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Ectovoid – In Unreality’s Coffin
🧿 Kurzfazit
In Unreality’s Coffin ist ein moderner Oldschool-Death-Brocken, der fast schon beleidigend souverän klingt und seine Härte eher über Struktur als über Krach verkauft.
🎯 Für wen?
Für Hörer von Autopsy, Immolation, Necrot, die ihren Death Metal lieber als dunkles Architekturprojekt hören statt als schmutzigen Proberaumjam und denen eine klare Produktion nicht automatisch verdächtig vorkommt.
🎧 Wie klingt das?
Knorrige, verzahnte Rifflabyrinthe, Drums mit dauerndem Vorwärtsdrang, Bass als unterirdischer Strom, höhlenhafte Growls, die eher predigen als brüllen. Die Produktion ist erstaunlich transparent, lässt aber genug Moder im Raum, damit nichts nach Klinik riecht.
💿 Highlights
Dissonance Corporeum, In Unreality’s Coffin, In Anguished Levitation
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Death Metal nur magst, wenn er komplett verwaschen, hoffnungslos chaotisch oder von endlosen Dissonanz-Exzessen durchzogen ist. Dieses Album setzt auf strenge Ordnung im Chaos.
☠️ Ectovoid – In Unreality’s Coffin: Präzisions-Sarg für den schnellen Oldschool-Tod
Vierzehn Jahre nach dem Erstling steigen Ectovoid wieder aus der Gruft und bringen mit In Unreality’s Coffin ihr drittes Full-Length an die Oberfläche. Die Band aus Birmingham in Alabama hat nie versucht, den Death Metal neu zu erfinden, sondern ihn immer weiter zu verknappen, zu verdunkeln und technisch zu schärfen. Das Ergebnis 2026: ein ultraklassisches, aber sehr bewusst gebautes Album, das eher wie ein gezielt ausgehobenes Massengrab wirkt als eine lose Knochenhalde.
🎧 Was erwartet dich?
- Genre(s): Death Metal, Old-School-Death-Metal mit leichten Doom- und Black-Tupfern
- Vergleichbar mit: Eine Kreuzung aus Florida-Schule und finsterem Höhlen-Death, als würden frühe Morbid Angel mit Incantation in einem Raum proben, den Seraphic Entombment heimlich mit verstrahltem Nebel füllen.
- Klangfarbe: Die Gitarren arbeiten wie zwei Gesteinsbohrer, die sich im selben Tunnel treffen. Riffs knicken, verhaken sich, ziehen sich in schleppende Passagen zurück und springen dann wieder in nervöses Voranpreschen. Das Schlagzeug schiebt mit vielen kleinen Akzenten, Beckenfiguren und kurzen Fills, die eher von Ungeduld erzählen als von Brutalität. Der Bass legt eine dauerhaft brummende Platte unter alles, die Vocals sitzen wie ein Ritualgesang auf diesem Fundament, tief und grollend, aber nie matschig.
✨ Highlights
• Dissonance Corporeum
Der Einstieg macht sofort klar, worum es hier geht. Kein Intro, kein Nebel, direkt ein Riff, das wie ein Stolperstein wirkt und trotzdem mitreißt. Der Song funktioniert wie ein Manifest für die Platte: klarer Sound, verwinkelte Struktur, wenig Leerlauf und ein Solo, das eher klafft als glänzt.
• In Unreality’s Coffin
Der Titeltrack ist das Zentrum der Scheibe. Hier sitzt der Groove perfekt, jede Betonung wirkt durchdacht, und die Gitarrenlinien schrauben sich wie rostige Spiralen in den Schädel. Der Song zeigt, wie viel Atmosphäre man erzeugen kann, wenn man das Tempo bewusst drosselt und die Akkorde atmen lässt.
• In Anguished Levitation
Das Finale bündelt fast alles, was vorher angemessen unheilvoll vorbereitet wurde. Lang gezogene Steigerungen, Riffwechsel, die eher wie Kapitel wirken, und zwischendrin kurze Momente fast schon melancholischer Schwere. Kein epischer Bombast, sondern eine langsam schließende Sargklappe.
🎨 Artwork
Fortgeschrittene Todeskunst: Paolo Girardi macht hier keinen einfachen „Death-Metal-Sargkasten“, sondern einen kompletten Sturz aus der Realität: Oben das verkrustete Logo, daneben ein aufgeklappter Sarg, darunter ein nackter Körper, der rücklings in einen Strudel aus fleischigen Wirbeln, kosmischem Schlamm und organisch wuchernden Blasen gezogen wird. Die Farben kippen von giftigem Blaugrün in rostiges Blutrot, als würde ein Gehirn langsam verfaulen und dabei ein eigenes Universum ausspucken. Das ist weniger Cover als Prozessbild: Man sieht förmlich, wie „Unreality“ den letzten Halt unter den Füßen wegzieht, und genau so fühlt sich der Mix aus OSDM, Doom-Schwere und kosmischer Beklemmung dann auch an.
🪦 Besondere Momente
Die Art, wie die Band Pausen setzt: Oft kippt ein Blast-Part nicht in das erwartbare nächste Riff, sondern lässt die Drums kurz nachhallen, bevor ein neues Motiv ansetzt. Dadurch wirkt die Musik bedrohlich beherrscht statt bloß hektisch.
It Is Without Shape… als instrumentale Zwischenstation, die plötzlich melodische Linien nach vorne stellt und den Rest des Albums rückwirkend strukturierter erscheinen lässt. Der Track ist weniger Interlude als heimliches Storyboard.
Die Produktion: Das Album wurde bereits 2023 aufgenommen und erst 2025 gemischt, was man ihm in Form einer sehr gezielten Klarheit anhört. Man hat das Gefühl, jemand hat am Mischpult eine Taschenlampe in jeden Riffkorridor gehalten, ohne den Staub wegzuwischen.
Die Texte kreisen um Wahrnehmung, Nichts, körperliche Auflösung. Man hört zwar nicht jedes Wort, aber die Songtitel und die Art, wie die Vocals gesetzt sind, vermitteln ziemlich deutlich, dass hier kein Splatter-Comic verhandelt wird, sondern ein metaphysischer Nervenzusammenbruch.
🪓 Fazit
Ectovoid sind seit Anfang der 2010er-Jahre unterwegs und haben sich mit zwei Alben und einem EP in der internationalen Underground-Death-Szene vorsichtig, aber durchaus nachhaltig festgebohrt. Nach Dark Abstraction und einer längeren Veröffentlichungspause wirkt In Unreality’s Coffin wie ein bewusst gesetzter neuer Block im eigenen Fundament.
Das Quartett arbeitet hier mit fast unverändertem Line-up. Die Songs wurden in mehreren Sessions in einem Studio in ihrer Heimatstadt aufgenommen, später in Ruhe gemischt und gemastert. Das erklärt den Eindruck, dass die Platte weniger wie ein spontaner Rausch klingt, sondern wie ein sorgfältig ausgebauter Schädelbau mit vielen kleinen Kammern.
Spannend ist auch der Schatten, den die anderen Projekte der Musiker werfen. Wer den schleimigeren Doom-Ausstoß von Seraphic Entombment kennt, erkennt in den langsameren Passagen sofort eine Verwandtschaft. Statt die Stile wild zu vermengen, nutzt die Band diese Erfahrung, um dem Death-Gerüst hier und da ein schweres, zähes Gewicht anzuhängen.
In Unreality’s Coffin ist kein revolutionäres Death-Metal-Manifest, aber ein sehr stark fokussierter, technisch versierter und atmosphärisch dichter Abriss in Albumlänge. Die erste Hälfte arbeitet sich etwas nüchterner durch bekannte Motive, die zweite Hälfte zahlt das geduldig zurück und setzt die wirklich spannenden Akzente. Wer seine Death-Platten nach Riffqualität, Drumarbeit und Langzeitwirkung sortiert, sollte dieses Teil ziemlich weit oben einordnen. Wer hingegen nur auf extremen Schmutz oder völlig entgleiste Avantgarde hofft, wird den Kopf wahrscheinlich respektvoll neigen und dann doch lieber in eine andere Gruft weiterziehen.

| Künstler: | Ectovoid |
| Albumtitel: | In Unreality’s Coffin |
| Erscheinungsdatum: | 9. Januar 2026 |
| Genre: | Death Metal, Old-School-Death-Metal |
| Label: | Everlasting Spew Records |
| Spielzeit: | ca. 44 Minuten |
Dissonance Corporeum
Collapsing Spiritual Nebula
Intrusive Illusions (Echoes from a Distant Plane)
Formless Seeking Form
Irradiated Self
In Unreality’s Coffin
Erroneous Birth
It Is Without Shape…
In Anguished Levitation
🎬 Full-Album-Stream
Offizieller Full-Album-Stream zu „In Unreality’s Coffin“ – kriechender, kosmisch verzerrter Oldschool-Death Metal von Ectovoid. Bereitgestellt vom offiziellen Everlasting Spew Records-Channel auf YouTube:
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