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🩸 Die Nibelungen – Kampf der Königreiche: Wenn Worms aus der Nebelmaschine kommt
RTL+ hat Großes vorgehabt: Die Nibelungen – Kampf der Königreiche sollte deutsches Fantasy-Kino fürs Streaming-Zeitalter werden. Herausgekommen ist eine Art Worms of Thrones, nur ohne echten Throne, sehr wenig Spannung und disfunktionionaler Dramaturgie. Das Ganze basiert natürlich halb-lose auf der Nibelungen-Sage, allerdings nicht in ihrer historischen Variante. Man hat vielmehr den von Deutschlands Fantasy-Roman-Handwerker Nummer 1, Wolfgang Hohlbein, gefertigten Aufguss Hagen von Tronje als Vorlage verwendet. Logo, warum selbst was ausdenken, wenn solche Vorlagen billig zu kriegen sind.
Worum geht es dabei? Hagen von Tronje (Gijs Naber), ein wortkarger Haudegen mit permanent verzweifelt-genervtem Blick, dient dem König von Burgund, und versucht dessen Laden einigermaßen zusammenzuhalten wobei er mit so ziemlich allem ringt, was sich bewegt, inklusive den Fallstricken der Handlung.
Siegfried (Jannis Niewöhner) reitet als umjubelter Recke mit Drachenschuppen und Daddy Issues ein, verliebt sich in Kriemhild (Lilja van der Zwaag) und löst eine höfische Krise aus, die so heiß schmeckt wie lauwarmer Eintopf im Feldlager. Und klar: Da Depri-Hagen selbst ein Auge auf die holde Maid geworfen hat, gibt es nur eine Lösung: Der gefeierte Drachentöter muss weg.
🏰 Worms – Hauptstadt der grauen Dialoge
Was hier und da ein wenig visuell glänzt, Kostüme, Kulissen, Kamerafahrten, fällt in sich zusammen, sobald jemand den Mund aufmacht.
Statt mythischer Tragödie gibt’s Textbaustein-Tragik: „Du bist mein Schicksal, Kriemhild!“ – „Und du bist mein Plot Device, Siegfried!“ Ach du liebe Fantasy-Zeit.
Die Burgunder trainieren ihr Kampfgetue in Zeitlupe mit gefühlt maximal zehn Statisten, während Computernebel den Eindruck eines Riesenbudgets erwecken soll. Spoiler: Das funktioniert an keiner einzigen Stelle. Meistens sieht alles irgendwie sehr leer aus, am burgundischen Hof.
🧙♀️ Alte Wesen und die neue, bleierne Müdigkeit
Drachen, Nornen, Walküren, sie alle treten auf wie Special Guests bei einem Cosplay-Event. Kurzes Hallo, ein bisschen Glitzern, dann wieder weg. Wenn Die Nibelungen in einer Disziplin zu überzeugen weiß, dann ist es diese schwere Leblosigkeit, die auf der gesamten Serie lastet. Da ist er wieder, jener seltsame Ödigkeitseffekt, den man ganz gut von diversen teutonischen Vorabend-Krimiserien kennt. Die Serie will Magie, Politik und Pathos vereinen, bekommt aber nichts davon richtig zu fassen. Ergebnis: Man stolpert mit den wenig glanzvollen Figuren zusammen durch allerlei lieblos verbundene Handlungsschnipsel.
🩸 Das Ende vom Lied
In Folge sechs sterben viele, aber niemanden interessiert das dann noch so recht.
Was bleibt, ist ein visuell manchmal ganz nett gemeintes, aber erzählerisch komplett blutleeres Stück deutscher Mythologie, ungefähr so episch wie ein Mittelaltermarkt bei Dauerregen.



