🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Mayhem – Liturgy Of Death
🧿 Kurzfazit
Liturgy Of Death zeigt Mayhem als hochpräzise Black-Metal-Maschine, die Komplexität über Instinkt stellt. Technisch beeindruckend, konzeptionell düster, emotional aber eher Eisschrank als Scheiterhaufen.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die De Mysteriis Dom Sathanas verehren, Daemon respektieren und bei Bands wie Deathspell Omega oder Batushka eher neugierig als genervt sind. Wer Black Metal als Extrem-Laborexperiment begreift und gerne Taktwechsel zählt, ist hier richtig.
🎧 Wie klingt das?
Rasende Drums, sägende Gitarrenlabyrinthe, dissonante Akkorde, Attilas beschwörender Sprech-, Kreisch- und Singhybrid, alles in einem sehr klaren, eher kalten Soundbild. Wenig Nebel, viel chirurgisches Licht.
💿 Highlights
Ephemeral Eternity, Weep For Nothing, Aeon’s End
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du von Mayhem vor allem nekrotische Kellerproduktion, simple Keulenriffs und sofort mitsummbare Leitmotive erwartest.
👁🗨 Mayhem – Liturgy Of Death: Gottesdienst im Großlabor des Chaos
Vier Jahrzehnte nach den ersten Krachkassetten stehen Mayhem an einem Punkt, an dem jede Veröffentlichung automatisch zum Kommentar über die eigene Legende wird. Nach dem vergleichsweise zugänglichen Daemon und diversen Live- und Zwischenwerken schiebt die Band mit Liturgy Of Death ein Studioalbum nach, das weder Nostalgie noch Fanservice bedienen will. Stattdessen wirkt die Platte wie ein bewusst überzeichnetes Spätwerk: eine einstündige Messe über Verfall und Sterblichkeit, komponiert von Leuten, die Black Metal längst nicht mehr als Stil, sondern als Form der Klangforschung begreifen.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Black Metal, moderner Norwegen-Style mit experimenteller Schlagseite
Vergleichbar mit: späte Emperor ohne Pathos, Deathspell Omega in etwas geraderer Form, Daemon auf Speed und unter Neonlicht
Klangfarbe: ein permanenter Sturm aus Blastbeats, hektisch versetzten Riffs und verzerrten Choral-Fragmenten, durchzogen von Attilas heiserem Prediger-Timbre. Die Produktion von Century Media-Hausumfeld und Co. setzt auf Klarheit: jedes Becken, jeder Ghostnote-Akzent steht frei im Raum, während eine trockene Gitarrenwand alles zusammenzurrt.
✨ Highlights
Ephemeral Eternity
Der Opener macht den Anspruch der Platte sofort klar: kein klassischer Song, sondern ein Strudel. Hochgeschwindigkeits-Blasts, abrupt abreißende Flächen, plötzliche Halftime-Einschübe, als würde jemand alte Riffideen, neue Taktmodelle und Endzeit-Hall in derselben Schale verrühren. Das Stück ist anstrengend, aber auch faszinierend, weil es Mayhem als komplett unzimperlichen Selbstkommentar zeigt: Wer hier aussteigt, soll offenbar gar nicht erst weitermachen.
Weep For Nothing
Die vorab ausgekoppelte Nummer kommt dem klassischen Songverständnis am nächsten. Ein markantes Hauptthema, das wie eine finstere Variante früher Daemon-Momente wirkt, dazu Attila in Bestform: flüsternd, raunend, plötzlich schreiend, als würde er eine Predigt halten, die zwischendurch immer wieder in Zungenrede kippt. Im letzten Drittel schlägt Hellhammer das gesamte Arrangement in Trümmer, bevor ein kalter, fast sakraler Schluss alles wieder einfriert.
Aeon’s End
Hier treffen klassische Mayhem-Düsternis und moderner Extrem-Metal am stimmigsten aufeinander. Das Anfangsriff wirkt fast traditionell, wird aber ständig durch verschobene Betonungen und kleine rhythmische Brüche sabotiert. Zwischendurch öffnen sich kurze, fast majestätische Gitarrenflächen, bevor das Stück erneut in chaotische Wirbel stürzt. Ein gutes Beispiel dafür, wie die Band 2026 klingt, wenn sie sich für einige Minuten auf zwei, drei Ideen konzentriert.
🎨 Artwork
Ein Stillleben von höchster Morbidität: Auf dem Cover von Liturgy Of Death inszenieren Mayhem einen schwarzen Altar als sehr finsteres Stillleben. Im Zentrum liegt ein halb verwesender Kopf mit aufgerissenem Mund auf einer hölzernen Kommode, die Augenhöhle leer, Zähne schief und gelb, als würde der Schädel mitten im letzten Schrei eingefroren. Dahinter spannt sich ein ovaler Spiegel oder Rahmen auf, über dem ein kleines Totenkopf-Relief sitzt; darin thront das silbrig weiße Mayhem-Logo wie eine sakrale Signatur.
Links stehen eine bauchige Glasflasche, eine alte Sanduhr und ein Strauß vertrockneter Blumen, daneben eine Tarotkarte mit Skelettmotiv und eine kleine Arznei- oder Giftphiole. Rechts hängt an einem Holzkreuz kein Messias, sondern ein Frosch, dessen Körper unheilvoll über einer dicken, halb heruntergebrannten Kerze baumelt. Vorn auf der Tischkante liegt eine Pfauenfeder neben einem Glas mit rötlichem Bodensatz, als wäre hier gerade eine okkulte Totenmesse unterbrochen worden. Alles ist in warme Braun-, Ocker- und Goldtöne getaucht, sodass die Szenerie gleichzeitig nach Museum und Leichenhaus riecht: barocke Vanitas-Malerei für Leute, die ihre Stillleben am liebsten mit Nekromantie und Alkohol serviert bekommen.
🪦 Besondere Momente
Hellhammers Schlagzeug als Hauptdarsteller
Das Drumkit ist hier weniger Begleitung als Leitfigur. Viele Songs werden von den Rhythmen her erzählt: plötzliche Stopps, scharf geschnittene Breaks, extrem enge Blast-Passagen. Das ist formal beeindruckend, raubt den Gitarren aber manchmal die Möglichkeit, wirklich zu „sprechen“.
Attilas liturgischer Wahnsinn
Attila Csihar bewegt sich erneut irgendwo zwischen orthodoxer Messe, Theatermonolog und Dämonenfunkspruch. Über mehrere Passagen hinweg klingt es eher, als würde er einen Ritualtext deklamieren, denn als würde er „singen“. Das passt zum Konzept, verschließt den Zugang aber noch hermetischer.
Die klinische Kälte des Sounds
Trotz aller Todesrituale wirkt Liturgy Of Death selten wirklich dreckig oder grimmig. Die Produktion ist so sauber, dass jeder Sägezahn der Gitarren genau nachgezeichnet wird. Wer „Gefahr“ stark mit Lo-Fi und Übersteuerung verbindet, wird sich hier eher wie in einem sterilen Obduktionssaal fühlen.
Komplexität als Selbstzweck
Viele Songs stapeln Riffs, Modulationen und Tempowechsel, statt ein starkes Leitmotiv zu setzen. Das erzeugt Staunen und Respekt, aber nur selten diesen Moment, in dem ein Part hängenbleibt und sich im Kopf festbohrt.
🪓 Fazit
Mayhem gehören zu den wenigen Black-Metal-Bands, deren Geschichte längst Teil der Popkultur ist: frühe Tapes, De Mysteriis Dom Sathanas, Mord, Skandale, das komplette Norwegen-Drama. Seit den 2000ern hat die Band dieses Erbe nie einfach wiederholt, sondern jeweils neu kommentiert, mal progressiv (Grand Declaration Of War), mal chaotisch roh (Ordo Ad Chao), mal fast klassisch (Daemon).
Mit Liturgy Of Death wirkt es, als wolle das aktuelle Line-up – Attila, Hellhammer, Necrobutcher, Teloch und Ghul – endgültig beweisen, dass man sich aus der eigenen Legende befreien kann, ohne sie zu verleugnen. Die Songs zitieren hier und da frühere Stimmungen, sind aber insgesamt stärker auf rhythmische Komplexität und konzeptionelle Strenge ausgerichtet als auf ikonische Einzelmotive.
Liturgy Of Death ist kein neuer Instant-Klassiker, der neben De Mysteriis Dom Sathanas ins Regal wandert und sofort ganze Generationen prägt. Es ist ein spätes, kompromissloses Statement einer Band, die Black Metal inzwischen wie eine Mischung aus Ritus und Rechenaufgabe behandelt.
Wer sich gerne in überfrachteten, hochpräzisen Arrangements verliert und Lust hat, jede Wendung nachzuvollziehen, bekommt hier ein Album, an dem man lange kauen kann. Wer von Mayhem vor allem urinstinktive Finsternis und ikonische Riffs erwartet, wird Respekt empfinden, aber vermutlich öfter bewundernd nicken als wirklich ausflippen.

| Künstler: | Mayhem |
| Albumtitel: | Liturgy Of Death |
| Erscheinungsdatum: | 6. Februar 2026 |
| Genre: | Black Metal |
| Label: | Century Media Records |
| Spielzeit: | ca. 48 Minuten |
Ephemeral Eternity
Despair
Weep For Nothing
Aeon’s End
Funeral Of Existence
Realm Of Endless Misery
Propitious Death
The Sentence Of Absolution
🎬 Offizieller Visualizer
„Realm of Endless Misery“ – der offizielle Visualizer von Mayhem zum Album Liturgy Of Death, veröffentlicht auf dem YouTube-Kanal The True Mayhem Official.
Mehr Album-Reviews für dich?
Dieses Review war für dich cool und du würdest gerne mehr lesen? Reviews aus sämtlichen Spielarten der Fantasy Musik findest du auf unserer Fantasy Alben Seite.



