig, bewusst unperfekt. Mehr eingeritztes Symbol als Grafikdesign.
Im Zentrum ruht ein großer Kreis, umgeben von kleineren Strahlen, Spitzen und Querbalken, die irgendwo zwischen Sonnenrad, Zielscheibe und Wegkreuzung hängen. Nichts ist exakt symmetrisch, alles wirkt handgemacht, als sei dieses Zeichen schon hundertmal auf Trommeln, Steinen und Tierhäuten aufgetaucht, bevor es auf einem Album landete. In den Ecken deuten sich sonnenartige Formen an, deren Strahlen wie ausladende Hände ins Bild greifen, während unten zwei stilisierte Tiergestalten – vielleicht Bären, vielleicht Geister in Bärenform – am Rand entlangschlurfen, als würden sie den Rahmen des Rituals bewachen.
Der Bandname NYTT LAND steht oben in runenhaft ausgefransten Lettern, weiß auf rot, als frostiger Kontrapunkt zur warmen Grundfarbe. Unten, kleiner, aber genauso scharfkantig, der Titel ABA KHAN: eher eingeritzt als geschrieben. Zusammen ergibt das Artwork ein stilles, aber sehr klares Statement: keine Fantasy-Illustration, keine cosplaytaugliche Heldenpose, sondern ein Symbolfeld. Wer die Zeichen nicht kennt, soll sie fühlen und wer sie kennt, weiß ohnehin, dass die eigentliche Handlung nicht auf dem Cover stattfindet, sondern im Kopf, sobald die Trommeln einsetzen.
🪦 Besondere Momente
Mehr Sibirien, weniger Wikinger-Kitsch: Wo frühere Werke noch stark auf nordische Mythologie und Runenästhetik setzten, widmet sich Aba Khan explizit der „alten, schönen und großen“ Landschaft Sibiriens und ihren Traditionen. Das ist nicht nur ein PR-Satz, sondern hörbar: in der Sprachwahl, den Rhythmen und der Bildwelt.
Ritual statt Songwriting-Schlacht: Ein Teil der Platte lebt von Wiederholung und kontemplativer Monotonie. Das ist konzeptionell schlüssig, führt aber dazu, dass zwischendurch die Spannungskurve absackt, vor allem Uitag wirkt eher wie Hörspiel-Zwischenszene und kaum als eigenständiger Track.
Authentizität vs. Ritual-Pop: Klar, man kann jetzt darüber diskutieren, wie „authentisch“ Ritual-Folk sein darf, der über Prophecy, Napalm & Co. weltweit vertrieben wird. Nytt Land lösen das elegant: Sie machen keinen dokumentarischen Anspruch auf, sondern übersetzen die Eindrücke ihrer Reisen bewusst in eine moderne Klangsprache, inklusive Hall, Produktion und Bühnenpräsenz. Authentizität entsteht hier nicht durch museale Folklore, sondern durch Konsequenz im eigenen Konzept. Das kann man durchaus gut finden.
🪓 Fazit
Nytt Land, gegründet 2013 in Kalachinsk (West-Sibirien) von Natalya und Anatoly Pakhalenko als „ritual Nordic folk band“; Sitz am Fluss Om, der von der Transsibirischen Eisenbahn gekreuzt wird. Also ehrlich? Das alleine klingt schon wie Albumkonzept. Alben habe sie seitdem fleißig veröffentlicht: Diverse Self-Releases und Labelalben, u. a. Fimbulvinter, Oðal, Ritual und Songs of the Shaman. Aba Khan ist das zehnte Album, zugleich das vierte seit Ritual.
Das Album ist eine Liebeserklärung an Sibirien, entstanden nach einem Jahr Reisen durch die Region; die Texte basieren auf Legenden, Mythen und spirituellen Praktiken. Erzählt wird in Sprachen indigener Stämme und in Altnordisch, mit deutlicher Verschiebung Richtung sibirische Idiome.
Aba Khan ist kein „neues Wardruna“, kein Festival-Ritual mit Merch-Upgrade, sondern eine angenehm eigensinnige Weiterentwicklung von Nytt Lands schamanischem Folk. Wer bereit ist, sich auf lange Rhythmen, Trance-Strukturen und eine gewisse Gleichförmigkeit einzulassen, bekommt ein dichtes, atmosphärisches Album, das eher „Zeremonie im Kopf“ als Playlist-Futter ist.
Für Genrefans ist das ein ziemlich sicheres Ding, auch, weil Nytt Land endlich die eigene Herkunft so deutlich in den Vordergrund rücken. Wer hingegen nur mal kurz „was mit Trommeln und Hörnerhelmen“ anmachen will, wird mit Aba Khan vermutlich wenig anfangen können und bleibt besser bei den üblichen Verdächtigen.

| Künstler: | Nytt Land |
| Albumtitel: | Aba Khan |
| Erscheinungsdatum: | 20. Februar 2026 |
| Genre: | Ritual Dark Folk, Nordic Folk, Siberian Folk |
| Label: | Prophecy Productions |
| Spielzeit: | ca. 40 Minuten |
Aba Khan
Taiga
Totem
Uitag
Mansi
The Oath
Prayer
Tygir Tayii (Heavenly Sacrifice)
🎬 Offizieller Visualizer
Nytt Land – „Mansi“ als offizieller Visualizer – rituelle Taiga-Bilder und Schamanen-Atmosphäre, bereitgestellt vom offiziellen Prophecy Productions-YouTube-Channel:
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