🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Briar Boleyn – On Wings of Blood
📚 Kurzfazit
On Wings of Blood ist Dark-Academia-Romantasy als Produktdesign: Vampir-Akademie, Fae Drachenreiterin, Enemies-to-Lovers, viel Spice, wenig Feinarbeit. Literarisch unteres Unterhaus, als TikTok-Klickmagnet präzise gebaut.
😒 Was nervt?
Medra trifft Entscheidungen nach dem Motto Trotz-vor-Vernunft und stolpert von Triggerpunkt zu Triggerpunkt, während der Roman bekannte Reihen wie Fourth-Wing-Gothic-Fanfiction wirken lässt. Tiefe wird oft durch Intensität ersetzt, Nuancen durch immer noch einen Schmerzpunkt mehr.
✨ Was funktioniert?
Die Grundidee eines Vampirstaats, der mit Blutritualen und mentaler Manipulation regiert, ist stark; die Bloodwing-Academy als Mischung aus Hof, Gladiatoren-Schule und Gehirnwäsche-Internat hat tatsächlich Biss. Wer Dark-Academia-Romantasy als Extreme-Sportart liest, bekommt hier ordentlich Material.
🧠 Figuren und Welt
Blake Drakharrow erfüllt jeden „Bully-villain-mit-Draco-Energie“-Wunschzettel, Medra ist als zornige fae Prinzessin eher Projektionsfläche als sauber ausgearbeitete Figur. Die Welt Sangratha mit Highblood-Vampiren, Blightborn und Drachen-Mythos ist interessant angelegt, bleibt aber oft Pappkulisse für Beziehungsdrama.
🐦 Crowbah meint
Ein Roman wie ein algorithmisch kuratierter For-You-Feed: man wischt sich durch Blut, Trauma und Slow-Burn-Küsse, merkt aber selten, dass die wirklich gefährlichen Lücken zwischen den Zeilen sitzen.
🩸 Briar Boleyn – On Wings of Blood: Vampirstaat mit Drachen-Dekor und erstaunlich wenig Biss
Es gibt ja viele Bücher, bei denen man zuerst den Marketing-Algorithmus hört und erst danach die Figuren wahrnimmt. On Wings of Blood gehört genau in diese Kategorie: limitierter Farbschnitt, New-York-Times-Stempel, TikTok-Phänomen, „epische Romantasy mit Spice“ und eine Vampir-Akademie, in der Blut als Währung läuft.
Dazwischen steht Medra Pendragon, letzte Drachenreiterin ihrer Welt, als Fae Schachfigur in einem Vampirstaat, der lieber bindet als redet.
Das Ergebnis ist ein Roman, der erstaunlich effizient Tropen bedient und gleichzeitig zeigt, wie dünn moderne Romantasy werden kann, wenn man Plot, Spice und Trauma in denselben Mixer wirft.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Medra Pendragon hat in ihrer ursprünglichen Welt Camelot buchstäblich alles geopfert, um einen korrumpierten Gott auszuschalten. Statt heldenhaft zu sterben, wacht sie nackt und desorientiert auf einem Haufen Leichen in einem fremden Reich namens Sangratha auf.
Dort herrschen Highblood-Vampire, deren Macht über Blut, Rituale und strikte Hierarchien läuft. Also im Prinzip wie die USA unter Trump, nur mit echten Blutsaugern. Eine Patrouille findet Medra, erkennt ihre Fae-Merkmale und erklärt sie zur Blightborn, zu etwas Seltenem und Gefährlichem, das man besser beschlagnahmt als versteht.
Angeführt wird diese Patrouille von Prinz Blake Drakharrow, einem Vampir mit genau der Mischung aus Arroganz, Machtbewusstsein und Attraktivität, die das Marketing als „bully villain“ verkauft.
Vor dem schwarzen Hof wird Medra nicht als Person verhandelt, sondern als Ressource. Um ihre Fähigkeiten zu sichern, wird sie durch ein uraltes Ritual an Blake gebunden, was rechtlich Ehe, Eigentum und magische Kontrolle in einem ist.
Von dort geht es an die Bloodwing-Academy, eine Eliteschule für Highblood-Nachwuchs, die eher an eine Mischung aus Kriegsakademie und höfischer Arena erinnert als an Bildungseinrichtung. Schwache sterben, nützliche Figuren steigen auf, Blightborn wie Medra sind Spielmaterial.
Zwischen Prüfungen, Duellen und sozialen Demütigungen muss sie lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren und die Regeln eines Systems zu lesen, das sie permanent zu brechen droht.
Die Beziehung zu Blake schwankt zwischen Feindseligkeit, strategischer Allianz und toxischer Anziehung. Er ist gleichzeitig Schutzschild und unmittelbare Gefahr. Während Medra versucht, in dieser Konstellation nicht unterzugehen, stößt sie auf die verschüttete Geschichte von Drachen, vergangenen Aufständen und der Frage, warum ausgerechnet eine letzte Drachenreiterin in einem Reich ohne Drachen gelandet ist.
Der erste Band endet nicht mit einer Auflösung, sondern mit der Skizze einer kommenden Rebellion. Medra überlebt, hat erste Fesseln gesprengt, neue geschlossen und steht nun sichtbar zwischen Highblood-Politik, Drachen-Erbe und ihrer eigenen, immer noch nicht sortierten Moral.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Briar Boleyn schreibt in einer sehr direkten Ich-Perspektive, die konsequent auf maximalen Impuls zielt. Sätze hängen selten lange nach, Bilder sind klar, gerne pathetisch und fast immer so gebaut, dass man sie problemlos als TikTok-Quote auf einen Farbschnitt drucken könnte. Viele englische Leser loben das als „addictive“ und „unputdownable“, weil kaum ein Kapitel endet, ohne einen neuen Konflikt zu setzen.
Literarisch bleibt der Stil funktional: Dialoge tragen, wo sie müssen, innere Monologe betonen Schmerz, Wut und Sehnsucht, komplexere Zwischentöne sind eher die Ausnahme. Wer ruhige Zwischensätze und atmosphärische Feinheiten mag, wird hier selten fündig. Die deutsche Übersetzung wirkt solide und trifft den jugendlich düsteren Ton der Vorlage, ohne ihn zu sonderlich zu glätten.
🧍♂️ Figuren
Medra Pendragon ist als letzte Drachenreiterin, Fae-Prinzessin und Gottesmörderin auf dem Papier eine faszinierende Figur. In der Praxis ist sie eine Mischung aus Trauma-Bündel und Dauerwiderstand, die häufig impulsiv reagiert, statt strategisch zu handeln. Ein Teil der Community feiert genau das als nachvollziehbare Reaktion auf Gewalt und Fremdbestimmung, ein anderer Teil empfindet sie als anstrengend und inkonsistent. Wir haben es beim Lesen meist als ziemlich blöd empfunden.
Blake Drakharrow ist das, was der Klappentext verspricht: ein grausamer, kontrollierter, hochfunktionaler Vampir-Prinz mit Draco-Malfoy-Energie. Die Dynamik zwischen ihm und Medra spielt sehr bewusst mit toxischen Mustern und Machtgefällen, inklusive Zwangsbond, emotionaler Manipulation und Grenzüberschreitungen. Dass viele Rezensionen ihn als „problematic fave“ labeln, ist wenig überraschend.
Die Nebenfiguren sind solide gezeichnet, bleiben aber klar im Dienst der Hauptachse Medra–Blake–System. Loyaler Blightborn-Freundeskreis, intrigante Highblood-Konkurrenz, eiskalte Familienmitglieder im Machtapparat: alles da, alles funktional, wenig, was man Wochen später noch lebendig vor Augen hat.
🕒 Tempo und Aufbau
Auf den ersten Seiten geht alles sehr schnell: Opfer, Tod, neues Reich, Leichenfeld, Vampir-Prinz, Blutbindung, Akademie. Das fühlt sich wie ein bewusster Bruch mit gemächlicher High-Fantasy-Tradition an und dürfte viele Leser am Anfang tatsächlich packen.
Im Mittelteil zeigt sich dann, dass 700 Seiten auch gefüllt werden wollen. Akademie-Sequenzen, Trainingsszenen, Machtspiele und Consort-Wettkämpfe sorgen zwar für ständige Konflikte, wirken aber gelegentlich wie Variationen derselben Situation. Zudem finden sich einige Unsauberkeiten in der Zeitlogik des Erzählten und dauernde Wiederholungen im Muster Konflikt–Versöhnung–neue Eskalation.
✨ Atmosphäre und Welt
Hier liegt die größte Stärke des Buches, wenn man davon reden kann. Sangratha als Vampir-Herrschaftsgebiet mit Highblood-Elite und Blightborn-Unterschicht ist atmosphärisch gut angelegt. Die Bloodwing-Academy funktioniert als Hybrid aus Hof, Kampfschule und ideologischer Indoktrination. Wer Lust auf einen durchinszenierten Vampirstaat mit Ritualen, Blutmagie und politischer Intrige hat, kommt in dieser Hinsicht auf seine Kosten.
Dazu kommt der Drachen- und Camelot-Mythos, der Medra als Fremdkörper im System markiert. Die Verbindung aus Artus-Anklängen, fae Herkunft und vampirellem Überwachungsregime ist zumindest auf dem Papier spannend. Im Roman bleibt sie im ersten Band allerdings eher Hintergrundrauschen, auf das spätere Bände aufbauen sollen.
📜 Fazit:
On Wings of Blood ist kein schlechter Roman im Sinne von handwerklicher Schlamperei. Dialoge funktionieren teils leidlich, das Worldbuilding hat Struktur, das Pacing ist auf Spannung getrimmt, und wer genau diese Art von Dark-Academia-Romantasy sucht, wird den Band vermutlich wegatmen. Aus Sicht des Fantasykosmos ist das Buch vor allem ein Symptom: eine hochoptimierte Tropen-Maschine, die permanent Gefahr simuliert, aber selten wirklich neue Gedanken riskiert.
Der Vampirstaat mit Blutritualen, mentaler Versklavung und Drachen-Erbe hätte das Potenzial für eine bitterböse, politisch scharfe Fantasy-Geschichte. Stattdessen stehen meist die nächste Konsort-Prüfung, der nächste toxische Schlagabtausch und der nächste Kuss knapp vor der Katastrophe im Fokus. Das ist legitim, aber auf Dauer komplett austauschbar.
Wer Romantasy als guilty pleasure liest und genau diese Kombination aus Enemies-to-Lovers, Bully-Romantik und dunklem Akademie-Setting sucht, bekommt mit On Wings of Blood eine sehr passgenaue Lieferung. Wer Fantasy als literarischen Raum für Überraschung, Ambivalenz und echte Themen schätzt, wird das Buch eher als Studienobjekt für moderne Algorithmus-Prosa lesen.
In unserem Redaktionsregal landet dieser Titel deshalb nicht bei den Empfehlungen, sondern im Fach „Interessante Marktbeobachtung mit Drachen-Cover“.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★☆☆☆
„Ein Vampirstaat mit vielen Ritualen und wenig Subtext, veredelt mit Farbschnitt und einem Drachen, der auf dem Cover brennt, ansonsten schnell vergessen ist.“

Autorin: Briar Boleyn
Titel: On Wings of Blood
Serie: Bloodwing-Academy, Band 1
Verlag: arsEdition
Übersetzung: Ina Streich, Sarah Johnsen
Seitenanzahl: 704 Seiten (Hardcover mit Kaltfolie, Farbschnitt und Charakterkarte in der ersten Auflage)
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-8458-6856-1
Mehr Buchempfehlungen für dich?
Dann besuche unbedingt unsere coolen Fantasy Roman Rezensionen. Noch mehr fantastischen Stoff für Augen oder Ohren bekommst du auf der Phantastik-Couch, die wir ebenfalls sehr empfehlen können.




