Callie Hart – Brimstone (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Callie Hart – Brimstone (Schnellcheck)

📚 Kurzfazit
Brimstone ist eine prächtig veredelte Romantasy-Reliquie. Viel Gefühl, viel Blut, viel Pathos, handwerklich solide, aber mehr Monument der Welle als echter Wurf.

😒 Was nervt?
Dauerhafte Übersteuerung. Fast jede Szene ist Weltgericht, jede Berührung Offenbarung. Mate Bond, göttliche Siegel und Blutversprechen heben jede Beziehung auf Altarhöhe, echte Zweifel werden selten zugelassen.

✨ Was funktioniert?
Saeris Fane als überforderte Königin zwischen Pflicht und Sehnsucht, Fisher plus Carrion als starkes Abenteuerduo, sauber inszenierte Kämpfe und eine konsequent durchgezogene Bildwelt aus Blut, Feuer und Portalen.

🧠 Figuren und Welt
Yvelia und der Blood Court wirken wie eine Bühne, die gleichzeitig Romanwelt und Artbook sein will. Die Figuren tragen das, solange sie atmen dürfen. Sobald der Sakralrahmen übernimmt, werden sie mehr Kultobjekt als Charakter.

🐦 Crowbah meint
Für Quicksilver Fans ein opulentes Pflichtkapitel im eigenen Hausaltar. Wer von Romantasy mehr erwartet als vergoldete Mate Bonds und heilige Küsse im Kerzenkreis, findet hier vor allem ein sehr ordentlich gebautes Symptom der aktuellen Mode.

🩸 Brimstone: Wenn Romantasy sich selbst zur Religion erklärt

Brimstone ist kein Roman, der einfach erscheinen will. Er will thronen. Callie Harts zweiter Fae and Alchemy Band kommt als sakral veredeltes Objekt daher, komplett mit Wendeumschlag, Motiv Farbschnitt und Character Card, als hätte jemand den eigenen Bücherschrank in eine kleine Kathedrale der Romantasy verwandelt.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob diese Geschichte funktioniert, sondern ob sie unter all dem Weihrauch noch atmen kann.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Saeris Fane hat es geschafft. Nach den Ereignissen von Quicksilver ist sie Königin des Blood Court, Zentrum eines Reiches aus Vampiren und Fae. Eine Krone, die sie nie wollte, ein Hof, der jede Regung registriert, und ein Titel, der sich eher wie Fesseln anfühlt und nicht wie eine Belohnung.

Auf ihren Schultern liegt die Verantwortung für ein Land, das im Schatten eines kommenden Krieges steht. Ihr Bruder sitzt in der Heimat fest, ihr Zögling braucht sie, der Hof verlangt Entscheidungen, und jede Handlung kann zur Katastrophe werden. Saeris weiß, dass eine weitere Reise durch das Quicksilver sie das Leben kosten könnte. Gleichzeitig ist genau diese Reise der Schlüssel, um das zu retten, was ihr noch etwas bedeutet.

Parallel folgt der Roman dem Krieger Fisher, ihrem Mate, der mit dem Schmuggler Carrion Swift in ein entferntes Land mit zwei brennenden Sonnen aufbricht. Dort suchen die beiden Verbündete, Ressourcen und Antworten, während sie sich durch Gassen, Intrigen und Dämonenrudel kämpfen.

Brimstone erzählt damit zwei Linien: eine Königin, die zwischen Pflicht, Macht und persönlichem Wunsch zerrieben wird, und einen Krieger, der in der Fremde für eine Bindung kämpft, die ihn zugleich stärkt und knebelt. Dazwischen wächst eine Bedrohung, die nicht nur Höfe und Grenzen, sondern die gesamte Welt Yvelia infrage stellt.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Callie Hart schreibt mit einem sehr bewussten Hang zur großen Geste. Die Prosa ist körperlich, sinnlich, bildreich. Rituale, Krönungen, Hexenkreise, Blutmagie alles wird mit maximaler Intensität ausgeleuchtet. Wenn Saeris durch Feuer geht oder in Hallen voller Augen ihren Platz behaupten muss, springt das sehr direkt ins Kopfkino.

Der Preis dafür ist eine dauerhafte Übersteuerung. Fast jede Szene wird auf elf gedreht. Jede Berührung, jeder Blick, jeder innere Riss wird als Weltgericht formuliert. Die wenigen stillen Momente, in denen Figuren einfach mal reden oder atmen, zeigen deutlich, dass Hart auch leiser, witziger, lockerer erzählen kann. Sie gönnt sich diese Ruhe aber selten.

Wer sich gern in sprachlicher Überfülle suhlt, bekommt reichlich Stoff. Wer eine gewisse Variation im Ton erwartet, merkt irgendwann, dass der Roman das eigene Herz im Daueralarm hält.

🧍‍♂️ Figuren

Saeris Fane ist der stärkste Baustein des Buches. Sie ist weder reine Märtyrerin noch reine Machtfantasie, sondern eine Frau, die ein Amt angenommen hat, das ihr in jeder Szene widerspricht. Die innere Spannung zwischen Pflicht und persönlicher Sehnsucht trägt große Strecken des Romans. Wenn sie Entscheidungen trifft, sind sie selten bequem.

Fisher ist der klassische Romantasy-Krieger: loyal, tödlich, emotional zu hundert Prozent an seine Königin gebunden. Seine Perspektive gewinnt immer dann, wenn Carrion Swift neben ihm auftaucht. Dieser Schmuggler, Lügner, Überlebenskünstler reißt die Szenen aus dem sakralen Tonfall heraus und bringt genau die Art zynischen Kommentar, die man sich öfter wünschen würde.

Das Problem liegt weniger in den Figuren selbst als in dem Rahmen, der ihnen aufgezwungen wird. Mate Bond, Seelenverwandtschaft, göttliche Siegel, Blutversprechen jede wichtige Beziehung wird religiös hochgezogen. Wer Zweifel hat, liegt falsch. Wer sich entzieht, gilt als Verräter. Ambivalenz ist erlaubt, aber immer nur auf dem Weg zur Bestätigung des großen Bundes.

🕒 Tempo

Brimstone ist ein Brocken. Auf fast 850 Seiten passiert viel, und gleichzeitig dreht der Roman seine emotionalen Schleifen sehr ausdauernd.

Die Action funktioniert. Kämpfe, Dämonenangriffe, Verteidigungsschlachten, Fluchten durch Städte und über Grenzen hinweg sind sauber inszeniert und haben Tempo. Gerade die Szenen mit Fisher und Carrion lesen sich wie dunkle Abenteuerfantasy mit Romantasy-Einschlag.

Dazwischen steht der Hofplot mit Saeris, der bewusst schwerer geht. Intrigen, Machtspiele, Allianzen, Verrat, dazu der ständige Druck von außen und innen. Das passt thematisch, führt aber dazu, dass der Roman in längeren Abschnitten eher emotional stampft als vorankommt. Wer sich nach jeder Szene eine neue Nuance erhofft, wird etwas müde. Wer genau diese Wiederholung als Intensitätsbeweis liebt, fühlt sich abgeholt.

✨ Atmosphäre

Welt und Produkt sind konsequent aufeinander abgestimmt. Yvelia, der Blood Court, das Land der zwei Sonnen, alte Ruinen, magische Übergänge alles wirkt wie eine Bühne, die sowohl als Romanwelt als auch als Bilderserie funktionieren soll. Dunkle Paläste, schimmernde Portale, Sand und Schatten, Blut und Silber man sieht beim Lesen permanent mögliche Szenen vor sich.

Die Ausgabe selbst verstärkt diesen Eindruck noch einmal. Umfang, Ausstattung und Präsentation machen sehr klar: Brimstone will nicht nur erzählt, sondern auch ausgestellt werden. Das passt zum Inhalt. Der Roman inszeniert seine Rituale, Krönungen und Gelöbnisse wie heilige Handlungen. Liebe wird nicht nur gelebt, sie wird gefeiert, geweiht, mit Blut unterschrieben.

Damit entsteht eine Atmosphäre, die gleichzeitig faszinierend und anstrengend ist. Wer sich gern in einer Welt bewegt, in der jedes Gefühl zum Symbol erhoben wird, ist hier goldrichtig. Wer Fantasy mag, in der auch profane Konflikte Gewicht haben, wird sich manchmal nach einem schlichten Gespräch ohne kosmische Folgen sehnen.


📜 Fazit:

Brimstone ist ein sehr genau gebautes Monument der aktuellen Romantasy-Welle. Der Roman weiß, was seine Leserschaft sucht: große Gefühle, unerschütterliche Bindung, viel Leid, viel Blut, viel Verzückung. Handwerklich stimmt vieles, von den Kämpfen über die politische Bühne bis hin zur konsequent durchgezogenen Bildsprache.

Genau deshalb fällt umso mehr auf, wo das Buch sich weigert, Risiken einzugehen. Die Geschichte erfüllt Erwartungen mit fast mechanischer Zuverlässigkeit. Die große Liebe wird nie ernsthaft infrage gestellt. Macht wird selten wirklich gebrochen, sondern eher mit Pathos poliert. Opfer sehen spektakulär aus, fühlen sich aber selten endgültig an.

Wer Quicksilver verschlungen hat und einfach mehr davon will, bekommt hier den logischen nächsten Schritt. Wer sich fragt, ob dieses Genre mehr kann, als Mate Bonds zu vergolden und jedes Gefühl in sakralen Bildern zu taufen, findet in Brimstone vor allem ein sehr deutliches Symptom.

Eine kompetent geschriebene, pompöse, gelegentlich packende Erzählung, aber insgesamt eher Altarstück als Herausforderung.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★★☆☆ – „Eine prächtig veredelte Romantasy Reliquie, die viel mehr glitzert als überrascht.“

Buchcover von „Brimstone“ von Callie Hart vor einem alten Bücherregal: schwarzer Hintergrund mit großer flammend oranger Schrift „Callie Hart Brimstone“, kleine blaue Flamme im Buchstaben O und Unterzeile „Königin der Finsternis Krieger der Wölfe“.

Autorin: Callie Hart
Titel: Brimstone – Königin der Finsternis. Krieger der Wölfe
Reihe: Fae and Alchemy, Band 2
Verlag: Penguin
Übersetzung: Franca Fritz, Birgit Herbst, Angela Stein, Kerstin Fricke
Seitenanzahl: 848 (Gebundene Ausgabe)
Erstveröffentlichung: 2025
ISBN: 978-3-328-60429-7

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