Death Dealer – Reign of Steel (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Death Dealer – Reign of Steel

🧿 Kurzfazit
Reign of Steel ist ein schulbuchmäßig produziertes Power-Metal-Bollwerk mit All-Star-Line-up, das lieber seine Muskeln zeigt als Songs zu schreiben, die im Gedächtnis bleiben. Stahl gibt es zuhauf, scharfe Klingen eher in Spurenelementen.

🎯 Für wen?
Für Fans von klassischem US-Power-Metal, die sich eine moderne Kreuzung aus Judas Priest, Primal Fear und alten Manowar vorstellen können und vor High-Pitch-Dauerfeuer keine Angst haben. Wer Hooks wichtiger findet als Höchstnoten im Gesangs-Olymp, sollte vorsichtig zugreifen.

🎧 Wie klingt das?
Breitwand-Gitarren, sägende Speed-Riffs, sehr polierte Produktion, mächtig komprimierte Drums und ein Sänger, der jede zweite Zeile wie den Weltuntergang behandelt. Oldschool-Motive, aber im modernen, hart gepressten Soundgewand, das eher „Streaming-Playlist“ als „kneifender Proberaum“ ruft.

💿 Highlights
Riding on the Wings, Raging Wild and Free, Sleeping Prophet

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei Power-Metal mehr Wert auf eigenständiges Songwriting und erinnerbare Refrains legst als auf „Schau mal, wie hoch ich noch schreien kann“ und riffgetriebenes Dauer-Sperrfeuer.


⚔️ Death Dealer – Reign of Steel: Viel Stahl, wenig Schneide

Death Dealer gehen mit Reign of Steel in Runde vier. Nach War Master (2013), Hallowed Ground (2015) und Conquered Lands (2020) hagelt es jetzt zehn neue Songs mit knapp 45 Minuten Gesamtspielzeit.

Auf dem Papier ist das Line-up wieder ein feuchter Traum für Traditionalisten: Sean Peck an der Sirene, dazu Gitarrenlegende Ross „The Boss“ Friedman, Riffmaschine Stu Marshall, Bass-Ass Mike LePond und Drummer Steve Bolognese – einmal „Heavy-Metal-All-Stars“ zum Mitnehmen, bitte.

Produziert wurde das Ganze von Marshall und Peck, gemischt und gemastert von Chris Themelco in den Monolith Studios, das Artwork stammt von Dušan Marković mit zusätzlichem Design von Alex Yarborough.
Kurz gesagt: Die Voraussetzungen sind so günstig wie ein leeres Tor beim Elfmeterschießen. Die Frage ist nur, wie viele dieser perfekten Vorlagen tatsächlich den Weg ins Netz finden.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Power Metal, Heavy Metal
Vergleichbar mit: Ein moderner Bastard aus späten Judas Priest, frühen Primal Fear, einem Hauch Manowar und der melodischen Kante von Symphony X – nur ohne deren kompositorische Waghalsigkeit.
Klangfarbe: Klinisch präziser, sehr lauter Power-Metal-Sound mit aufgeräumten Gitarren, dicker Mittelton-Wand und kreischenden Vocals, die gelegentlich eher nach Stimmakrobatik als nach Songdienst klingen. Die Produktion zielt sichtbar auf „zeitlos modern“, ist aber so glatt, dass man sich manchmal einen Kratzer im Lack herbeiwünscht.

Reign of Steel ist kein Nostalgie-Bootleg, sondern eine bewusst moderne Variante des klassischen US-Power-Metals: tight, auf den Punkt, mit klar separierten Instrumenten und sehr präsentem Gesang. Man hört in jeder Sekunde, dass hier erfahrene Studiocracks am Werk waren und genau da beginnt leider auch das Problem.

Highlights

Riding on the Wings
Der offensichtlichste Hitkandidat. Der Song vereint die Stärken der Band am klarsten: ein griffiges Hauptthema, ein wirklich brauchbarer Refrain und Gitarrenleads, die nicht nur „schnell“, sondern auch melodisch im Kopf bleiben. Hier passen Pecks Höhenangriffe zur Flugmetapher, statt sie zu übertönen. Kein Klassiker, aber der Track, der am ehesten nach „Single“ klingt.

Raging Wild and Free
Die Band im Comfort-Zone-Modus: Uptempo, klassisches „True-Metal“-Feeling, ein Refrain, der zumindest im Live-Kontext hervorragend funktioniert. Die Strophen riffen sich hart am Lehrbuch entlang, doch hier greifen Dynamik und Arrangement endlich ineinander. Wenn das ganze Album diese Selbstverständlichkeit hätte, würden wir ganz anders reden.

Sleeping Prophet
Der längste Song der Platte nutzt die Spielzeit für Atmosphäre statt für weiteres Riff-Hornfeuer. Hier dürfen die Gitarren atmen, das Tempo sinkt, die melodischen Ideen wirken weniger nach Reißbrett. Plötzlich erinnert Reign of Steel daran, dass diese Musiker durchaus in der Lage sind, Spannungsbögen zu bauen, die länger halten als einen halben Refrain.

🎨 Artwork

Mechocalypse Now: Auf dem Cover von Reign of Steel marschiert ein haushoher Kampfmech durchs Bild, als hätte jemand die Reste aller 2000er-PC-Spiele in eine einzige KI-Prompt geschmissen. Der Koloss besteht aus Panzerplatten, Rohren, Raketenbatterien und genug Kaliber, um drei Kontinente komplett abzuräumen. Im offenen Brustkorb steht – gut sichtbar – eine muskulöse Kriegerin, Oberkörper frei, Haare im Sturm, irgendwo zwischen Metal-Amazone und „ich hab den Charaktereditor überstrapaziert“. Unter ihr glühen rote und blaue Lichter, Displays, Energiekammern, alles blinkt, alles schreit: Zukunftskrieg, aber bitte mit Nietenarmband.

Um den Mech herum herrscht die totale Endzeit-Überlastung. Der Boden ist eine eisige Schlachtwüste, durchzogen von Blutspuren, Trümmern und herumliegenden Monsterteilen. Rechts und links krabbeln groteske Kreaturen durchs Bild, eine Mischung aus Drachen, Kaiju und „dieses 3D-Modell war noch im Ordner“. Im Vordergrund stürmt eine weitere Kriegerin im Bikini-Rüstungsverschnitt auf uns zu, in jeder Hand eine Pistole, der Mund zum Schlachtruf aufgerissen, Patronengurte um die Hüfte, als hätte Mad Max eine Comic-Con besucht. Hinter ihr feuern weitere Kämpferinnen in die allgemeine Explosion, niemand trägt Kleidung, die irgendeine Form von ballistischer Logik hat, aber Hauptsache, es flattert.

Der Himmel brennt in Orange, Rot und Blau, als würde gerade ein ganzer Planet in HDR-Auflösung verglühen. Im Hintergrund ziehen futuristische Gunships ihre Bahnen, Laserstrahlen schneiden durch Rauchfahnen, Mündungsfeuer beleuchtet die Metallflächen des Mechs. Oben links klebt das Death-Dealer-Logo wie ein Metallschriftzug aus einem Videospiel-Launcher, unten prangt „Reign of Steel“ auf einer abgenutzten Stahlplatte, komplett mit Nietenrahmen. Es fehlt eigentlich nur noch ein „Press Start“-Button, dann wäre das Cover ein spielbares Startmenü.

Unterm Strich wirkt das Artwork wie ein überdrehter Mix aus Heavy-Metal-Poster, Free-to-Play-Mobile-Shooter und vergessener Direct-to-DVD-Sci-Fi-Produktion. Subtil ist hier gar nichts, der Grad an Selbstironie ist schwer zu bestimmen – aber immerhin macht das Motiv ehrlich klar, worum es geht: maximale Übertreibung, Stahl-Fantasien ohne Filter und ein ästhetischer Ansatz, der lieber peinlich riskant ist als zurückhaltend. Wer bei diesem Cover innerlich zusammenzuckt, weiß genau, worauf er sich musikalisch einlässt.

Sorry, liebe Leser, dass das hier so lang wurde, aber dieses Artwork ließ uns schlicht keine andere Wahl.


🪦 Besondere Momente

Instrumentalpassagen, die mehr erzählen als manche Refrains
Immer dann, wenn die Vocals kurz schweigen, blüht Reign of Steel auf. Die Gitarren-Licks, Übergänge und Soloteile lassen erahnen, wie viel Substanz im Material steckt, wenn man es nicht permanent mit Höchston-Salven überzieht. Paradoxerweise sind die besten „Gesangslinien“ des Albums oft die, die gar nicht gesungen werden.

Der ewige High Scream
Die Band selbst macht in Interviews und Promo-Texten stolz auf den „vielleicht längsten durchgehenden High Scream, der jemals aufgenommen wurde“ aufmerksam. Ah so.
Das ist technisch beeindruckend und irgendwo auch sympathisch nerdig, sagt aber viel über den Fokus des Albums: Es geht um Performance-Rekorde, nicht unbedingt um memorierbare Melodien.

Titel, die mehr versprechen als sie halten
Assemble, Bloodbath, Dragon of Algorath, Reign of the Night: Auf dem Backcover liest sich das wie die Playlist einer imaginierten Power-Metal-Serie auf irgendeinem Streamingdienst. In der Praxis sind die Texte solide Genrekost, aber selten so ikonisch, wie die Titel suggerieren. Statt epischer Bildwelten gibt es oft Schlagwort-Drehscheibe.

🪓 Fazit

Death Dealer wurden von Ross The Boss Anfang der 2010er als klassisch orientierte Heavy-Metal-Supergroup gegründet. Das Debüt War Master (2013) kam aus der Ecke geschossen wie eine spätere Frazetta-Skizze auf Speed, Hallowed Ground (2015) zementierte den Ruf als ernsthafte US-Power-Metal-Kraft, Conquered Lands (2020) stellte die Band endgültig auf Massacre-Records-Gleise.

Reign of Steel ist nun Album Nummer vier, entstanden nach einigen Jahren Funkstille, in denen andere Projekte der Beteiligten deutlicher sichtbar waren. Laut Label-Kommunikation versteht die Band die Platte als bisherigen Höhepunkt, als sorgfältig geschliffenen Stahlkoloss aus tausenden Stunden Arbeit.

Man hört diesen Anspruch: Die Produktion ist groß, die Arrangements sind dicht, das Level an technischer Kontrolle enorm. Was man seltener hört, ist die spontane Gefährlichkeit, die War Master und Teile von Conquered Lands so unmittelbar gemacht hat. Wo früher der ungefilterte Adrenalinrausch tobte, sitzt heute eine sehr professionelle Metal-Maschine, die genau weiß, wie man einen Refrain baut und ihn dann trotzdem zu selten unvergesslich macht.

Reign of Steel ist ein respektabler, hart arbeitender Power-Metal-Brocken: laut, technisch satt, kompromisslos auf „Heavy-Metal-Energie“ getrimmt. Wer genau das sucht, bekommt hier reichlich Futter.

Gleichzeitig verschenkt die Band mehrfach die Chance auf wirklich große Hymnen. Viele Riffs, viel Willen, viel Handwerk, aber nur einige Songs, die einem wirklich im Gedächtnis bleiben.

Für eingeschworene Death-Dealer- und Ross-The-Boss-Jünger ist das Album ein sicherer Kauf. Wer auf der Suche nach dem nächsten modernen Genre-Meilenstein ist, wird hier definitiv kein Glück haben.

Albumcover Death Dealer – Reign of Steel: gigantischer Kampfmech mit muskulösem Krieger im Cockpit stampft durch eine eisige Schlachtlandschaft, vorne halbnackte Endzeit-Kämpferinnen mit Pistolen, ringsum Monster, Explosionen und fliegende Kriegsmaschinen vor feuerrotem Himmel in knalliger Sci-Fi-Fantasy-Optik.
Künstler:Death Dealer
Albumtitel:Reign of Steel
Erscheinungsdatum:23. Januar 2026
Genre:Power Metal / Heavy Metal
Label:Massacre Records
Spielzeit:ca. 44 Minuten

Assemble
Devil’s Triangle
Riding on the Wings
Bloodbath
Raging Wild and Free
Blast the Highway
Compelled
Dragon of Algorath
Sleeping Prophet
Reign of the Night

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „Riding On The Wings“ – ein klassischer Power-Metal-Clip mit viel Bühnenpathos und Stahlromantik zum aktuellen Death-Dealer-Album Reign Of Steel.
Bereitgestellt vom offiziellen Massacre Records-Channel auf YouTube:

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